Untergange entgegen treibt.
Es entstand eine augenblickliche Pause unter den beiden Männern, die dem Gefühl der Ehrfurcht Raum gab, welches den Menschen ergreift vor dem mächtigen Einschreiten einer göttlichen Gerechtigkeit, das die Kombinationen des Menschengeistes überbietet und seine Absichten durchschneidet.
Es ist ein gerecht Gericht gehalten, Sir, hob Richmond nach einer kleinen Pause an. Der böse Mensch übersieht in dem hochmütigen Dünkel, womit er die Mittel zu seinen Zwecken herbeiführt, dass er selbst die Gewalt entwickelt, die in zerstörender Gegenwirkung sich auf ihn wälzen wird, dass der Keim des Untergangs notwendig dem Unrecht inne wohnt und dieselben Mittel, die ihm dienen sollten, ihn zerstören werden.
Ich habe Befehl gegeben, ihre Körper zu beerdigen, begann endlich der Oberst und beurlaube mich, meinen Bericht nach hof zu machen, da mir nähere Befehle über mein ferneres Verhalten fehlen.
Bei dem tod der beiden hauptsächlich Beteiligten, versetzte Richmond, ist allerdings zu erwarten, dass man eine stille Beilegung der hier vorgefundenen Anzeigen über die Bestimmung des Schlosses vorziehen wird. Ich muss Euch noch ausserdem bitten, alle Andeutungen über die Anwesenheit und Verhältnisse der Lady Melville und unserer Gegenwart aus Euerm Berichte weg zu lassen, da dies aufs Neue Verfolgungen veranlassen könnte, denen wir das fräulein zu entziehen trachten müssen.
Ich willige um so eher in Euern Wunsch, erwiderte der Oberst, als ich dies als eine Privatsache ansehen muss, die zu meinen Dienstpflichten in keiner Beziehung steht.
Master Brixton hatte eine kurze Ruhe gefunden, und erblickte bei seinem Erwachen seinen jungen Freund, der bereit war, ihm die tröstlichen Nachrichten zu wiederholen, welche Margarit von Zeit zu Zeit aus dem Krankenzimmer herüber brachte.
Der Morgen war indessen vollends angebrochen, und die Männer hielten eine Beratung über ihre nächsten Schritte.
Eine sichere und jede Bequemlichkeit darbietende Zuflucht gewährte ihnen das Schloss, und dies war das augenblicklich nötigste Bedürfniss für Lady Maria.
Ein kurzer Aufentalt schien selbst dem Master Brixton nötig, da seine Gesundheit offenbar gelitten hatte, und so entschlossen sie sich, den Obersten Crawford, den sie offenbar vorläufig als ihren Wirt ansehen mussten, um diese Bewilligung zu bitten.
Dagegen suchte Brixton es zu verhindern, dass Richmond Nachrichten an seine Familie sende, oder suchte doch sie zu verzögern, indem er ihn bat, den Ausspruch Electas abzuwarten, wann ihre Abreise möglich sein werde.
Richmond willigte um so lieber ein, als er eine Art Scheu fühlte, sich über das fräulein gegen seine Familie zu äussern.
Oberst Crawford kehrte unterdessen zu ihnen zurück, und nachdem er ihren Wunsch auf das Zuvorkommendste bewilligt, folgten ihm die Herren, um das Schloss in Augenschein zu nehmen, und für sich und ihre Leute die Zimmer zu wählen. In diese zogen sie sich dann zu einiger Ruhe zurück, während Oberst Crawford in aller Stille die Ueberreste der Herzogin in den schon seit lange bereit stehenden Sarg legen und in das Erbbegräbniss neben ihrem Gemahle beisetzen liess, und damit das dritte Begräbniss seit seinem kurzen Aufentalt besorgte.
Den Frauen des Schlosses machte er jeder einzeln in ihrem Zimmer einen Besuch, und forderte sie auf, ihm ihre Verhältnisse zur Welt und zur verstorbenen Herzogin zu entdecken.
Er bekam hier genug Veranlassung, sich zu überzeugen, dass die meist aus Frankreich stammenden Frauen, welche hier der Herzogin eine Beschäftigung für ihre bösen Launen gewährt hatten, bis auf zwei, die in fanatischer Stupidität von jeder Mitteilung sich abwendeten, ohne alle Empfindung für das Ableben ihrer Patronin waren, und dass die Furcht vor der Strafe, die ihrer Korporation harre, ihr einziges Gefühl blieb.
Der Oberst verhiess ihnen Fürsprache und empfahl ihnen ein ruhiges Verhalten in ihren Zimmern. Eben so versammelte er die Dienerschaft der Herzogin, und nachdem er sie von der Straffälligkeit ihres bisherigen Lebens unterrichtet hatte und von den Verhältnissen, in denen er vorläufig zu ihnen stehe, schickte er sie an ihre Plätze zur Obwaltung des Hauses, liess dann mit militärischer Strenge von seinen Milizen die äusseren Posten besetzen und Keinem den Ausgang gestatten. Zur Versorgung der zahlreichen Bewohner war ein bedeutender Vorrat aller Bedürfnisse vorhanden, und die reichgefüllten, nach der See hin gelegenen Gewölbe bestätigten vollkommen den Verdacht, dessen Oberst Crawford, in Bezug auf die Kontrebandirer, bereits erwähnt hatte. In dem Krankenzimmer der Lady Maria ging das Geschäft der Pflege und Heilung seinen stillen geräuschlosen gang.
Electas Geschicklichkeit und Sorgfalt zeigte sich so vollkommen ausreichend, dass der herbeigerufene Arzt nur täglich den Puls zu fühlen übrig behielt, wonach er stets Gefahrlosigkeit und baldige Genesung prophezeihete, und endlich wohlbeschenkt das Schloss verliess.
Es war ein höchst ergreifender Anblick, als Electa endlich den ehrwürdigen Brixton an das Bett seines geliebten Zöglings führte.
Maria wollte seine Hand küssen; er legte sie segnend auf ihr Haupt. Aber was er ihr sagen wollte, konnte seine bewegte stimme nicht hervorbringen. Still setzte er sich ihr gegenüber, blickte sie an und fühlte die Tränen nicht, die über sein ehrwürdiges Gesicht flossen.
Mein Wohltäter! mein Vater! mein Erretter! rief das erschütterte Mädchen; welchen Gefahren, welchen Beschwerden habt Ihr Euch ausgesetzt, mich zu retten. O Ihr, mein einziger Schutz auf dieser Erde!
Beruhigt Euch, Lady Maria, erwiderte sanft der ehrwürdige Geistliche, Ihr dürft Euch nicht Euern Gefühlen überlassen; Eure Genesung ist zu wichtig. Aber Ihr werdet es bald erkennen, dass Euch noch viele Freunde geblieben sind.
Ach, Sir! seufzte Maria, wisst Ihr denn alle, die der unerbittliche Tod von meiner Seite nahm? Könnt Ihr sagen,