Herzoge von Buckingham, zu dessen nächster Umgebung er gehören sollte, keine Zögerung mehr gestattet war. Doch fand er dies eitle Kind der Welt in ein solches Gewirre der gewöhnlichsten Lebensbeziehungen verwickelt, so von Schneidern, Juwelieren, Stickern und Handelsleuten aller Art umgeben, dass ihm keine Beziehung zu Lord Richmond in Erinnerung geblieben schien und er diesen aufforderte, der Tanzstunde beizuwohnen, die ein französischer Tanzmeister ihm geben wolle, um ihn in den neuesten zu Paris bei hof gebräuchlichen Tänzen zu unterrichten.
Ich denke, Mylord, sprach Richmond mit dem vollsten Ausdrucke der Geringschätzung, Euch wird nicht ganz entfallen sein, dass ich Euer Haus nicht betreten haben kann, um Euern Spässen beizuwohnen, dass es unter uns ernstere Beziehungen gibt, die erörtert sein wollen, ehe ich Euch erlauben kann, in diesem Tone Euch zu vergnügen.
Richtig rief Membrocke mit sehr natürlichem Erstaunen, da ihm wirklich im Augenblicke erst die Veranlassung zu Richmonds Besuch einfiel. Wir haben, setzte er lachend hinzu, über die kleine schlaue Miss eine Zwiesprache zu halten, die ich Euer Liebden strenger Aufsicht entführte.
Richmonds Stirn brannte bei der geringschätzigen Art, wie er hier ein Wesen erwähnen hörte, gegen das er sich selbst noch jeden Zweifel vorwarf.
Ich bin nicht gewohnt, Mylord, rief er, ungeduldig ihm näher tretend, in der Gegenwart solcher Toren ernste Angelegenheiten zu besprechen; zeigt mir Euer Kabinet.
Allerliebst, lachte Membrocke mit schon annehmender guter Laune, allerliebst! Ihr hier versammelte Gesellschaft von Toren, Ihr meine liebenswürdigen gefährten, amüsirt Euch wohl, indessen ich in meinem Kabinet ein paar Fledermäuse jagen will, die über Nacht herein geflogen. Wollt Ihr mir dabei helfen, Mylord, so nehmt den Vortritt.
Mit stolzer Heftigkeit trat Richmond an ihm vorüber in das Kabinet, welches der Lord ihm geöffnet, und trug dies auch eben so den Stempel der Torheit, wie das erstere, so waren es doch nicht Menschen, sondern leblose Gegenstände, die hier sich jeder ernsteren Beziehung zu widersetzen schienen.
Lasst mich stehen, rief Richmond, als der Lord ihn auf ein mit allerlei Kram belegtes Ruhebette einlud; was ich mit Euch zu reden habe, muss bald abgetan sein. Erklärt Euch, ob Ihr der Familie Nottingham, die durch mich zu Euch redet, den angetanen Schimpf gut machen wollt, aus ihrem Kreise ein von ihr beschütztes unbescholtenes Mädchen entführt zu haben, ob Ihr es gut machen wollt, indem Ihr mir bekennt, zu welchem Zwecke und wohin Ihr sie entführt; oder ob Ihr es vorzieht, zu jeder Euch beliebigen Stunde mit mir Euern Degen zu kreuzen?
Wahrlich, rief Membrocke, der bei aller Verworfenheit die gewöhnliche Kavalier – Bravour hatte, um jeden Preis möchte ich das Letztere wählen, um des Vergnügens willen, Euern jungen Degen kennen zu lernen.
Wohlan, die Bekanntschaft soll Euch werden, erwiderte Richmond, er ist nicht jung genug, um die Sache der Unschuld nicht verteidigen zu können, und, unentweiht, noch nie gezogen worden, um die Laster seines Besitzers zu vertreten.
Dies liegt ausser Zweifel, lieber Lord, spöttelte Membrocke, die Nottinghams sind alle wahre Tugendhelden, Ihr seid alle, glaube ich, von Eurer gestrengen Frau Mutter erzogen worden; man sagt, sie habe ihre Erziehungsmetode bei Euerm Vater eingeübt bis sie Euch dann übernommen.
Nennt den Namen meiner Mutter nicht! rief Richmond heftig; ihr erhabener charakter und ihre Tugenden liegen ausser Euerm Bereich; ich kann nicht zugeben, ihn von Euch zu hören.
Wahrlich, unterbrach ihn Membrocke zurückweichend, Ihr beschneidet sehr den Stoff unserer Unterredung! Wovon beliebt es Euch zu sprechen, wenn nicht von den lieben Angehörigen? Ich dachte, wie gut ich es gemacht hätte.
Wir haben überhaupt nichts mehr zu sprechen, Mylord, erwiderte Richmond kalt; was wir noch vorhaben, wird mit wenig Worten abzutun sein. Wo werden wir uns finden!
Ja so! sagte Membrocke, und sein Gesicht ward plötzlich nachdenkend, das ist eine schlimme Sache, wo soll ich dazu Zeit finden? Diesen Abend reist der Herzog ab, ich habe noch unabsehbar viel vor bis dahin, Ihr setzt mich wahrlich in Verlegenheit.
Ist das die Sprache eines Mannes von Ehre, sprach Richmond, oder beabsichtigt Ihr eine neue Beleidigung gegen mich durch Eure Ausflucht? Ihr werdet Zeit finden, und sollte es der gegenwärtige Augenblick sein und dies Zimmer unser Kampfboden!
Halt! Halt! rief Membrocke, wir müssen nicht mit der Torheit anfangen, an unserer gegenseitigen Bravour zu zweifeln; die hat jeder Edelmann unseres Namens, so viel wie nötig, um wegen ein paar Unzen Blut mehr oder weniger sich nicht zu kümmern. Ich habe nicht die Absicht, Euch zu beleidigen, ja, eigentlich, setzte er gutmütig hinzu, achte ich alle Männer Eures Stammes wegen ihrer makellosen Ehre, aber Ihr müsst Euren Maassstab, zu handeln, nicht den heiteren Kindern der Welt aufnötigen, die andere Ansichten von Lebensgenuss haben, und darum nicht gleich einen ganz gewöhnlichen kleinen Liebesroman als eine Ehrensache ansehn.
Richmonds Herz zog sich krampfhaft zusammen. Es lag das Eingeständniss eines solchen Verhältnisses mit Lady Melville in diesen Worten, und er schauderte zurück, ihrer so erwähnen zu hören. Halb abgewendet, um seine Erschütterung zu verbergen, rief er mit dem tiefsten Ausdruck von Zorn und Schmerz:
Es kann kein Streit unter uns sein über Dinge, worüber wir zu verschieden denken, als dass unsere Meinungen sich je erreichen werden. Doch sollen Eure Worte ein solches verhältnis