Besorgung einer Bahre und eilte selbst, durch seine Gegenwart die Eile zu beflügeln.
Richmond hatte sich indessen erholt; die Möglichkeit, ihr Leben noch zu erhalten, hatte ihn zu sich selbst gebracht. Sein Gefühl schnell mit der alten Kraft beherrschend, gewann er nun Tätigkeit und Aufmerksamkeit für das, was Not tat.
Er unterstützte Brixton in seiner Bemühung, die Lady in eine sitzende Stellung zu bringen, und eilte alsdann, die Anordnungen des Obersten zu unterstützen, durch welche auch bald eine vortreffliche Bahre von weichen Matten, an Stangen gebunden, herbei geschafft ward, worauf man, mit Brixtons und Margarits hülfe, den leblosen Körper legte, der nun, durch vier Milizen getragen, langsamen Schrittes nach dem schloss gebracht ward.
Welch' eine Veränderung war im Verlauf weniger Stunden hier eingetreten.
Die Tore, die, sonst streng verschlossen, Keinem den Eingang verstatteten, der nicht vorher schon erwartet ward oder eine Beglaubigung brachte, wie sie der Lady Howard oder dem Pater Johann genügte, standen weit geöffnet; im Torwart-Häuschen sass der alte Hüter neben einem Miliz-Soldaten und blickte auf die geöffneten Tore, als necke ihn ein Traum mit versäumter Dienstpflicht.
Der Zug ging, ohne ihm Rede stehen zu müssen, an ihm vorüber, die brücke entlang über den weiten Hof und verschwand endlich in der Halle des Schlosses.
Hier stand der neue Kastellan in unfreiwilliger Erwartung der Befehle, die eine fremde, sonst so verachtete Autorität ihm geben würde, und wagte nicht die bunte Menge zurück zu weisen, die sich dem zug nachdrängte, in doppelter Neugierde, das unzugängliche Schloss, das wie ein bezauberter Schatz zu den unerhörtesten Historien Anlass gegeben, in Augenschein zu nehmen und zu erfahren, ob der gefürchtete Pater Johann das schöne Mädchen wirklich erstochen habe.
Längst hatte Richmond hierüber Brixton seine Meinung mitgeteilt; Beide hielten diese Verwundung für unmöglich.
Richmond kam der Wahrheit näher, indem er den Schiffer, dem er sie am Strande abgenommen, für ihren Mörder hielt; auch hatte Oberst Crawford bereits Befehl gegeben, die Flüchtigen zu verfolgen und das Abgehen des Bootes zu verhindern, was durch den mit neuer Wut sich erhebenden Sturm wahrscheinlich auch ausserdem unmöglich geworden war.
Als sie in der Halle angekommen waren, entstand die Frage, wohin man das fräulein bringen sollte. Margarit trat sogleich dazwischen und empfahl die Zimmer des Erdgeschosses, die uns bereits bekannt sind und von Maria, auf Veranlassung des wohlmeinenden Pater Clemens, bei ihrer Ankunft bewohnt worden waren.
Der Kastellan eilte daher, von mehreren Dienern, die Lichter trugen, begleitet, voran, und bald zog der blutige, entstellte Körper derjenigen in diese Räume ein, welche sie einst glänzend und in aller Fülle jugendlicher Schönheit und Gesundheit betreten hatte.
Eine zweite schwierige Frage war die nach ärztlicher hülfe; denn der Arzt, nach welchem Richmond mit erlaubnis des Obersten einen reitenden Boten gesendet, war nicht vor Tage zu erwarten und bei dem starken Blutverluste schnelle hülfe dringend nötig.
Margarit, welche in ununterbrochener Aufmerksamkeit ihrer geliebten Lady zur Seite blieb, wusste auch hier Auskunft zu geben.
Sie bat Lord Richmond, die Schwester Electa von dem Kastellan herbei führen und ihr wissen zu lassen, dass eine tödtlich Verwundete ihrer hülfe bedürfe. Sie versicherte zugleich, dass diese fromme Schwester stets, in Abwesenheit des Pater Johann, die Kranken des Schlosses besorgt, und grosse Kenntnisse von schweren Verwundungen und deren Behandlung habe.
Diese Nachricht, die viel Glaubhaftes hatte, da sie mit dem wohlbekannten Gebrauch in Häusern der Art übereinstimmte, wie man hier vorgefunden zu haben nicht mehr bezweifeln konnte, erregte eine neue Hoffnung für die bekümmerten Freunde der Lady, und als sich nach einiger Zeit die Tür öffnete und Electa, von zwei Frauen begleitet, welche verschiedene Spezereien trugen, eintrat, eilte ihr Richmond mit einer Lebhaftigkeit entgegen, vor der das schüchterne Wesen fast entsetzt zurückbebte.
O, fürchtet keine Beleidigung, fromme Frau, fügte er schnell hinzu mit dem herzgewinnenden Tone, der ihm so eigen war. Ihr findet hier höchst bekümmerte Freunde, die von Eurer hülfe Trost und Hoffnung erwarten, wenn nicht den Ausspruch, dass Alles verloren sei.
Schwester Electa antwortete nicht, angstvoll strebte sie nur, sich den Blicken so vieler Männer zu entziehen, und wagte nicht den Fuss vorwärts zu setzen, nicht sich zu bewegen, noch zu fragen, wer ihrer hülfe bedurfte.
Da schlüpfte Margarit um Richmond herum und rief, an Electa's Kleid zupfend:
O eilt, eilt, Schwester Electa! Eure hülfe ist nötig, es ist Lady Maria, die Pater Johannes erstochen hat.
Mit einem matten Tone des Entsetzens fuhr die bebende Gestalt empor, aber damit schien auch alle Scheu von ihr genommen. Sie schaute angstvoll auf und glitt nun rasch, hinter Margarit her, nach der Bahre hin, die noch in der Mitte des Zimmers stand.
Einen Augenblick kniete sie nieder und starrte mit dem tiefsten Schmerze in die Züge der Lady, während sie krampfhaft ihre hände rang; dann stand sie auf, und indem sie gesenkten Blickes vor Lord Richmond trat, sprach sie leise:
Ich muss allein sein. entfernt Eure gefährten! Augenblicklich befolgte Richmond ihr Begehr, und bald sah sich Electa, bloss von Frauen umgeben, mit der Hülfsbedürftigen allein.
Ihre ganze besonnene Tätigkeit trat sogleich auf das Vorteilhafteste hervor. Während sie eine der Frauen entsendete, ein Kräuterbad zu besorgen, musste die andere gegen den Kamin, dessen helles Feuer alsbald entzündet war, das feine Leinen