1836_Paalzow_083_221.txt

vielleicht von dort Versuche gemacht würden zu ihrer Rettung.

So hielten sie sich hin, Eine in der Andern Hoffnung nährend, während dieselbe immer schwächer wurde in der eigenen Brust.

Da der Sturm zur Nacht heftiger ging und die Brandung an der Stelle, wo das Segelboot lag, sich zu mächtig brach, sahen sie dessen Segel einziehen und es langsam in die grosse Bucht lenken, die es vom schloss einige hundert Schritt entfernte und ihren Blicken entzog.

Schon wollten sie der Hoffnung Raum geben, die Reise sei heute ganz aufgegeben, indem die Nacht mit schrecklicher Dunkelheit anbrach und der Sturm sich steigerte; da scheuchte plötzlich ein Schlag an die Tür sie auf. Beim Oeffnen derselben trat Pater Johannes in Begleitung zweier Diener herein. Es blieb ihnen nun kein Zweifel darüber, was ihnen bevorstand, da die Diener einige warme Mäntel trugen, welche Pater Johannes ihnen anzulegen befahl.

So schrecklich dieser Augenblick war, konnten sie doch beide nicht übersehn, in welchem Grade das ganze Wesen des Pater Johannes sich noch verfinstert hatte, und wie blass und unruhig sein Ausdruck war.

Eilt, rief er oft dazwischen, es ist keine Zeit zu verlieren, die See geht immer höher. Du kannst auf der Reise weinen, rief er Margarit zu, welche, die hände ringend, ihre Lady und sich selbst umhüllte, und beobachtete unterdessen die Züge Maria's, die, zu stolz um ihr Gefühl zu verraten, weder Wort noch blick an ihren Peiniger richtete, sondern mit Ruhe, und so weit körperliche Schwäche es gestattete, selbst ihre Kleidung befestigte und ihm nicht den Triumph gönnte, worauf er noch immer zu hoffen schien, dass sie nämlich verzweifelnd ihn anflehen würde.

Doppelt erzürnt über diese Täuschung, liess er nach den nötigen Vorkehrungen keine Zeit weiter vergehn, sondern schritt nun voran, die Frauen in Begleitung der beiden Diener ihm nach, durch den unbewohnten teil des Schlosses, endlich eine schmale Wendeltreppe in der Mauer niedersteigend und dann eine Tür aufstossend, die unmittelbar ins Freie führte.

Pater Johannes blieb hier einen Augenblick stehen und schien irgend etwas zu erwarten. Maria behielt Zeit, um wahrzunehmen, wie sie auf einem schmalen gepflasterten Wege standen, der sich hinabsenkte bis zu den Dünen, welche mit ihrem weissen Kalksande wie ein leuchtendes Band das schwarze Meer umsäumten, welches hochkochend, zischend und im raschen Takte seine Wellen gegen die Küsten peitschte.

Nach einem Weilchen vernahm sie ein leises Pfeifen, Pater Johannes erwiderte es, und Maria sah, dass unterhalb des Steinweges, auf dem sie standen, zwei Männer sich näherten, denen Pater Johannes entgegen ging.

Nach einer kurzen Unterredung mit dem einen derselben, rief er den Begleitern der Frauen zu, sie hinab zu führen.

Maria schritt abwärts, ohne Hilfe anzunehmen, während Margarit, von Schmerz überwältigt, kaum mit der Hilfe beider Männer sich auf den Füssen zu erhalten vermochte.

Es sind Umstände eingetreten, die mich verhindern, Euch zu begleiten, rief Pater Johannes, hier habt Ihr dagegen Euern Führer, der mich ersetzen wird, und dem Ihr unbedingt gehorchen müsst. Er wird Euch auf der Reise mit allem Nötigen versorgen und nach Eurer Landung an den Ort bringen, wo es fürs Erste rätlich befunden worden ist, Euch zu bewahren. Nur strenger Gehorsam kann Eure Lage erleichtern, der geringste Widerstand würde sie verschlimmern und dennoch nutzlos sein!

Wenn etwas der Verzweiflung in Maria's Busen ein Gegengewicht lieh, so war es der Unwille, sich so beleidigend behandelt zu sehen. Stolz wendete sie sich von dem grollenden Pater, der jedes seiner Worte mit Gift hätte tränken mögen, um seinen Unmut an ihr auszulassen.

Eure Erinnerungen sind überflüssig, rief sie kalt, Alles, was ich in diesem schloss und von Euch erfuhr, war widerrechtlich und verbrecherisch. Gegen Misshandlungen der Art hat der Machtlose nur die Waffe der Verachtung. Ich muss mich in Euern bösen Willen fügen, aber vor Gott und Menschen protestire ich feierlich gegen die eben beabsichtigte Entführung aus meinem vaterland. Die Folgen, welche zu lenken, in einer höhern Macht steht, als in der Eurigen, kommen über Euch; denn so es Gott gefällt, wird die Stunde nicht ausbleiben, die Euch zur Rechenschaft zieht, und vielleicht ist sie Euch näher, als Ihr denkt.

Mit dem hohen Anstande eines gesicherten Selbstgefühls, und als wäre sie die Freie und Befehlende, schritt sie jetzt vor, so dass die Männer zurückwichen und Pater Johannes, den ihre Worte wie die stimme einer Prophetin seltsam erschütterten, einen Augenblick wie gelähmt dastand. Dann fuhr er wild ihr nach und schien sie ergreifen zu wollen, aber es lag in der hohen, ruhig voran gehenden Gestalt die furchtlose Würde der Unschuld, die selbst den Pater zurückhielt, als wäre er durch eine fremde Atmosphäre von ihr getrennt.

Sie schaute nicht mit einem Blicke zurück und verfolgte den Weg nach den Dünen, wo, wie sie wusste, das Schiff lag, ohne Zögerung oder Schwäche zu verraten.

Pater Johannes winkte den Andern, zu folgen, er selbst starrte dem zug sprachlos nach, und ein kalter Schauer lief über ihn hin, als sähe er einem Leichenzuge nach, dessen Gespenst ihn berührt habe. Er versuchte zu rufen, doch die Laute erstarben ihm in der Beängstigung der keuchenden Brust. Ein heimliches Gericht ward über ihn gehalten, der Augenblick, der wie ein Blitzstrahl die Seele des Sünders erreicht und im Nu Alles ausbrennt, womit er sein Gewissen verhüllt hatte, er war eben