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nieder, deren abwesende Bewohner ihre geringe Habe ohne Aufsicht zurückgelassen hatten, da sie auf die langsamen Fortschritte des Feuers an den nassen Torfstücken sich verliessen.

Nicht lange sass sie so in sich gebückt, da hörte sie Hufschlag von Pferden, gleich darauf aber einen heftigen Wortwechsel vor der Tür der Hütte, welcher eben so schnell damit endete, dass der Eingang erzwungen ward und Lady Maria einen Mann gewahrte, der mit der grössten Kraft die Bootsleute zurückstiess, die sich an ihn hängten, um seinen Eintritt zu hindern.

Bewegt sprang sie auf, eine unbestimmte Ahnung erschütterte sie, und im selben Augenblicke stürzte sich Lanci aus dem Winkel der Hütte in die Gruppe der Ringenden und unterrannte den einen der Schiffer mit solcher Wut, dass er strauchelte und von seinem Gegner abliess. Mit der grössten Gewandteit verfolgte dieser den nun wieder gleich gewordenen Kampf und schleuderte den andern Schiffer fort, während er sein Pistol zog, welches zu gebrauchen ihm bisher unmöglich gewesen war. Indem er es auf den Schiffer, der, von Lanci nur augenblicklich abgehalten, sich nun zum neuen Anfall anschickte, abdrückte, streckte er diesen, an der Schulter verwundet, zur Erde nieder.

Rettet Euch, Mylady! rief er im selben Augenblick, gegen Maria gewendet, die, nunmehr Lord Richmond erkennend, eine Schwäche und Betäubung fühlte, die sie willenlos und bebend ohne Bewegung auf ihrem platz liess.

Habt Vertrauen, mir zu folgen, fuhr er dringend fort, sanft ihr seine Hand reichend; es ist Brixton, der mich sendet, den Ihr finden werdet. O, um Gottes willen, vertraut mir! Er sah sie schmerzlich bewegt und angstvoll an, da hob sie die Augen zu ihm auf, versuchte aufzustehn und schwankte. Doch er fasste sie auf, schnell gewann sie sich Kraft und reichte ihm die kalte, zitternde Hand. Indem er sie gegen den Eingang hinzog, stürzte sich der zweite Schiffer vor ihn hin, nach Hilfe rufend und vergeblich von Lanci daran verhindert.

Zurück! rief Richmond, indem er ihm das zweite Pistol vorhielt, oder teile das Schicksal Deines Kameraden. Doch hinderte ihn an schneller Ausführung dieser Drohung die Sorgfalt für die zitternde Maria, und das Hilfegeschrei durchdrang die Luft im Augenblick, als Richmond mit ihr ins Freie trat.

Lanci, rief Richmond entschlossen und zog Maria nach dem wald zu, Du findest dort ein Pferd, welches Lady Maria Dir erlauben wird mit ihr zu teilen, Du kennst den Dünenhort im wald, links von der Strasse. Vorläufig findest Du dort Schutz, während ich hier ihre Verfolgung hindern werde, so lange wie möglich. Triffst Du meinen Diener auf dem Wege, so lass ihn zu mir eilen; Du aber verfolge Deinen Weg, dessen er unkundig ist.

In diesem Augenblick stiess Maria einen Schmerzensschrei aus, denn die Hand, die Richmond noch hielt, ward durch einen heftigen Schlag aus der seinigen geworfen, und sie mit solcher Stärke umfasst und fortgetragen, dass sie sich ohne Widerstand darein fand. Die Dunkelheit hatte nachgelassen, und der Himmel leuchtete mit grossen weissen Windwolken, so dass Maria, die beim ersten Hinaustreten aus der Hütte, vom Feuer geblendet, das Nahen ihres Feindes nicht bemerkt hatte, jetzt in ihm den Anführer erkannte, dem Pater Johannes sie übergeben hatte. Aber ihr Auge durchdrang auch den nächsten Raum, und sie sah, wie Richmond von zwei Männern gehalten ward, gegen deren Stärke er vergeblich ankämpfte.

Jeder Augenblick entführte sie weiter von ihm, nach dem Strande hin, und der Kummer, den sie fühlte, drohte sie zu tödten.

Jetzt verschwanden in der düstern Nacht zu immer undeutlichen Umrissen die Gestalten der Kämpfenden, und verzweifelnd rang sie mit ihrem Entführer. Da hörte sie einen Schuss und wenige Augenblicke darauf eine stimme, die sie angstvoll beim Namen rief und sich ihr zu nähern schien. Sie antwortete mit einem lauten Hülferuf, ward aber im selben Augenblick von ihrem Träger mit den wütendsten Flüchen so unsanft in seinem Mantel fast erstickt, dass ihr kaum Atem zum Leben übrig blieb.

Dabei verdoppelte er seine Anstrengungen, und sie hörte nun ganz nah das Geräusch der Wellen und fühlte durch ihre Umhüllung den scharfen Seewind, so dass sie sich überzeugte, jetzt hinter den Dünen, dicht am Meere angekommen zu sein. Auch musste ihr Führer sich sicherer fühlen, da er in seiner Eile nachliess, ja, endlich sie niedersetzte und ihr zu gehen befahl.

Lady Maria warf den erstickenden Mantel zurück, als sie Boden unter ihren Füssen fühlte, und rasch nach allen Seiten blickend, sah sie sich in einem kleinen Versteck, den eine Spalte in den Dünen bildete, und vor sich das Meer und das unruhig darauf tanzende Boot in kaum fünfzig Schritten Entfernung.

Ich werde Euch nicht folgen, rief sie entschlossen, sich zu ihrem Führer wendend, sondern jeden Widerstand leisten und, so nah der hülfe, die mir Gott sendete, nichts unversucht lassen, Eurer Willkür zu entkommen. Habt Ihr aber Mitleiden mit dem Loose, welches man mir zugedacht, und wollt Ihr mir folgen und mich zu meinen Beschützern zurückkehren lassen, so sollt Ihr fordern dürfen, und kein Preis wird mir zu hoch scheinen.

Was Ihr wert seid, weiss ich schon, lachte der Führer, und hab's in der tasche. Dem Pater Johann zu dienen, wird mir wohl besser bekommen, als Euch zu folgen, wo ich nicht Haus noch Hof fände, oder erst kriegen müsste, was ich hier schon