nahm der Fremde das Gespräch wieder auf.
Die Trauer in London war sehr gross und allgemein; so lange die guten Leute auch darauf vorbereitet waren, schien es doch, als habe der Tod den König im Jünglingsalter, in der Fülle der Kraft hinweggenommen. So geht es aber, was man lange besessen, denkt man nie verlieren zu können; dieselben, die jetzt weinen und stöhnen, sprachen früher frevelhaft über ein so weit ausgesponnenes Lebensziel; nun es da ist, schreien sie wieder über die neuen Aussichten für den Tron und sehen überall Gespenster.
Toren gibt es immer, zu allen zeiten, bei allen Veranlassungen, sagte Richmond gleichgültig, die stimme des Volkes war anders über Jakob, und die Hoffnungen für seinen Nachfolger lassen sich nicht von Gespenstern verscheuchen, die nur Kinder oder Narren sehen.
Wohl, wohl! erwiderte der Fremde mit niedergeschlagenen Augen, eine treffliche Scheibe Schinken zerlegend; aber diese Vermählung, diese unglückliche Vermählung! Es mag immer eine gute Dame sein, diese nunmehrige Königin von England, die unter Papisten geborne und erzogene Prinzessin von Frankreich; eine verhasste Katolikin bleibt sie doch, und dass der junge König diese mit sich zieht bei seiner Tronbesteigung, hat seine Nachteile, glaubt mir Sir.
Ich glaube Euch weder, sprach Richmond stolz, noch halte ich es für schicklich, über die Gemahlin meines Königs mich in Klügeleien einzulassen. Ihr Glauben ist Sache ihres Herzens, worüber ihr nicht schon jetzt von jedem müssigen Geschwätz das Gift zubereitet werden sollte. Ich hasse derlei Voraussetzungen, wie ich das Böse hasse, das es ist.
Er stand bei diesen Worten auf, sich gegen Brixton ehrerbietig, gegen den Fremden flüchtig verneigend, und verliess das Zimmer, da er schon seit dem Eintritte des Fremden Lanci vermisste, mit dem er jetzt ihre Abreise verabreden wollte.
Lanci war jedoch nicht zu finden, und er hörte von seinem herzukommenden Bedienten, dass derselbe schon vor einer halben Stunde, nach einer flüchtigen Mahlzeit, zu Pferde gestiegen und eilig durch die Hintertür davon geritten sei.
Als Richmond nach seinem Zimmer zurück wollte, näherte sich ihm sein Kammerdiener, und er merkte bald, dass dieser ihm etwas zu sagen habe, was keine Zeugen litt.
In den Hausflur zurücktretend, erzählte ihm derselbe, wie Lanci ihm gesagt, er müsse eilen, das Schloss früher zu erreichen, als der angekommene Fremde, denn wäre der erst dort mit der Nachricht von der Anwesenheit einer so starken Gesellschaft, als die Euer Gnaden hier, so würde es gewiss unmöglich sein, in das Schloss einzudringen. Euer Gnaden sollte ich dies sagen, und vor dem Fremden warnen, zugleich möchtet Ihr den angekommenen Herrn sicher machen, als ob ihr zu verbleiben gedächtet, vielleicht verzögere er dem zu Folge wohl selbst seine Abreise, in der Hoffnung, Euch zu beobachten. Den Leuten im haus aber habe er weiss gemacht, er habe ein Stück unserer Reiseequipage im letzten Nachtquartier zurückgelassen, was er eilig holen müsse, ehe es die herrschaft vermisse.
Richmond übersah schnell das gescheidte und treue Verhalten des ehrlichen Lanci, und der höchst unangenehme Eindruck, den auf ihn der Fremde gemacht, fand nun seine Bestätigung. Er glaubte nämlich in ihm den Kaplan des Schlosses zu erkennen, von dessen böser Autorität Lanci genug verraten hatte, um ihn als einen Feind und Verfolger der unglücklichen Lady Maria anzusehen. Es war ihm daher fast unmöglich, ihn in der ersten Aufregung, die in ihm durch diese Entdeckung bewirkt wurde, wieder zu sehen. Er eilte nach seinem Schlafzimmer und liess Master Brixton dahin bescheiden.
Nachdem er ihm alles Erfahrene mitgeteilt, beschlossen sie, der ferneren Weisung des ehrlichen Jünglings zu harren, da es allerdings gewiss schien, dass ihnen bei der Anwesenheit des Pater Johannes kein Schritt möglich werden dürfte, auf den sie nicht seine Aufmerksamkeit gerichtet fänden.
So peinlich diese Lage, besonders für Richmonds wärmeres Blut, war, beschloss er doch mit dem Anscheine der Ruhe, den Pater zu täuschen und ihn dadurch bis zum morgenden Tage aufzuhalten; ob er selbst länger auszuharren vermögen würde, wagte er sich nicht zu versprechen. Von dem Augenblicke an, wo Miklas zur Beerdigung fortgetragen war, fühlte Maria eine Schwäche über ihre Glieder sich verbreiten, dass sie nicht ohne Unterstützung zu gehen vermochte.
Electa, die zwar bigott und in fanatischen Gefühlen glühend, doch stets mitleidig und teilnehmend gegen Maria blieb, leitete die halb Ohnmächtige die hohen Stiegen nach ihrem Turmzimmer hinauf, da Margarit in fast gefühlloser Trostlosigkeit auf ihrem Lager ruhte und selbst die geliebte Lady nicht mehr sah, die ihrer hülfe bedürftig wurde.
Electa, die noch nie das verpönte Gemach der unglücklichen Maria betreten hatte, konnte kaum ihr Erstaunen bei dessen Anblick unterdrücken. Unruhig suchten ihre Blicke nach irgend einer Bequemlichkeit für die Kranke; sie fand nichts als das dürftige Lager, das, in dem kleinen Gemache in der Nähe des losen Fensters stehend, von dem unablässig eindringenden Winde bestrichen ward, der in dieser Höhe und von dem Meere aus nie einen Augenblick seine heulende stimme unterbrach.
Sie legte die jetzt in Ohnmacht Versunkene auf diese elende Lagerstätte und nestelte ihren eigenen Schleier los, um ihn gegen das Fenster aufzuhängen.
Aber nur etwas kaltes wasser fand sie in einem irdenen Kruge, die Ohnmächtige zu erfrischen. Doch tat dies einfache Mittel seine wirkung, und die Unglückliche öffnete die Augen und blickte in die mitleidigen Züge Electa's.
Ihr hier? fragte sie sanft; wie ist mir geschehen? Nachsinnend brach sie plötzlich