um aus diesem wohlverwahrten Kerker zu entfliehn, wo die Lady mich bald vermissen wird und ich dann aufs Strengste bewacht sein werde, erfährt sie mein Unwohlsein. Denkt denn aber Master Brixton nicht daran, mich von der Lady selbst zu fordern? Wie darf sie mich zurückhalten, da sie kein Recht über mich haben kann? –
Nein! Nein! liebe Lady, das dürfen sie nicht, das würde uns alle unglücklich machen. Einer, der Alles angeordnet hat, dem sie folgen, weil er es am Besten versteht, er hat es streng verboten. –
Und wer ist dieser Eine? fragte Maria. –
Ich darf ihn nicht nennen, liebe Lady, fraget mich nicht, aber er meint es gut mit Euch, und ich bin sein Bote, und Ihr werdet mir doch vertrauen? –
Ach! sprach Maria, wenn Brixton Dir vertraut und es also will, wie darf ich da noch zweifeln. Doch was kann geschehn, damit ich entkomme, wie soll ich es anfangen? –
Diese Frage ward durch einen schleichenden, schleppenden Schritt auf dem Gange unterbrochen, den Alle zugleich mit nicht geringem Entsetzen hörten. Es nahte Jemand, dies war gewiss, und Lanci durfte nicht entdeckt werden, ohne Verdacht zu erregen, da er überdies aus dem schloss verwiesen war. Das Gemach hatte nur die eine Tür, welcher man sich jetzt von Aussen immer mehr näherte. Kein Schlupfwinkel, kein Raum war zu ersehn, und beinah ausser sich schweiften die Blicke der Verratenen umher. Da zeigte Maria sprachlos auf das Fenster, wovor noch Electas Schleier ausgebreitet hing, und Lanci schlüpfte ohne Bedenken dahinter, da schon an die Tür gepocht ward und jede Zögerung beim Oeffnen Verdacht erwecken konnte.
Maria legte sich schnell nieder, und Margarit eilte zu öffnen, doch fuhr sie fast mit einem Schrei zurück, als sie Pater Johannes vor sich sah, der mit seinem tückischen, lauernden blick sie und das Zimmer, in das er einschritt, überflog.
Nichts als Kranke finde ich, rief er, Maria's Lager näher kommend, wahrlich grosse Unordnungen, man kann nicht wohl abwesend sein, ohne es bereuen zu müssen! Nun was fehlt denn? Blosse Einbildungen, nicht? Frauentücken? Kenne dergleichen, wird sich finden.
Maria war im ersten Augenblick vom Schreck und Schwäche so überwältigt, dass sie nicht zu sprechen vermochte; der Unmut stieg aber heiss empor, und abgebrochen, aber deutlich sprach sie jetzt:
Pater Johann, ich glaube, wir haben uns Beide zu genau kennen gelernt, als dass Ihr mich einer Verstellung fähig halten solltet oder ich Euch zu täuschen suchen möchte.
O! rief Margarit, Mut gewinnend, Hochwürdiger Herr, glaubt doch dies nicht! Sterbend war die arme Lady diese Nacht; sie hatte ganz starre Glieder und war ganz sprachlos, und wär' ich nicht dazu gekommen, hätte die hochwürdige Lady sie erwürgt. Ihr seht noch das Blut am kopf von ihrem Falle, als die Lady sie nieder warf.
Schweig, rief der Pater ihr zu, wer fragte Dich, und wie kommst Du überhaupt hieher? Wer hat Dir erlaubt, hier Pflege zu übernehmen?
Ihr eigenes menschliches Herz, Sir, rief Maria, da ich, von aller hülfe verlassen, den grausamsten Misshandlungen preisgegeben war. Habt Erbarmen und lasst sie nicht büssen dafür, dass sie mir vielleicht das Leben rettete; ich will alles dulden, was Euer Unmut über mich verhängt, nur dies Mädchen treffe nicht Euer Zorn.
Pater Johannes warf einen finstern blick auf Margarit, aber er hielt inne, als spare er ihr teil ihr wenigstens noch auf. Sodann zu Maria sich wendend, ergriff er ihre Hand und prüfte lange schweigend ihren Puls.
Unruhig geht er, fieberisch, vollblütig, murmelte er abgerissen; hat nichts zu bedeuten, fügte er hinzu, sie loslassend. Etwas Seeluft wird gut tun. Steht nur auf und haltet Euch zu einer kleinen Wasserfahrt bereit; um Mittag wird der Wind gut gehen, dann werdet Ihr dies Schloss, was Ihr so hasst, verlassen, und die kleine Ueberfahrt nach Frankreich wird Euch schneller herstellen, als Ihr denkt, setzte er höhnisch hinzu, das tödtliche Erschrecken, das sich auf Marias Zügen zeigte, mit Schadenfreude bemerkend.
grosser Gott! schrie Margarit, das fräulein soll sterbend, wie sie ist, auf die See? Ist das zu glauben? Erbarmt Euch doch, hochwürdiger Herr, sie stirbt Euch ja unterwegs!
Schweig! rief er, wild auffahrend und gegen Margarit so anlaufend, dass diese voll Entsetzen zurückwich, bei dem engen raum des Zimmers aber unglücklicherweise in den Schleier Electas sich verwikkelte, und nun, doppelt entsetzt für die Folgen zitternd, zu schwanken begann und nach manchem Versuche, sich aufrecht zu erhalten, vor dem keifenden Pater niederfiel. In diesem Augenblicke riss der Schleier von seiner schwachen Befestigung und zeigte dem Pater einen Anblick, der ihn in ein so ungemessenes Erstaunen versetzte, dass seine scheltenden Worte augenblicklich verstummten. Er wandte seine Blicke von Maria zu Margarit und Lanci, und Erstaunen, Wut und Freude, sie ertappt zu haben, sprachen gleich stark aus seinem anschwellenden Gesicht, während Lanci mit einem kräftigen Sprunge über das verhüllende Gewand setzte und Margarit die Hand reichte, aufzustehen, ohne dem Pater eine grössere Aufmerksamkeit zu schenken, als nötig war, ihn eben bei seinem Sprunge nicht umzuwerfen.
Man sah dagegen deutlich, dass der Pater Johannes fast verwirrt war von dem reichen Stoffe, der