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verweist mich an Dich, um über ihren Wert, ihre Tugenden Auskunft zu erhalten. Robert spricht mit Entzücken von ihr; er treibt den Bruder zur Tätigkeit, – wie? Legt dies nicht Alles ein gutes zeugnis für sie ab? –

Lasst das, bester Lord! sagte die Herzogin mit bebender stimme und bleicher Stirn, lasst das und sagt, ich beschwöre Euch, sagt, was Ihr glaubt, ob Richmond eine solche Neigung bekannte, oder ob Ihr sie wahrgenommen? –

Richmond ist zart, fast jungfräulich in seinen Aeusserungen, aber dennoch glaube ich, er liebt das fräulein, und Robert hat es mir bestätigt, und sein heissester Wunsch scheint diese Verbindung. Doch was ist's mit dieser jungen person? und Gott! weshalb erschüttert Dich dies so heftig, meine Tochter? –

Die Herzogin hatte sich bei den letzten Worten des Lords erhoben, sie wollte ihre Verzweiflung dem väterlichen Auge entziehen, aber es strömte ein solches Uebermaass von Schmerz und bangen Gedanken auf sie ein, dass sie nicht fähig war, Fassung zu behalten. Sie stützte sich betäubt auf die Lehne ihres Stuhles, unfähig, ein Wort auf die dringenden und besorgten Bitten des Vaters zu erwiedern. Mühsam wehrte sie endlich seinem Forschen mit der Bitte um Ruhe, und diese ihr als notwendig erkennend, eilte der Lord, Mistress Morton herbei zu rufen. Wir haben Lord Richmond, seit seiner letzten Anwesenheit in London, nur in öffentlichen Beziehungen wiedergefunden und kehren um so lieber zu ihm zurück, da uns durch die eben erwähnte Mitteilung des Grafen Bristol eine Andeutung über ihn zukömmt, die wir um so lieber verfolgen, da sie uns wieder mit unserer eigentlichen Schutzbefohlenen in Verbindung zu bringen scheint.

Als er eines Abends spät nach dem Palaste seines Bruders zurückkehrte, meldete man ihm, es harre auf ihn ein Fremder, der nur ihm selbst seinen Namen sagen wolle.

Richmond begab sich nach seinen Zimmern, und alsbald führte man den Fremden vor, der durch seinen würdigen Anstand, wie durch seine Kleidung sogleich den Geistlichen der herrschenden protestantischen Kirche verkündigte. Sein freundlich ernstes Gesicht und der ruhige Aufblick seiner Augen nahmen sogleich Lord Richmonds Teilnahme in Anspruch, und dieser führte ihn selbst in seine inneren Zimmer, ihn hier verbindlich zu seinen Mitteilungen einladend. –

Ich weiss nicht, Mylord, ob ich die Angelegenheit, die mich zu Euch führt, eine eigene oder eine fremde nennen soll; gewiss aber bin ich dazu berufen, mich derselben mit allen meinen Kräften anzunehmen. Mein Name ist Brixton und Euch vielleicht in Bezug auf eine junge Dame nicht unbekannt, deren sich Eure verehrungswürdige Familie auf das Gnädigste angenommen hat. –

Brixton, rief Richmond freudig überrascht, Ihr seid derselbe würdige schottische Geistliche, an den uns Lady Melville verwies, um näheren Aufschluss über ihre Verhältnisse zu erhalten? –

Derselbe, Mylord, entgegnete Brixton, der durch die unglücklichste Verflechtung von Umständen, durch eine lange Abwesenheit in Irland, an der grossen und heilig gelobten Pflicht verhindert ward, dem fräulein allen Beistand zu leisten, den ihre höchst unerwartete Lage nötig machte. Erst als ich wieder in Edinburg war, erhielt ich die Briefe, welche man mir nachzusenden bei der Unstätigkeit meiner Reise für unmöglich gehalten hatte, zugleich aber die erlaubnis meines ehrwürdigen Bischofs, mich nach GodwieCastle selbst zu begeben.

Hier stockte er und eine flüchtige Verlegenheit zeigte sich auf seinem gesicht. Sodann fuhr er mit Höflichkeit fort:

Ich habe die Ehre gehabt, die Frau Herzogin selbst zu sprechen, und von ihr die niederschlagende Nachricht erhalten, dass dies unglückliche verlassene fräulein einen Schritt getan hat, der sie nicht allein der Missdeutung aussetzt, sondern wahrscheinlich auch in die unglücklichsten Verhältnisse gestürzt hat, wenn nicht bald etwas zu ihrer Rettung geschieht.

Es gab eine Zeit, an die ich mit Schmerz als eine vorübergegangene denke, wo alle Macht und alles Ansehn der erlauchten Familie Nottingham sich vereinigt haben würde, um diese Rettung zu beschleunigen.

Ich mache der Frau Herzogin aus ihrer Weigerung keinen Vorwurf; ich konnte mich ihr nur mit halbem Vertrauen mitteilen, da ich durch frühere Versprechungen gehindert bin, mich über das ganze verhältnis der jungen Dame genügend auszusprechen; ich musste daher auf eine Teilnahme rechnen, die sich vielleicht für sie hier vorfand, auf ein Vertrauen, welches mir, dem Fremden, um dieses Kleides willen vielleicht geschenkt ward. Frauen sind zu einer grösseren Vorsicht bei Verschenkung ihres Vertrauens berechtigt; auch sind die eignen Familienangelegenheiten ganz geeignet, das grössere Interesse der Frau Herzogin in Anspruch zu nehmen. So habe ich allerdings sehr wenig Erläuterndes über den unglücklichen Schritt des Fräuleins erfahren können.

Ich musste mich darein finden und tat es um so eher, da mir eine Reise nach London jedenfalls den Schutz zu gewähren verhiess, dessen ich bedurfte. Die Sache hatte sich hier jedoch anders gestaltet. Unfähig, die Personen zu erreichen, die ich als hülfreich kannte, bin ich von einer mir verborgen bleibenden Partei in allem, was ich vorhabe, beobachtet und gehindert; ja, ich habe Ursache zu glauben, dass selbst meine persönliche Sicherheit gefährdet ist. –

Sir, rief hier Richmond, dessen anschwellendes Herz aufatmete, diesem mann, der wahrscheinlich in Godwie-Castle keine freundliche Aufnahme erfahren hatte, und der ihm doch so über Alles hinaus wichtig erschien, sein Wohlwollen bezeigen zu können, nehmt denn vor Allem den Schutz an, den dies Schloss und der Name Nottingham zu leihen vermögen; mein Bruder, der diesen Namen von seinem verehrungswürdigen Vater erbte, trägt