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Gott gnädig, wenn der schon im Städtchen ist! Lanci, wir können, fürchte ich, auch wenn die Tore aufstünden und Keiner uns aufhielte, sobald nicht fort. –

Seht Ihr wohl, sprach Lanci mit ausbrechendem Zorn zum Wildmeister, habe ich es Euch nicht gesagt, dass das Mädchen nicht fort will, dass sie ihr altes Schloss lieber hat, als mich! Aber, wendete er sich zu ihr, die Lady soll ja mit, um ihretwillen geschieht ja Alles.

Wenn Du vernünftig zuhörtest, was Dir gescheidte Leute zu sagen haben, dann würdest Du nicht so unsinniges Zeug von mir reden, rief Margarit, nun auch schmollend; eben um der Lady willen geht es nicht, denn sie liegt sterbenskrank darnieder.

grosser Gott, welch' ein Unglück! rief Lanci, nun sind wir Alle schön dran! Die arme Lady, was fehlt ihr denn, sie wird doch nicht sterben, wo ist sie denn, kann ich nicht zu ihr?

Ach, sprach Margarit, ich weiss Dir nicht auf alle Deine fragen zu antworten, könntest Du nur hier bleiben und mir helfen! Denke nur, sie liegt im Türmchen nach dem Meere zu, hat ein hartes Lager, kein Feuer, keine Arznei, und vorige Nacht wollte die alte Lady sie erwürgen, als ich dazu kam und sie dadurch gerettet ward. Ach, wenn Du sie siehest, kein Mensch erkennt mehr das schöne fräulein; so haben diese Unmenschen sie misshandelt.

Selbst der Wildmeister schlug vor Erbarmen die hände zusammen, und Lanci gebehrdete sich ganz trostlos.

Was sollen wir denn tun? rief er endlich, hier stirbt sie gewiss, und was werden die Herren sagen? Wildmeister, sprecht doch, ratet uns doch!

Hört, sagte der Alte, das Ding ist schlimm und, wie mich dünkt, nicht viel zu machen. Lanci habe ich einmal hier, beim Koch will ich bis Mittag verweilen, indess, Margarit, suche Du Lanci hinauf zu bringen, dass er ihr sagt, wie's steht. hören wird sie ihn doch können, und verständig ist sie auch, wie Miklas sagte, da lasst sie selbst den Bescheid überlegen; auch tut ein Bischen Hoffnung oft so gut, wie Arznei. Also fort, macht leise und gescheidt, und haltet Euch nicht unnütz auf mit Euch selbst; länger als bis Mittag kann ich nicht bleiben.

Die jungen Leute waren sogleich bereit, zu folgen, und wenn der Weg über den Flur zurückgelegt war, blieb nicht viel mehr zu fürchten. So schickten sie sich mit ihrer kleinen Last an, den Versuch zu machen, und der Wildmeister schritt über den Hof zurück, nach dem Wirtschaftsflügel, wo der Koch sein Reich hatte, der ihn lustig und heiter empfing, und am Heerde niedersetzen liess.

Die ersten Schritte der beiden jungen Leute waren zagend und unsicher, dann flogen sie wie gejagte Rehe und hatten bald den gefährlichen Platz hinter sich. Da es in den Gängen erst spät Tag ward, und heute der im ganzen schloss schon bekannt gewordene Zustand der Lady Allen längere Ruhe gönnte, so erreichten sie ohne Hindernisse den kleinen Turm, dessen Tür sie noch zu ihrem grossen Troste mit demselben Gerümpel versetzt fanden, wie Margarit es angeordnet hatte.

Nun lass mich erst hinein und verkrieche Dich indess, sonst möchte sie bei deinem plötzlichen Anblick zu sehr erschrecken, rief die Kleine, und nahm, was er trug, und schlüpfte hinein, so leise sie es nur vermochte.

Noch lag die Kranke auf derselben Stelle, mit demselben starren blick, der nur einen bestimmteren Ausdruck von innerer Angst zeigte.

Ach, seufzte Margarit schmerzlich, indem sie ihr näher trat, immer noch so sehr krank, nicht ein wenig besser, liebe Lady?

Der Versuch, zu antworten, den die Kranke machte, misslang wieder, und das verständige junge Mädchen erkannte bald, dass hier keine Nachrichten helfen würden. Sie breitete daher ihre schöne, warme Decke aus, und hüllte Schultern und Füsse besorglich ein, dies Alles mit liebreichen Worten begleitend. Dann aber flog sie zum Kamin und legte auf den lange Zeit ungebrauchten Rost die trockenen Torfstücke, machte an kleinen Bündeln Stroh das Feuer an und war entzückt, als es lustig aufloderte, sie nun ihr Töpfchen mit wasser hineinschob und die Kräuter bereit hielt, sie in das siedende wasser zu schütten. So gelang es ihr endlich, der Leidenden das warme Getränk einzuflössen, welches dieselbe mit besonderem Bestreben zu sich nahm, und dessen wiederholter Gebrauch zu Margarits unaussprechlicher Freude die Starrheit der Züge zu lösen schien, ja, es ihr endlich möglich machte: Gute Margarit, zu stammeln, was auszusprechen, sich ihr ganzes Herz gesehnt hatte. Ihr blick ward nun milder, ja, die Augenlider senkten sich und blieben endlich ruhen. Margarit lauschte mit angehaltenem Atem; sie war nach einiger Zeit völlig gewiss, dass der Schlaf seinen stillen Segen über die Leidende gesenkt hatte.

Nun schob sie sich leise zum Heerde, schürte das sanfte Torffeuer, das die kalte Luft des Turmes wohltätig veränderte, und blickte sehnsuchtsvoll nach der Tür, tausend Mal die Wonne, sie zu öffnen, gegen die Gefahr abwägend, die Kranke dadurch zu erwecken. Sie bezwang sich lange, dann verstärkten sich die Ueberredungsgründe, es zu wagen, sie glaubte die Lady tiefer eingeschlafen; gegen Mittag musste sie ja ohnehin erweckt werden, um zu entscheiden über Lancis Mitteilungen. Genug, sie öffnete leise, und der dicht davor