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wie strengste Einsamkeit, Entziehung von Luft und Bewegung und jener eiteln weltlichen Geistesbeschäftigung, durch deren Angewöhnung ihre lasterhafte Erziehung aus diesem kind an Jahren, einen Mann an Festigkeit in ihren Irrtümern gemacht hat.

O, o! sprach hier mit vieler Teilnahme der Kranke, steht es so schlimm mit dem armen kind?

Ja, so schlimm steht es, erwiderte recht innerlich entrüstet der Andere, und so, fürchte ich, wird es bleiben und damit ihre Zukunft von ihr selbst herbei geführt sein. Glücklich müssen wir uns preisen, dass uns darüber die Verfügung gestellt ist, denn in Buckinghams Händen, mit der Zutat höfischer Weltklugheit, die er nicht ermangelt haben würde ihr zu geben, hätte die erhabene katolische Fürstin, die sich hierher begiebt und als eine wahre Gesandtin des Herrn dies Ketzerland betritt, die Märtyrer-Krone früh genug um ihre Schläfe fühlen können. Und unser so spärlich gedeihender Einfluss? – Er hielt inne, als fehle ihm die Ergebung, um den Gedanken zu vollenden, der sich ihm nur wider Willen aufgedrängt hatte. Auch Porter schien von ernster Unruhe bei diesen Worten ergriffen, denn zu tief hatten ihn die zu verpflichten gewusst, die sein Gewissen und seine Stellung missbrauchten, als dass er sein Interesse von dem ihrigen hätte ganz abwenden können. Die Liebe zu seinem Prinzen, die vielleicht das einzige warme Gefühl dieses abgetödteten Herzens war, trat doch immer wieder verschüchtert zurück, wenn dieses mächtige Interesse aufkam. Der geheime Wunsch, den Prinzen endlich seiner Kirche zuzuwenden, verdeckte ihm dabei die bösen Wege, die er ging, und die Treulosigkeit, die er in jeder andern Beziehung sich gegen ihn weder erlaubt, noch verziehen hätte, erschien ihm durch solchen Zweck geheiligt.

Es ist freilich dabei Manches zu bedenken, fuhr der Mönch fort, und nicht unwichtig ist die Hartnäckigkeit des Sinnes, den Du, eben daher abgeleitet, bei dem Prinzen wahrzunehmen vorgiebst. Aber es dürfte dies Alles eher zu bestätigen sein, als dies Mädchen, so wie sie jetzt ist, hervortreten zu lassen und Bukkinghams Einflusse, der gebrochen werden soll, damit eine neue Verstärkung zu geben.

Hochwürdigster, hob hier der Alte an, wie von einem frischen Gedankenstrome belebt, sagt mir doch, beabsichtigten nicht frühere Pläne, das fräulein der gnädigsten Prinzessin zu übergeben, als ein Geschenk für den Vater, sein Herz damit ganz der grossmütigen Gemahlin zuzuwenden.

Man hat auch dies bedacht, allerdings, erwiderte Pater Johann, doch blieb es nur damals erwünscht, als ihr Besitz noch nicht entschieden war.

Seit sie unser gesichertes Eigentum geworden, ist der Plan wenigstens nicht weiter in Anregung gewesen, und selbst unter dem Einflusse der Prinzessin bleibt ihr Hervortreten gefährlich; denn Buckingham hat unbestreitbare Rechte über sie, und wird sie sich ihm nicht leichter zuwenden, als der katolischen Fürstin?

Der Alte schwieg und vertiefte sich in seine Gedanken, bis er endlich an einer neuen Frage, die sich ihm aufdrängte, angelangt war, die er sich jedoch hütete, als solche zu stellen.

Der Einfluss und die Geschäftigkeit einer grossen Anzahl von Personen, die ihm aus Furcht und Gewinnsucht dienen, setzten den Herrn Herzog oft auf eine sehr überraschende Weise von Dingen in Kenntniss, die man weislich verborgen hält. Ich habe eine schmerzliche sorge für das heilige Schloss und seine Bewohner. Seit lange, glaube ich, gehen über dasselbe, bis jetzt freilich mehr verlachte und gering geachtete Gerüchte; käme aber der Herr Herzog bei vergeblicher Nachforschung auf den Gedanken, von welcher Hand diese ihm wichtige person ihm entzogen worden und verborgen werde, sollte er da nicht im Weiterschliessen diesen Ort finden können und denselben dann der brutalsten Nachsuchung aussetzen?

Alter, erwiderte der Angeredete, Du schiessest an Deinem Ziel vorüber. Alles zu übersehn, ist Dir nicht verliehn, und Deine Vorsorge macht Dich hier kurzsichtig und einfältig, als ständen Dir keine Erfahrungen zur Seite. Wer hat denn bisher spielend diese Verhältnisse geleitet, wer diese Verbindung, dies Kind gehütet, und stets sie bereit gehalten zum beliebigsten Gebrauche, zur Hintertreibung oder Erreichung nötiger Zwecke, und zwar mit so fester und doch ungeahneter Hand, dass sie sich in völliger Freiheit und Sicherheit träumte?

Hm, erwiderte der Alte mit dem boshaftesten Lächeln, welches er in seiner ganzen Schärfe vortreten liess, ich weiss, Sir, dass es dieselben ehrwürdigen und weisen Herren waren, die endlich die Lady, ohne Ahnung ihres Todes, von ihrem eignen Bruder, der bloss zufällig nicht der Herr Herzog selbst war, begraben, und den lang bewachten und festgehaltenen Schatz entwischen liessen, in ziemlicher Ungewissheit, wo er eine Zuflucht gefunden, oder ob ihm überhaupt noch eine Zuflucht auf dieser Erde nötig sei.

Ein Fehler, unläugbar ein Fehler, stotterte verwirrt Pater Johann, aber sehr verzeihlich und durch die Umstände entschuldigt. Der höchst weise Hilarius, der diese Aufsicht übernommen hatte, ward abgefordert nach des Höchsten Ratschluss. Pater Clemens, der uns allgemein würdig schien, das grosse geheimnis zu teilen, noch in Frankreich, der Prinz und der Herzog in Spanien, das Kind in Schottlandes schien wenig Gefahr vorhanden. Gewiss war es ein merkwürdiges Beispiel, wie das kleinste Versäumniss oft zur Zerstörung der klügsten Unternehmungen führen kann. Indessen fehlen dem Klugen selten die Mittel, eine solche bloss menschliche Befährniss wieder abzuwenden, wie der Erfolg gelehrt.

Wohl, sagte trocken Porter, aber es war freilich eine eigne Befährniss, Sir, dass das fräulein, wie durch Instinkt getrieben, zu diesen Nottinghams