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Da durchdrang plötzlich eine helle stimme das dumpfe Gemurmel der Wut, und Lanci erkannte Margarit, welche laut rufend herbei lief und unablässig ein Wort ausstiess, das plötzlich die geschäftigen hände von Richmond abzog und den ungleichen Kampf unterbrach.
Die Miliz! Die Miliz aus Dunferling! Rette sich, wer kann! schrie das brave Mädchen, atemlos neben Richmond niederstürzend, der bei der augenblicklichen Stille sogleich das Pferdegetrappel erkannte, welches ihm Rettung verhiess.
Ha! rief Pater Johann, wie ein gereizter Tiger vorspringend, wer tat mir das? Woher kommt diese Gaunerbande und so schnell herbei? Die fackeln, die, zu andern Zwecken herbeigeschafft, jetzt aus den Hütten ihr blutrotes Licht näherten, beleuchteten die wilden Züge des Verrat ahnenden Priesters, dessen racheglühender blick wie ein Pfeil hervorschoss.
Sorgfältig sich noch immer schützend, aber freier in der Hoffnung der Rettung, streckte Richmond den Nahenden den verhüllten Arm entgegen.
Wahret Euch! rief er, so laut er vermochte, Euer Stunde hat geschlagen, der Tod der Herzogin von Sommerset ist bekannt, die Milizen nahen, Euch und das Schloss im Namen des Königs in Beschlag zu nehmen.
Alle wichen entsetzt bei dieser lauten Rede zurück.
Pater Johannes warf einen blick umher, in welchem er mit Wut und Entsetzen zu fragen schien, ob der Augenblick gekommen, der seiner hier so lang geübten Macht Grenzen setzte. Er fand auf allen den rauhen Gesichtern, die, von den fackeln erhellt, ihn anglotzten, nur den Ausdruck der scheuen Furcht, welche die achtbare und strenge Miliz von Dunferling sich erworben hatte, verbunden mit der dumpfen Vorstellung von der unbestreitbaren Macht des königlichen Namens.
Pater Johann hatte mit einem blick die Wahrheit erkannt; er durfte auf ihren Beistand nicht mehr rechnen, aber sein zweiter Gedanke, welch' eine Hölle ward er ihm jetzt! Die Rückkehr zum schloss gewährte ihm keine Sicherheit mehr; das Boot, die brüllende See, auf deren unsichere Wellen er vor wenigen Augenblicken das unschuldige Opfer seiner beleidigten Eitelkeit schonungslos hinaus zu stossen dachte, blieb jetzt seine zweifelhafte Zuflucht, wenn er es erreichen könnte, ehe die dem Fackelschein zueilenden Milizen ihn daran verhinderten. Aber mit der überzeugung, dass sein Schicksal nun entschieden sei, schoss die wilde Glut der Wut und Rache so gewaltsam in ihm auf, dass er, anstatt zu fliehen, wie ein Wütender sich auf Richmond stürzte.
Muss ich weichen, brüllte er mit grässlichem Geheul, so soll es Euch wenigstens nichts helfen; Du widerspenstiges Weib sollst untergehn! Mit diesen Worten zog er einen langen blitzenden Dolch aus seinem Busen, um ihn der von ihrem Schleier überdeckten Maria in die Brust zu stossen. Doch Richmond, stets ihn beobachtend, liess sie aus seinem Arm zur Erde sinken und unterlief den Pater, waffenlos, nur von seinem Mantel geschützt.
Die Miliz, die Miliz! riefen jetzt mehrere Stimmen.
Die Gefahr war nahe, keine Zeit zu verlieren. Wütend stiess der Pater die Menge zurück und floh dem Strande zu, in der Dunkelheit bald dem Auge entschwindend.
Richmond dachte nicht daran, ihn zu verfolgen. Rasch kehrte er zu dem Kreise zurück, der, von den fackeln erhellt, ihm die Lady am Boden liegend zeigte, Margarit und Lanci neben ihr knieend.
Ein lauter Schrei Margarits, die so eben den Schleier gelüftet, richtete Aller Blicke dahin.
Sie ist tot! schrie diese krampfhaft auf, sie schwimmt im Blute, er hat sie doch getroffen!
Unmöglich! rief Richmond, näher fliegend. Aber wie hätte der noch zweifeln dürfen, welcher die schöne Leiche sah, überschüttet von ihrem Blute, mit dem blauen Schein des Todes auf Mund und Wangen.
Richmond stand starr und betäubt, sein männliches Herz kämpfte gegen ein bisher ungekanntes Gefühl, das ihn zu ersticken drohte. Er hörte nicht, was um ihn geschah; alle Kräfte seiner Seele schienen in dem einen Bewusstsein untergegangen, dass sie tot sei. Erst als einige Personen sich anschickten, die tote zu berühren, erwachte er aus seiner Betäubung.
Rührt sie nicht an! schrie er heftig auf, den Personen sich zur Abwehr entgegen stürzend, die bisher, von ihm unbemerkt, sich genähert hatten, Keiner darf sie berühren, Keiner!
Er blieb wieder stehen und betrachtete sie, und der Ausdruck seiner Züge veränderte sich von Minute zu Minute, als ob Jahre an ihm vorüberzögen, die Blüten der Jugend von seinen Wangen raubend.
Da erhob sich seufzend eine knieende männliche Gestalt an ihrem haupt, und sich zu Richmond wendend, sagte Brixton tief bewegt:
Ich halte sie nicht für tot, aber ihren Tod für gewiss, wenn sie hier ohne hülfe bleiben muss.
Ich bitte Euch, Sir, sprach der Anführer der Milizen, Oberst Crawford, erlaubt, dass wir die Verwundete nach dem schloss bringen, was bereits von meinen Leuten besetzt ist und ganz zu Ihrer Verfügung steht; wir werden dort der Kranken allen Beistand leisten können und gewiss in den Hütten hier Matten finden, von denen eine Bahre zu machen wäre.
Ich danke Euch, Herr Oberst erwiderte Brixton, Ihr gewährt mir mit dieser Nachricht grossen Trost; ich wusste nicht, dass Ihr so schnell Euer Recht wahrgenommen hattet.
Meinen Leuten Eingang zu verschaffen, sprach der Oberst, hat leider meine Ankunft hier verspätet und, wie ich fürchte, mehr Unheil zugelassen, als mit der Besitznahme des Schlosses gut gemacht werden kann; doch lasset uns keine Sorgfalt sparen.
Er gab sogleich seinen Leuten die nötigen Befehle zur