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und die hohe Dame, die bis dahin im Geheim den gnädigsten Herrn beglückte, und das schöne Kind dieses Bundes erhielten neben mancher sorge doch das Herz des Herrn in dieser gesegneten Stimmung. Seit aber dieses geheime Glück durch Gottes Willen dem gnädigsten Prinzen genommen, seit auch das holdselige Kind verschwunden, welches die trostreiche Unterstützung bei seinem Gram hätte werden können, ist die Gemütsart des armen Herrn sehr verändert, und seine Anlagen scheinen eine sehr überraschende entwicklung zu erleiden. –

Wie meinst Du das? rief aufmerksam werdend der Fremde und rückte dem Bette näher, den fest schlafenden Jüngling leise mit dem fuss weiter rollend.

Es ist nicht gut, fuhr Porter vorsichtig fort, wenn einem verwöhnten Herrn, wie unserm gnädigsten Prinzen, plötzlich Alles fehl schlägt. Nicht alle Gemüter halten derlei Erschütterungen aus, ohne grosse Umwandlungen, am öftersten nachteilige, zu erleiden. Der Schreck, wenn wir erfahren, wie ohnmächtig unsere eigenen Kräfte dem Schicksale gegenüber sind, wird sehr häufig ein Zürnen und nicht selten ein Erzürntbleiben gegen die ganze Welt, was Weh erzeugt um uns her, Weh zurückführt in das also gemarterte Herzund Wehe! Wehe! ehrwürdiger Herr, wenn es dem inne wohnt, der einen Tron besteigen soll. Den Widerstand, den er gefunden, lässt er erleiden, das Glück, an das er nicht mehr glaubt, versagt er um so leichter Andern; und menschliche Mittel als unwirksam erfahren zu haben am eignen Schicksal, vertritt der Menschenachtung den letzten Zugang, und ein eigenwilliges, stolzes Selbstvertrauen bleibt der Vertraute solcher gefährlichen Seeleneinsamkeit. –

Alter! Alter! unterbrach ihn hier sein Zuhörer mit einem lebhaften Ausdruck der Teilnahme, der eben sowohl der Sache selbst, als der schlauen Beobachtung dessen galt, der so gern als unbedeutend erscheinen wollte und doch nur zu häufige Proben der tiefer gehenden Menschenbeobachtung gab, die ihn zu dem Werkzeuge jener umsichtigen Machtaber gestempelt hatte, welche kein Talent in ihrem Bereich verkannten oder unbenutzt liessen. Sprich, fuhr er fort, sind dies Wahrnehmungen, die Du mit Deiner Schlauheit kombinirst? Stützen sie sich auf Tatsachen? Gehören die Winke und Andeutungen dazu, die über die Folgen der Krankheit des Prinzen von Dir schon öfter gegeben wurden, die sogar unter dem volk sich verbreitet finden? Wäre es mehr, als dies launische Uebelbefinden eines Genesenden? Oder sind es nur von Dir herbeigeführte Schlüsse, die Deiner Lieblingsidee dienen sollen?

Der Alte zog die Decke über seine hagern Schultern und sagte so gleichgültig, wie er vermochte:

Legt meine Worte aus, wie Ihr wollt, was hülfen mir weitere Beteurungen; seid Ihr doch einmal darauf gestellt, mich zu kränken und mir zu misstrauen! Lieblingsideen verlernt der am ersten zu hegen, dem kein freier Wille blieb, den kleinsten Wunsch zu fördern; es ist lange her, dass ich von Lieblingswünschen träumte, ich weiss nichts mehr davon.

Du täuschest mich nicht, fuhr der Unerbittliche fort, ich weiss sehr wohl, wie Du uns überreden möchtest, dies Unglückskind könne der Welt und seinem Vater erhalten werden, ohne unsere grösseren Absichten zu durchkreuzen. Läugne, wenn Du kannst, dass sich alle Deine Beobachtungen bequemen müssen, um dieser idee unschädlich zu werden; läugne diese Schwäche, diese Torheit für ein junges unbedeutendes Mädchen, für die Schwäche eines väterlichen Herzens, welches doch, zu dem reichsten Ersatze bestimmt, nur diese leichte Krisis von Schmerz zu überstehen haben wird, um dann die endlosen Sorgen, die an diesem Wesen ihm gegeben wären, in rechtmässige Freuden verwandelt zu sehen.

Wer könnte wagen wollen, Euch zu täuschen, Hochwürdiger, erwiderte der Alte unterwürfig, die Hauptsachen können Euerm scharfen Blicke nimmer entgehn, nur traut Ihr meiner Aufrichtigkeit zu wenig. Was ich Euch über eine grosse, sehr ernst scheinende Karakterumwälzung des gnädigen Herrn gesagt, verwerft es nicht! Denn der Todesschweiss auf König Jakobs Stirn prophezeihet, dass Alles bald zu Tage kommen wird, was in diesem armen Herrn glüht und gährt. Gedenket daran! Er hat die Ungeduld des Unglücklichen; er wird handeln, um sich zu zerstreun. Gebt Acht, wie seine ersten Schritte sein werden; denn was Ihr hofft, wird vorerst Euch täuschen. Ein Weib legt ihm so bald, nach dieser, keine Zügel an; Henriette von Frankreich wahrscheinlich nimmer, wenn irgend Eine, so wäre es vielleicht das gefangene Mädchen, das sich mit vollem Rechte Maria Stuart nennt, und das Ihr vielleicht zu Euerm eignen Nachteil zurückhaltet.

Nachdenkend schob der Mönch die Kappe von der breiten Stirn und zeigte damit für einen Augenblick das Antlitz des Pater Johannes, des Beichtigers auf dem schloss der Lady Howard. Er bemerkte die lauernden Augen des alten Porters nicht, der die wirkung seiner Worte auf dem entüllten Antlitz suchte, und erkannte, dass sie mit grosser Sorgfalt geprüft wurden.

Ja, hob der Pater dann nachdenkend an, wenn dies Mädchen, die Du so gern Maria Stuart nennst, den glaubensvollen Eifer ihrer grossen Ahnfrau hätte, diese unbesiegbare Liebe zu unserer heiligen Kirche, die ihr Haupt fallen liess und selbst ihren gemordeten Schatten noch zu einem drohenden Panier gegen diese Afterkirche machte, was denkst Du, dass wir Deines Rates bedürften, ihr einen bedeutenden Platz anzuweisen und eben sie der Welt zu erhalten? Aber ketzerisches Blut von beiden Eltern in den Adern, ketzerisch genährt und erzogen, ist sie starr geblieben gegen die Segnungen meines Unterrichts, meiner Belehrungen, gegen die überzeugenden Beispiele täglicher kirchlicher Feier, gegen Alles, was ein Gemüt sonst empfänglich macht,