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entfernen; auch ist es nicht ratsam, setzte er flüchtig hinzu, einen Mann zu ihm zu lassen, der, einer der gefährlichsten Feinde unserer Kirche, eben jetzt sich nachteilig zeigen könnte.

Wohl, wohl, bekräftigte der Alte; er darf nicht in Verbindung treten mit dem gnädigsten Herrn, dies sehe ich selbst ein, und überhaupt alle müssen entfernt bleiben, die ihn daran erinnern, was er verloren; weshalb auch Gersei und Hanna mit allen ihren Gesuchen abgewiesen sind.

Diese Beiden, sprach der Pater, hat der Herzog selbst für gut befunden, unschädlich zu machen. Zur Ruhe gebracht, in der vorteilhaften Stellung, das leere Schloss zu hüten, worin sie ein langes Leben der nun zerronnenen Hoffnung widmeten, einst mit diesem gehegten kind selbst einen hoch vermögenden Platz einzunehmen, hat Alter und überstandene Gefahr sie fügsam gemacht, und sie werden Dich nicht mehr belästigen. Du hast fürs Erste den Prinzen fortwährend auf den Tod der Gesuchten vorzubereiten. Unsere ersten Berichte über die Hoffnungen, die sie zu geben schien, sind durch Pater Clemens nach Frankreich gegangen; doch konnte ich seine Ansichten von Anfang an nicht teilen, denn der gute Herr sieht die Dinge selten in ihrer natürlichen Gestalt. Meine folgenden Berichte sind daher ganz anders ausgefallen, und ich denke die Antwort wird so sein, dass sie es einst bereuen wird, meinen hohen und anerkannten Ruf in Bekehrung ketzerischer Gemüter durch ihren Widerstand angegriffen zu haben. Wenn's nach mir geht, verlässt sie nie wieder die Mauern dieses guten, festen Schlosses! – Die Glut des Zornes war am Ende dieser Rede auf die breite Stirn und die düster funkelnden Augen des hochmütigen Paters getreten, und Porter erkannte genau, was das fräulein zu erwarten hatte, vertrauten nämlich die höheren Lenker dieses Gewebes den Berichten des in seinem geistlichen Hochmut verletzten Priesters.

Aber Brixton, unterbrach der alte Mann den gang des Gesprächs, was denket Ihr mit ihm zu tun? Vielleicht hat er, abgeschreckt durch die vergeblichen Versuche, bereits seine Rückreise angetreten. –

Damit wirst Du uns wenigstens nicht raten wollen, die Versuche zu seiner Wiederauffindung einzustellen. Ich werde seine Spur finden, verlass Dich darauf und gehabe Dich bis dahin wohl!

Offenbar in der übelsten Laune, die er sich erregt, teils durch die Erinnerung an die Verletzung seines Hochmuts, teils durch den stets wieder auflebenden Verdacht, Porter möchte sie nicht redlich bedienen, erhob sich der Pater. Stolz grüssend verliess er das Krankenlager des Vertrauten, dem er in einer durch Alter und Einsamkeit genährten Geschwätzigkeit wohl mehr mitgeteilt hatte, als er bei einer ruhigen Beratung mit seinem verstand und den Gründen des Verdachts gegen ihn für ratsam gehalten haben würde.

Porter blickte dem Abgehenden mit einem Ausdrucke nach, der an das boshafte Spiel der Katzen erinnerte, welche, in ruhiger Stellung ihrem schon getroffenen Feinde gegenüber, bloss mit der Schärfe ihres Blickes ihn hüten, sicher, dass ihnen der beliebige Augenblick zu Gebote steht, wo das Ausstrecken der bekrallten Pfote seiner Freiheit Grenzen setzt.

Dessen ungeachtet sehen wir diesen Ausdruck gemässigt durch die Betrachtungen, die dem Alleingelassenen sich aufnötigen, und nicht undeutlich zog mancher schwere Seelenkampf über dies gefurchte Gesicht, und konvulsivisch sehen wir ihn seine Dekken drücken, und sich selbst zusammen ziehen und strecken, so dass es schwer wurde, an die Wirksamkeit des Umschlages zu glauben, den der ruhig schlummernde Jüngling so vertrauungsvoll ihm umgelegt. Doch wir wissen, dass die Seele des Menschen in eine Zerrüttung verfallen kann, die Konvulsionen zu erregen vermag, unzugänglich den Linderungen von Aussen und in uns selbst den Arzt fordernd, der mitleidend oft lange die nötige Hilfe versagt.

Der innere Streit, den wir hier zu schildern suchen, ging, wie immer, dahin, ob die Liebe zu dem von seiner Jugend auf ihm anvertrauten Prinzen, dem er die einzige warme Regung seines Herzens verdankte, und der ihm eben darum vielleicht in der Stille als sein Wohltäter erschien, siegen sollte. Eben so mächtig war der Einfluss dieser Priester, durch Erziehung, Gewohnheit, Religion und den fanatischen Eifer der Kirche, ein so mächtiges Werkzeug des Ruhmes zu gewinnen, in seinem tiefsten Leben gewurzelt.

Es findet sich in der inneren geschichte aller Menschen mehr oder weniger ein Streit zwischen den Eindrücken der Erziehung und den späteren Ueberzeugungen, und es möchte nicht schwer sein, die Macht der ersteren in jedem Individuum wieder zu erkennen, wie sehr sie auch oft in dem entwickelten geist verarbeitet erscheint. Eben so häufig aber tritt uns die Erscheinung entgegen, eine gänzlich ihr hingegebene natur zu finden, die, tyrannisch beherrscht von den ersten Eindrücken, jede freiere entwicklung sogar von sich stösst und wie ein Sklave im selbst gewählten Joche durchs Leben keucht. Beschränkt und der edlen Bestimmung entgegen, das durch Erziehung überliefert Erhaltene bloss als Basis höherer entwicklung zu benutzen, scheint uns ein solches Wesen verächtlich und unbeachtenswert; wie oft aber würden wir von diesem zuversichtlichen Verwerfungsurteile abstehen müssen, wäre uns ein freier blick in das Innere erlaubt. Es wächst unter der Last befestigter alter Gewohnheiten und Vorurteile oft dem Allen entgegen, immer zum geheimen Widerspruche geneigt, ein kleiner zarter Keim freierer überzeugung empor, die vor der schweren Erde, die hoch darüber lastet, nicht bis zur entwicklung an das äussere Leben gedeiht; aber wenn das nahe Ende den Hochbejahrten aus dem irdischen Sein, worin seine Fesseln haften, hinausgeführt, dann erblicken wir zuweilen eine plötzliche Veränderung, von der wir uns angewöhnt haben zu sagen: Er ist so sanft,