Verfolgten immer mehr auszubleichen schienen, verstärkte die Unerbittliche ihre Worte, in der Gewissheit des Erfolgs.
Spät am Abend erst ward sie auf ihren Turm entlassen, der, seiner öden Wände und ungastlichen Einrichtung ungeachtet, ihr wie eine Freistatt des Friedens erschien.
In den schmalen Raum des Fensters gedrückt, blickte sie oft stundenlang in das melancholisch rauschende Meer hin, und rang in der Ermattung ihres ganzen Wesens nach Kraft und Geduld vor Gott. Da stellte sich dann der heimliche Trost ein, der ihr auf offenen Wegen längst entzogen war, und Miklas mit seiner Tochter erschien, und Beide schütteten in das verwaiste Herz der Dulderin den Trost einer Teilnahme, einer Liebe und Verehrung, der sie nirgends mehr begegnete.
Miklas, war es, der sich der Gefahr freiwillig unterzog, dem verschmachtenden Wesen die Wohltat der frischen Luft zu verschaffen. Durch eine unscheinbare Tür, auf dem Vorplatze dieses luftigen Baues, stieg man eine schmale Treppe hinab, vielleicht nur von Miklas gekannt, und erreichte dadurch einen kurzen verdeckten Weg, der, von dem ehemaligen Festungswerk herrührend, unmittelbar in den jetzt ausgetrockneten und zur Weide benutzten Schlossgraben führte, wo, von beiden Seiten durch Wälle verdeckt, jetzt die Spazierenden gegen die Unfreundlichkeit der Nachtstürme und der Jahreszeit in etwas geschützt waren.
Unbeschreiblich war das Entzücken und die Dankbarkeit Marias für diese Wohltat, die ihr zwar nicht oft zu teil ward, aber sie dann auf das Wunderbarste stärkte, wozu das herzliche, liebevolle Gespräch mit Margarit beitrug, deren ganze Seele an der geliebten Lady hing und nebenbei ihren kleinen Kummer ausschüttete, da Lanci zum oheim nach London berufen war und das unschuldige Sehen der beiden Liebenden dadurch sein Ziel gefunden hatte.
Tief erschütterte Maria daher die Nachricht, dass Miklas von einem bösen Fieber befallen darnieder läge, und überwältigt von dem Gefühl, wie Margarit leiden möge, wagte sie die erste Bitte an Lady Sommerset, die Pflege des Alten mit der Tochter teilen zu dürfen.
Die Lady liess ihren Falkenblick mit allem Ausdruck höhnischer Schadenfreude auf der Bittenden ruhen; dann gewährte sie mit einem boshaften Lächeln; denn bereits war Maria dazu ausersehn, diese Pflege zu übernehmen, da man das Fieber für bösartig und ansteckend hielt.
Furchtlos und freudig eilte sie zu ihrem alten Freunde, aber er kannte sie nicht mehr, und Maria hatte bald keinen Zweifel, worauf sie Margarit vorzubereiten habe.
Diese sorge nahm ihren Geist so in Anspruch, dass sie fast übersah, was ihr selbst damit auferlegt ward, und erst an dem Sarge, wo wir sie wieder finden, ergriff sie das trostlose Gefühl, wie viel sie verloren habe. –
An dem erwähnten Tage ritt in das Städtchen Boxhall, welches zunächst dem schloss der Lady Howard lag, eine kleine Anzahl Männer ein, deren ermüdete Pferde hinreichend zeigten, dass sie nicht geschont worden waren, und deren fragende Blicke, die sie an den elenden Häusern des öden, kleinen Städtchens umherwarfen, deutlich ihr Verlangen nach einer Herberge andeuteten, die den Reitern, wie den Rossen gleich nötig schien. Ein solcher Aufentalt fand sich allerdings, wie in jedem kleinen Orte, auch hier, und die Herberge zum weissen Lamm, wie sie sich nannte, obgleich ohne grosse Unterstützung durch häufigen Verkehr mit Fremden, übertraf durch äussere und innere Einrichtung die geringe Erwartung, womit die Reisenden sich ihr genähert hatten.
Master Haxford, der Wirt, erschien wohlgekleidet mit grosser Gravität an der Tür des zweistöckigen, geräumigen Hauses, als das Getrappel der Pferde die seltene Erscheinung von Gästen verkündigte, und lugte unter seinen dicken Augenbrauen prüfend nach den Ankommenden hin, während er zuweilen, ihre Bedürfnisse schon von fern taxirend, einzelne Befehle in das Haus zurück rief.
So fanden die Reisenden bei ihrer Ankunft den Hausflur mit mehreren Domestiken angefüllt, deren weiblicher teil von einer Frau kommandirt ward, welche das empfehlendste Schild aller Wirtshäuser, eine immense Korpulenz und eine glänzende, fast prunkhafte Reinlichkeit, an ihrer kleinen Gestalt zeigte.
Die Reiter, die sich demnach erwartet sahn, stiegen
ohne Weiteres ab, wobei Master Haxford mit Genauigkeit und Schlauheit ihr Rangverhältniss zu ermitteln trachtete, da ihre durchaus unscheinbare Kleidung sie nicht von einander unterschied.
Es kam darüber später unter den Eheleuten zu
einem Streit, indem Mistress Haxford den älteren Herrn für den vornehmsten halten wollte und die Kurzsichtigkeit ihres Mannes, der den jüngern dafür nahm, belächelte, weil dieser sich beeilt habe, vom Pferde zu kommen, um den ältern ehrerbietig herunter zu heben.
Weib, rief der Wirt vom Lamme, ich kenne diese
Vornehmen besser, als Du. Jetzt macht er sich nichts aus seinem Range, eben weil kein Vornehmer dabei ist, den er damit ärgern kann, dass er sich brüstet. Das sind immer die Herablassendsten gegen die Geringeren, wo sie Niemand sieht, die nachmals die Hochmütigsten werden. Herabgehoben hat er ihn, aber über die Schwelle ging er zuerst, nach dem Gepäck sah er sich nicht um, während der alte Herr sich aufhielt, selbst Einiges davon mitzunehmen.
Und der schöne Page, hob die Wirtin an, ist das
nach Deiner Klugheit vornehmes oder geringes Blut?
Vornehm oder gering, fuhr der Wirt ihr entgegen,
alle haben sie Magen, alle sind sie hungrig und durstig, und Dein Platz ist in der Küche. Er selbst aber stieg mit einem Schlüsselbunde und kleinem Laternenstock durch eine Falltür in den wohleingerichteten Keller, und entging dadurch den Worten seiner beleidigten Ehefrau, die in der Tat keinen ungegründeteren Vorwurf bekommen konnte, als den der Versäumniss der