das ihr fast so lieb war, wie bekannte Menschenstimmen, ohne der süssen Zeit zu gedenken, wo mit dem Wildmeister, dessen muntere Rüden es anschlugen, Lanci einzuziehn pflegte und bei der Ablieferung des Wildes die gelegenheit wohl zu benutzen wusste, ihr einen zärtlichen Gruss zuzuflüstern.
Seufzend dachte sie seiner weiten Entfernung, und Tränen traten in ihre Augen über so viel Missgeschick. Doch, sich zusammenraffend, nahm sie ein Säckchen mit Kräutern, welche, gekocht, der Vater oft bei plötzlichen Erkrankungen für sich und Andere angewendet hatte; sodann auch noch eine grosse, warme Decke von bunter Seide mit den Abbildungen von Adam und Eva, ein Prachtstück aus dem Nachlass ihrer Mutter, womit sie nun die arme erstarrte Lady zu erwärmen beschloss. Ferner legte sie in einen kleinen Tragkorb den Torf, der am Kamin unverbraucht lag, steckte ein Töpfchen dazu, um die Kräuter zu kochen, nahm das Feuerzeug des Vaters und wollte eben den Rückweg antreten, da sie aus dem lauten gespräche im hof schliessen konnte, dass der Weg im schloss noch frei sei: als ihr Auge durch das uns bekannte Fenster blickte und teilnehmend an der grossen Gestalt des guten Wildmeisters hängen blieb, der ihr Pate war, Lanci geliebt und das Liebesspiel der unschuldigen Kinder nie gestört hatte.
Er stand mit dem gesicht nach dem Fenster gekehrt und zählte aus einem Korbe, den ein Bursche, gebeugt unter der Last, auf der Schulter trug, dem Koche seinen Vorrat zu. Sie ging fast mechanisch näher und drückte ihr blasses Gesicht gegen die Scheiben, fast wünschend, er möge sie sehen, ihr ein Wort des Trostes sagen über den Vater, den er so geliebt.
Da war es ihr, als zeige der Alte nach ihr hin, der Koch wandte sich um und nickte, wie zur Bestätigung. Er hatte sie erkannt, er wollte sie sprechen, das war gleich zu sehen, denn er betrieb die Ablieferung eilig und warf das grosse, innen gegerbte Fell, das den Vorrat verdeckt hatte, ungeduldig über den leeren Korb, dass der Bursche selbst fast damit bedeckt ward. Dann schritt er, ihn mit sich nehmend, fest über den Hof dem Fenster zu, das Margarit schon öffnete, um, mit Tränen überschüttet, den alten Freund des Vaters zu erwarten.
Armes Mädchen, sagte der Wildmeister, ihr näher tretend, weine nur, kaum weint man genug um solchen Ehrenmann, solchen Vater! Du bist jetzt schlimm dran, armes Ding! In dem verwünschten alten Eulennest kannst Du ohne Schutz nicht bleiben, fügte er hinzu, als ein blick auf den Hof ihn überzeugte, dass der Koch beschäftigt war.
Ach, unterbrach Margarit das Schluchzen, ich bin noch viel schlimmer dran, als Ihr denkt; könntet Ihr mir doch nur Rat geben.
He, Gumpricht! rief der Wildmeister den Koch an, lass mir ein Maass Gewürzsuppe kochen, es ist klamm heute Morgen; ich komme zu Dir, wenn ich das Mädel ein wenig getröstet.
Schon gut, schon gut, entgegnete Gumpricht, sollst wohl sonst noch einen Bissen zur Stärkung finden, komm nur, am Heerde ist's nicht klamm. Zugleich zog er mit seinen beiden beladenen Knechten in das Schloss hinein.
Margarit, deren Tränen an dem Entschlusse ins Stocken geraten waren, den Wildmeister um Rat für ihr fräulein anzugehn, hörte jetzt erst mit Erstaunen, wie heftig der Bursche schluchzte, der, noch immer von dem Felle verhangen, sich an die Mauer des Fensters lehnte.
Was fehlt Euerm Burschen, Pate? Hört, wie er weint, hat er den Vater auch gekannt? –
Ich glaube wohl, sagte der Wildmeister trocken, und zog ihm Korb und Fell vom kopf, und zugleich hielt er seine grosse Hand auf Margaritens Mund, die mit einem Schrei zusammen fuhr, als sie Lanci's teure Züge jetzt erkannte.
Schweigt alle Beide oder ich jage Euch von einander, rief der Wildmeister, die eigne Rührung unter angenommenem Zorn verbergend; willst Du mit Deinem Geschrei das Schloss zusammen rufen, dummes Mädchen? – Und Du, lass das Heulen! schrie er auf Lanci ein, der es schon liess und bereits das Fenstergesims erstiegen hatte, Margarit in seine arme schliessend. Jetzt musst Du nicht wie ein Mädchen sondern wie ein Mann tun, setzte er hinzu, die jungen Leute, die sich stumm umfasst hielten, gutmütig mit seiner durch einen Mantel breiter gemachten Gestalt deckend.
Ach Margarit, rief jetzt Lanci, unser guter, alter Vater, war er auch sterbend noch bös auf mich?
Niemanden hat er mehr gekannt, Lanci, weinte Margarit. Keinen Segen hat er mir gegeben, aber als er lebte, hat er oft von Dir gesprochen, hatte Dich sehr lieb und sagte immer, der Onkel Porter würde Alles schon machen mit Dir und mir.
Hat er das gesagt! schrie Lanci freudig auf, o, dann tue auch, was Dir Onkel Porter befiehlt, und folge mir mit Deinem fräulein, wozu wir Alles bereit haben! –
grosser Gott! Lanci, Du bist ganz verwirrt, wo sollen wir hier fortkommen, wo Du weisst, dass die Lady Alles bewachen lässt. –
Sei ruhig, erwiderte Lanci, ist uns auch viel dadurch verdorben, dass Dein guter Vater uns keinen Rat mehr geben kann, müssen wir doch fort, und das sobald als möglich, und ehe Pater Johann zurück kommt, der schon im Städtchen angelangt ist. –
Nun dann sei uns