Einsamkeit jedoch, die wir uns eingestehen müssen, oft in den reichsten Kreisen des Lebens, sie ist vielleicht die Heimat unserer Andacht, unseres Zusammenhanges mit Gott, dessen ausreichendes Verständniss wir empfinden, und das uns erquickt durch die Ahnung einer unverlierbaren Gerechtigkeit!
Das äussere Leben Carls des ersten zu verfolgen, finden wir keine Spuren in den Familienpapieren, die wir hier der Welt übergeben. Wenn sie auch, Manches von dem geheimen Geschick des Prinzen in leichten Andeutungen verratend, über seinen charakter einen Aufschluss geben könnten, so liegt es doch ausser dem Bereich unserer Absicht, darauf weiter einzugehen.
Carl empfand den Tod seines Vaters mit einer rein kindlichen Hingebung; er hatte bis zum letzten Augenblick ihm Zeit und Ruhe gewidmet, und seine Pflege bis zu den geringsten Handreichungen mit den übrigen Umgebungen geteilt.
Gewiss hatte so viel Liebe das Ende des Königs erleichtert und selbst in das gequälte Herz des Sohnes jenen Frieden, jene Stille gebracht, die aus der Erfüllung einer heiligen Pflicht entspringt.
Sein dunkles melancholisches Auge blickte um so rührender aus dem bleichen Gesicht, und als er an der Leiche des Vaters den gleich ihm ermüdeten Hofstaat entliess, um die Vorkehrungen zur Beisetzung nicht zu behindern, konnten die treuen Diener kaum dem Gedanken entgehn, dass der neue Träger der Krone, gleich dem verschiedenen, wie die Zierde eines Paradesarges aussehe.
Langsam, von Wenigen gefolgt, durchschritt er die öden Zimmer, bis er das uns bekannte Gemach des kranken Porters erreicht hatte, wo er allein, schweigend und gesenkten Hauptes, an das Bett des immer noch Leidenden trat.
Dein Herr und König ist nicht mehr, wiederholte er die schon bekannt gewordene Nachricht. Ich habe keine Eltern mehr, der Grabstein auf dieser Erde wird immer breiter für mich. Sprich es jetzt aus, was Du seit langer Zeit andeutest, habe ich auch das Letzte, was mich an diese Welt band, verloren? Fürchte nicht, fuhr er fort, da Porter in entsetzlichem Kampfe nach einer Antwort rang; eben jetzt bin ich bereit Alles, auch das Schwerste zu hören.
So tröste Gott Euer Majestät, stammelte der Alte und öffnete die Lippen, mehr zu sagen, als der König, kurz zusammenfahrend, seinen Degen fest an die Seite drückte, ihm Stillschweigen zuwinkte, und wie ein Nachtwandler starr und steif aus dem Zimmer schritt.
Porter blieb in Verzweiflung zurück; nicht dies hatte er gewollt; aber Carls schnelle Auslegung vermöge der im Augenblick des Schmerzes ihm zunächst liegenden Weise, und seine Entfernung machten es Porter, der selbst ans Bett gefesselt blieb, unmöglich, den König zu beruhigen. Ein längeres Nachdenken drängte endlich seine Teilnahme ziemlich in den Hintergrund und liess ihn sogar Sicherheit für seine eigenen Schritte in dieser Annahme finden, wobei er den Vorsatz fest hielt, bei der Nachricht von ihrer Rückkehr nach Godwie-Castle dem Könige die Hoffnung zu geben, dass sie noch lebe. Von der Leiche eines Fürsten, dessen Tod der Anfang einer eben so wichtigen Epoche für England ward, als sein Leben bei seinem stillen Gange und seinen wenig hervortretenden Ereignissen kaum eine Spur hinterliess, wenden wir uns zu dem letzten Ruhebette eines Greises, zu gering, um in den Registern der geschichte einen Raum für seinen Namen zu finden, wichtig genug für den Mittelpunkt, für die Hauptperson unserer Erzählung, um ihn nicht zu übersehen.
Wir treten in ein leeres Zimmerchen, welches uns schon bekannt ist, und mit seiner hochgewölbten Dekke, seinen tiefen bis an den Boden reichenden Fenstern uns die wohnung des alten Miklas, im schloss der Herzogin von Sommerset, zeigt.
Leer sehen wir die Wände und mit schwarzen Vorhängen bezogen; kein gastliches Feuer in dem leeren Kamin verbreitet Helle und Wärme; im trüben, matten Lichte umgeben zwölf Wachskerzen den erhöhten Sarg, wo wir die erblasste ehrwürdige Gestalt des alten Miklas gewahren, dessen gefaltete hände, in denen der Rosenkranz hängt, und die stille Miene des Gebets und der sanftesten Ruhe eher einen in heilige Andacht Versenkten, als einen Gestorbenen ankündigen.
laut hören wir seitwärts schluchzen und sehen Margarit, in Trauer gehüllt, auf der Erde vor Lady Melville knieen, die, auf einem schlichten Stuhl am Sarge sitzend, die Todtenwache mit der trostlosen Tochter teilen will. Auf der andern Seite hören wir ein leises Murmeln von Gebeten, mit der lauteren Betonung einzelner heiliger Namen, und finden Schwester Electa, welche sich dem Dienste unterzogen hat, die Sterbegebete an der Leiche herzusagen.
Sanft hören wir dazwischen die stimme Marias, die, mit der eignen Wehmut kämpfend, ein liebevolles linderndes Wort für die arme Margarit spricht.
Aber wie sind die Züge verwandelt, in die sonst mit dem Schmelz der Jugend und Schönheit zugleich die frische, kräftige natur solche Fülle des Ausdrucks legte, eine Beweglichkeit der Mienen, den blick fast wider Willen fesselnd. Die schönen gerundeten Wangen sind länglich und kränklich verfeinert, die Blässe der Haut geht in das Weiss der kleinen Binde über, die der Klosterhaube sich anschliesst, keine Spur des reichen Haares zeigend. Der schöne Mund hat den tiefen Ausdruck des Leidens mit seinen gesenkten Winkeln, seiner erblassten Farbe, und die schöne Nase scheint wie durchsichtig in Feinheit und bläulichem Schein. Drüber ruhen die grösser blinkenden Augen, wie trostlose gefährten, nichts mehr von Aussen suchend, von Innen nichts mehr findend, um ihr voriges Licht anzufachen, nichts bewahrend, als den Abglanz einer reinen erhabenen Seele.
Von der schluchzenden Margarit richtet sich ihr Auge zu dem lieben Greise, von ihm zu ihr