, die ihm entgegengesetzt wurden, und die, wenn sie auch seinen Verdacht vermehrten, ihn dennoch zu keiner Entdeckung kommen liessen.
Er berichtete darüber nach London, ehe jedoch die Antwort für ihn eintraf, wurde ihm eine indessen ausgewirkte erlaubnis des Königs präsentirt, welche jede Beunruhigung des Schlosses bei Lebzeiten der Herzogin von Sommerset verbot, die man offenbar als tödtlich leidend dargestellt hatte.
Indessen hatte der Bericht des Lord Devenant doch zur Folge gehabt, dass mir nach seiner Abberufung der Befehl ward, das Schloss aus der Ferne streng zu beobachten, besonders die Verbindung, die es mit der Umgegend unterhielte, und genau den Augenblick wahrzunehmen, wo die Lady mit tod abgehen würde, wonach der König, dem die Besitzungen als Lehnsherrn zufallen, berechtigt wäre, sogleich davon Besitz zu nehmen, und dies, unter Vorzeigung der mir dazu behändigten Vollmacht, augenblicklich ins Werk zu setzen, um wo möglich zu entdecken, ob der Argwohn, den die Bestimmung des Schlosses erregt, wirklich begründet sei. –
Wir dürfen nicht läugnen, Sir, sprach Richmond, dass, wenn wir auch nicht alles Unglück haben verhüten können, wir doch einer glücklichen Kombination von Zufälligkeiten unsere gemeinschaftliche Wirksamkeit verdanken.
Es ist mir nicht vergönnt, die Verhältnisse der Dame, zu deren Rettung ich dem ehrwürdigen Herrn hier meine hülfe lieh, ganz klar zu übersehn, und der Grund, warum man sie hierher führte, bleibt mir deshalb gleichfalls dunkel. Jedenfalls jedoch haben wir ihre Entführung verhindert, welche, zur Nachtzeit und bei so heftigem Sturme unternommen, entweder das Interesse zeigt, das man an ihren Besitz knüpfte, oder bei der Gefahr, der man sie rücksichtslos aussetzt, auch die empörende Absicht verraten kann, sie lieber aufzuopfern, als in ihre früheren Verhältnisse zurückkehren zu sehen. –
Und glaubt Ihr, Mylord, fragte der Oberst, dass man die Nähe ihrer Freunde ahnete, dass Eure Absicht, sie hier aufzusuchen, erraten war?
Ich darf daran nicht zweifeln, erwiderte Richmond; langsamer, als ich gewünscht, ist unsere Reise von London hierher vor sich gegangen; sie mehr zu beeilen, wäre mit Gefahr für das Alter und die Gesundheit des ehrwürdigen Herrn verbunden gewesen, dem ich wiederum eben so wenig voraneilen durfte, da ich seiner vollständigen Kenntniss des Schicksals der Lady in jedem Augenblick bedürfen konnte und auch zweifeln musste, ob die junge, oft schon bitter getäuschte Dame mir ohne den Schutz ihres anerkannten Freundes folgen würde.
Meinen Entschluss, über Dunferling zu gehen, wo, wie ich aus Lanci's Erzählung wusste, die einzige bewaffnete Macht vorhanden war, die wir zu hülfe rufen konnten, wenn der Weg heimlicher Unterhandlung, die uns von einem wohlmeinenden Unbekannten empfohlen ward, nicht zum Zwecke führen sollte, muss ich jetzt als ein grosses Glück ansehn, obwol er durch die notwendige Verzögerung, die er mit sich führte, unser Zusammentreffen mit dem Pater Johannes herbei führte, welchem unsere Absicht zu verbergen, ich gleich für eine Unmöglichkeit hielt und daher den Entschluss fasste, durch eine schnelle Ausführung, wo möglich, seinen Einwirkungen zuvor zu kommen und die Hilfe eines Ehrenmannes in Anspruch zu nehmen; welches Vorhaben dann durch die Ehre meiner Bekanntschaft mit Euch so sehr begünstigt ward.
Der Oberst verneigte sich. Richmond fuhr fort:
Lanci vorläufig bloss durch meinen persönlichen Beistand zu unterstützen, trieb mich die Ahnung einer nahen Gefahr. Wenige Stunden nach Ankunft des Pater Johann, und nachdem ich ihn über mein Verbleiben getäuscht hatte, eilte ich ohne alle Begleitung fort, dem Master Brixton die Bitte zurücklassend, ferneren Bescheid abzuwarten, und hoffend, durch die Gegenwart desselben und meiner Leute den Pater Johann über meine Entfernung zu täuschen. Auch war damals meine Absicht, den Anspruch an Eure Hilfe nur für Deckung unserer Flucht geltend zu machen, welche ich, ungewiss über die Mittel, die dem Pater Johann zu Gebote standen, um des Fräuleins willen keiner Gefahr aussetzen durfte. Da der Weg jedem kind bekannt ist und bei Erreichung der ersten Anhöhe nach Lanci's Beschreibung leicht zu finden war, und endlich auch zu Anfang des Waldes ein glückliches Zusammentreffen mit einem Jägerburschen mich begünstigte, so erreichte ich die wohnung des alten Wildmeisters, wohin mich Lanci verwiesen, von wo aus er selbst alles Weitere zu unternehmen dachte, und wo sich die bequemsten Verstecke vorfanden. Ueberdies war es mir klar geworden, welch unbedingtes Vertrauen in den Alten gesetzt werden konnte.
Da ich erst am Abend meine Wanderung angetreten hatte, so war es bereits Nacht, als wir die wohnung des Wildmeisters erreichten, und als mich Lanci empfangen und mit dem Alten bekannt gemacht hatte, hörte ich den wenige Tage vorher erfolgten Tod des alten Kastellans, an den wir von unserem unbekannten Freunde hauptsächlich empfohlen waren, und durch dessen Mitwirkung mir die Sache allein ausführbar schien.
Von diesem Augenblick an gab ich die Hoffnung einer heimlichen Entführung auf und war entschlossen, mich am andern Tage in Begleitung Brixtons, den ich erwarten durfte, und dessen Gegenwart jeden Argwohn fern halten musste, nach dem schloss zu begeben, Einlass zu begehren und das widerrechtlich gefangen gehaltene fräulein zurück zu fordern.
Als ich jedoch meine Absicht mitteilte, musste ich entschiedenen Widerspruch erleiden. Lanci warf sich mir fast zu Füssen und berief sich auf seine bestimmten, dem zuwiderlaufenden Befehle, mit einer seltsamen Mischung kindischer Furcht vor dem Zorn desjenigen, der ihn ausgesendet, und einer grossen Festigkeit, die sein Alter zu überschreiten schien, in Verschweigung des Namens, den ich ihm nochmals abforderte.