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zur Gräfin Melville andeuten, so sehe ich Euer Verhalten dabei als eine Beleidigung für unser unbescholtenes Haus an und bestehe auf der einzigen Genugtuung, die Ihr geben könnt.

Mylord, sagte Membrocke, hätte ich Zeit, so würde ich mich nicht bemühen, Euch mit Worten aufzuklären, denn ich liebe, gleich Euch, die prompte Sprache von zwei guten Klingen; so aber will ich, der Aeltere, auch der Gemässigtere und Verständigere sein. Aufrichtig gesagt, es ist mir die Sache, für welche Ihr mein Blut fordert, herzlich gleichgültig geworden, und ich habe die Prüderie der kleinen Närrin längst vergessen. Sie ist nicht der Mühe wert, dass zwei Männer, wie wir, uns darum raufen.

Gut, rief Richmond, der einige trostreiche Worte vernommen, mit mehr Ruhe. Auch ich bin kein Kind, das bloss seine Waffen versuchen will; doch fordere ich dann von Euch einen offenen Bescheid darüber, wo Ihr das fräulein hinführtet, in welcher Lage sie sich befindet.

So weit reicht mein guter Wille nicht, Mylord, erwiderte ruhig Membrocke; nun aber seid ruhig und hört mich, fuhr er fort, da Richmond heftig auffuhr. Ihr sollt Alles wissen, was Euch interessiren kann, ich verspreche es Euch; aber seid nicht wie ein gereizter Löwe, ich bin meines Lebens ja nicht sicher mit Euch.

Etwas beschämt über seine Heftigkeit, die ihn diesem gering geschätzten mann gegenüber fast in Nachteil brachte, zog sich Richmond kalt zurück, entschlossen, genau und scharf, aber ohne Unterbrechung zu hören.

Wir wiederholen hier nicht eine Mitteilung, deren Gegenstand wir bereits kennen. Membrocke liess der Tugend des Fräuleins Gerechtigkeit widerfahren; ohne Buckingham zu nennen, verriet er, dass sie ihn als Begleiter zu ihrem Oheim gewählt, und legte ziemlich aufrichtig die Machinationen dar, womit er das fräulein entfernt hatte, wobei er jedoch den Brief verschwieg und dadurch ihre Leichtgläubigkeit dem Erstaunen Richmonds überliess. Das Ende und ihren Verlust in Sir Patricks Schloss, von wo ihn eine Einladung des Herzogs zu der vorhabenden Reise weggeführt, wusste er gleichfalls von der eigentlichen Wahrheit fern zu erzählen, und ihre Flucht von dort, die ihm bis jetzt wirklich ein Rätsel war, in das überzeugende Licht der Wahrheit zu stellen. Richmond hatte einen Trost empfangen, der ihn willfährig machte, die übrigen Umstände günstig zu finden, er glaubte Membrocke alles Uebrige, da er so gern an dessen Unschuldserklärung des Fräuleins Glauben hatte. Ihre zugleich dabei hervortretende Unbesonnenheit schien ihm nur zu sehr mit seinen eigenen Wahrnehmungen über sie zu stimmen, als dass er diesen teil der Erzählung hätte in Zweifel ziehen sollen. So erklärte er sich denn innerlich zufrieden und stand auch nicht an, es auszusprechen, da er es aufgeben musste, der verworfenen Moral des Lords das Unwürdige seiner Handlungsweise bemerklich zu machen.

Ja, Mylord, sprach Richmond auf dessen Frage, ich will mich zufrieden geben mit Eurer jetzigen Mitteilung und danach handeln, aber seid sicher, Ihr bleibt mir verantwortlich für die Folgen Eures strafbaren Verfahrens; und hörte ich hier nicht die Wahrheit, so werdet Ihr nach Eurer Rückkehr wohl Zeit finden, mir Antwort zu geben auf das, was ich Euch dann zu sagen haben werde.

O, sicher und gewiss! rief Membrocke, wieder in seinen nachlässigen Ton verfallend; was kann mir angenehmer sein, als eine so ehrenvolle Aussicht bei meiner Rückkehr.

Mit der grössten Kälte und Höflichkeit trennten sich Beide, und es sei uns nur noch erlaubt, hinzu zu setzen, dass Membrocke seinem Freunde, dem Herzog von Buckingham, nichts von dieser Unterredung mitteilte. Sein Betragen liess keinen Beifall hoffen, da des Herzogs Hass gegen die Nottinghams stets nach gelegenheit trachtete, sie anzugreifen; vielleicht auch war es eine gewisse Schadenfreude, die diese edlen gefährten gegen einander hegten, und welcher eine mögliche Befriedigung bevorstand, wenn es den Nottinghams gelang, das fräulein aufzufinden und damit die ehrgeizigen Pläne des Herzogs zu durchkreuzen. Membrocke zweifelte nicht, Richmonds leidenschaftliche Stimmung würde ihm bei ihrem Auffinden schon eingeben, das zu tun, was sie für den Herzog alsdann ziemlich verloren machte; genug, der Lord entschloss sich, darüber zu schweigen.

Lord Richmond dagegen eilte in grösster Eile zurück, um mit seinen Freunden nach diesen empfangenen Mitteilungen die nächsten Beschlüsse nehmen zu können. Dies war nicht minder schwierig, als früher, geworden, und die einzige zu verfolgende Spur musste sich von dem schloss des Sir Patrick aus anknüpfen lassen, wohin sie sich zuvörderst zu begeben beschlossen, und zwar Brixton und Richmond, von einigen bewährten Dienern begleitet. Wir führen unsere Leser an einem Nachmittage durch die weitläuftigen Gänge und Gallerien des alten königlichen Schlosses an manchem anscheinend einladenden Eingange vorüber, und öffnen am Ende eines solchen Ganges eine kleine unscheinbare Tür, die uns in ein leeres und düsteres Vorgemach führt. An dem schwachen Torffeuer des Kamins finden wir einen Jüngling in häuslicher Tracht knieend, in einigen Tiegeln einen Teig rührend, der, nach dem daneben ausgebreiteten Leinenzeuge und dem starken Geruch von Kräutern zu schliessen, einen Umschlag für irgend einen Leidenden zu entalten schien.

Schnell und geschickt sehen wir ihn jetzt eben den hinreichend erwärmten Teig in die Tücher schlagen, und leicht und geräuschlos mit der vollen Elastizität der Jugend in ein Nebenzimmer springen, dessen kleine Tür uns, hinter ihm her, in ein grösseres Zimmer führt, was an Höhe, Umfang und Bauart dem besseren Teile des Schlosses angehört.

Seine innere Einrichtung bietet die seltsamen Widersprüche von geschmacklos geordneten und unreinlich gehaltenen