. Nehmt Euren Degen auf, Ihr wusstet besser, wo er in dem Palast des Königs hingehört. Herr Marquis, wir werden den Grafen von Bristol mit unserm Gefolge aus Euerm Palaste abholen lassen, und er mag sich dann desselben bis zu seinem eigenen schloss bedienen.
Der Prinz grüsste stolz und ging voran durch die
jetzt mit Hofleuten angefüllten Säle, gefolgt von den so mühsam bezähmten Parteien; er hielt, den Herzog grüssend, den Marquis mit einigen Worten zurück, bis jener mit seinem Gefolge über den Schlosshof sprengte. Noch sass die Herzogin von Nottingham, nachdem sie sich für die Nacht zurückgezogen hatte, träumend der allmälig sinkenden Glut ihres Kamins gegenüber und suchte der sorge zu wehren, die für den geliebten Vater, je länger, je mehr ihr Herz erfüllte.
Da öffnete sich die Tür hinter ihrem rücken; herein trat Lord Bristol und weckte die Sinnende mit leis aufgelegter Hand.
Es war eine ernste, tief empfundene Freude der beiden schwer Geprüften, und Lord Bristol fühlte erst recht den Umfang des Erlebten in der Mitteilung an seine Tochter.
Ich bin für immer von meinem königlichen Herrn geschieden, Arabella, so schloss er seine lange Erzählung, aber das Schwerste war mir, ihn von sich selbst geschieden zu sehen!
Und der Prinz? sagte die Herzogin, an die Zukunft denkend. –
Gott wird geben, dass seine ausgezeichneten Eigenschaften sich selbst zu ächter Tätigkeit überlassen bleiben, dann wird mein Vaterland zu beneiden sein. Ich selbst, Arabella, setzte er hinzu, ich werde in ihm nicht den Erben des Wohlwollens finden, welches Jakob zu meinem Freunde machte. Doch lass uns diesen trüben Gegenstand beendigen, ich habe Dir Freundlicheres vorzutragen. Anna Dorset bittet durch mich um Deinen Segen! Sie ward in derselben Stunde, als ich London verliess, die Gemahlin Deines Sohnes. Dass Du mir diese Ueberraschung zugedacht, tat mir wohl. Der Anblick eines glücklichen Familienkreises, worin wahrhaft menschliche Tugenden walten und ungestört sich entwickeln dürfen, ist der Balsam, der Not tut, wenn der grössere Schauplatz menschlicher Tätigkeit ein trübes Bild böslich sich durchkreuzender Leidenschaften darstellt.
Darum, erwiderte die Herzogin, ist tugendhafte Behauptung des Rechts und der Ordnung im Schoosse edler Familien so wichtig, weil aus ihnen die einzelnen Geister hervorgehn, die in das äussere Gewirre kleinlicher Interessen mutig eingreifen und ihrer Zeit den charakter aufnötigen, der das erdrückte Gute wieder belebt. Mit sicherer Hoffnung sehe ich auf die eben geschlossene Verbindung meines Sohnes; er wird den ehrwürdigen Namen, den er trägt, in der Ehe mit einem Wesen, wie Anna Dorset, würdig fortpflanzen und seinem vaterland ein Repräsentant alt-adeliger Ehre und Sitte sein. –
Ich habe die beste Meinung von meinem Enkel und freue mich seiner Nähe; denn Du darfst sie erwarten, sie sehnen sich nach Deinem Segen. Ollony wird sie begleiten, und einige Wochen später denkt die Gräfin Dorset mit Lord Ormond ihnen zu folgen. –
Und Richmond, fragte die Herzogin, darf ich ihn nicht erwarten? –
Richmond, erwiderte der Lord, scheint vorläufig ein anderes Interesse zu verfolgen, welches näher, als in einigen Andeutungen, zu erfahren, weniger Mangel an Vertrauen zu mir war, als es in unserer ungemein gedrängten Zeit lag. So viel ist gewiss, dass der edle Jüngling sich für gebunden hielt in allen eignen Wünschen und Handlungen, ehe erreicht war, was ich zu meiner Ruhe gewünscht. Ich habe dies erraten können und muss die edle Hingebung, die er mir bezeigt, um so mehr verehren, da jenes Andere kein unbedeutendes Interesse haben kann, indem er augenblicklich, nachdem ich mich befriedigt erklärt, sich ihm ausschliesslich hingab.
Er sendet Dir die ehrerbietigsten Grüsse und lässt Dir sagen, dass Lord Membrocke plötzlich bei hof erschienen sei, und von ihm und Lord Ormond zur Rechenschaft gezogen, ihnen die überzeugung gegeben habe, dass das fräulein von Melville nicht mehr in den Händen des Lords sei, dass der Lord selbst aber nichts von ihr zu sagen wisse und in Bezug auf die ganze Sache die Verstimmung über einen gescheiterten Plan zeige; dass er von unbekannter Hand eine Art von Notiz über ihr ferneres Schicksal erhalten, die er zu verfolgen denke, und nicht ruhen werde, bis er Dir über Deine Schutzbefohlene gute Nachricht bringen könne.
Mein Sohn, fuhr die Herzogin mit schneidendem Tone auf, hätte, denke ich, abwarten können, bis meine Befehle ihn zum Ritter dieser Dame kreirt hätten. Mit Erstaunen und Unwillen sehe ich ihn aus eignem Willen eine Angelegenheit wieder aufnehmen, die ich für beendigt erklärt habe. –
Meine Tochter, unterbrach sie der Lord mit einem sanften Lächeln, wir dürfen nie übersehen, dass eine Zeit für unsere Kinder eintritt, wo sie, von den Tugenden der älteren zur entwicklung getrieben, diese erreicht haben und sich als selbstständig erkennen. Die Zeit tritt dann am entscheidendsten hervor, wenn das Herz von der gewaltigsten Macht über die Menschen ergriffen wird, ich meine, wenn die Liebe zuerst ihren Einzug hält.
grosser Gott! rief die Herzogin mit der ihr eigenen Heftigkeit, ich will nicht hoffen, mein Vater, Ihr sprecht von einem vorliegenden Falle! Nein, Ihr habt nur im Allgemeinen bemerkt, nicht Richmond wähnt Ihr in diesem Falle, von ihm glaubt Ihr dies nicht! –
Und wenn ich eben ihn bezeichnet hätte, liebe Arabella, was erschreckt Dich daran so heftig? Unmöglich kann Richmond eine unedle Wahl treffen, Melville ist ein alter Name, er nennt sie Deine Schutzbefohlene, er