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wusste ich nicht; gab man Dir gestern Abend die Achselbänder, dass Du heute Morgen noch so laut krähst?

Sieh Kind, Du bist neu, darum habe ich Lust, Dir einen Rat zu geben: Ich bin der Herzog von Buckingham, für mich existirt nie ein Verbot der Art, als Du auswendig gelernt.

Ich kenne den Herzog von Buckingham, sprach Richmond kalt, und habe ihn nicht nötig zu erinnern, dass ich Degen und Sporen führe, also nicht Page bin. Aber beauftragt bin ich von Seiner Majestät, hier auch für den Herrn Herzog von Buckingham keinen andern Bescheid zu haben, als den vernommenen.

Ich will Euch der Verantwortlichkeit überheben, diese Torheit zu wiederholen, sagte Buckingham erbittert; ich befehle Euch zurück zu treten, ich verlange den Eingang zum König.

Der Herr Herzog sind zerstreut, erwiderte Richmond, hier ist nicht Buckinghams Palast, hier ist Whitehall, und diess sind die Gemächer des Königs, worin nur ein Wille gilt, den ich Euch genannt, und den ich zu vertreten habe.

Was ist das? schrie Buckingham jetzt auf, soll das Wahrheit sein? In diesen Räumen, vor dieser Tür, wagt ein Knabe mir den Weg zu verwehren?

Ich bitte Euch, Herr Herzog, rief Richmond schnell und warm, mässigt Eure Ausdrücke, dass sie ein Edelmann ertragen kann, der wehrlos gemacht ist durch den Dienst für den König. –

Und Ihr haltet es für möglich, im Dienst des Königs mir mit einem Worte entgegen sein zu dürfen. Ihr glaubt, Euer Wort, das Wort von ganz England, die Worte der Welt, die Worte des Königs und aller Könige der Erde würden Buckingham hier wegtreiben, wenn er einzutreten denkt? Noch einmal, verlasst diesen Platz und hindert keinen Augenblick länger mich in meinem Vorsatz, oder, bei Gott! Ihr werdet es bereuen in Eurer Unwissenheit, wie ich noch zu Eurer Entschuldigung es nehmen will, hier gewesen zu sein! –

Entschuldigt mich mit nichts, Mylord, entgegnete Richmond, als mit meinem Willen, hier auf diesem Platz zu bleiben; ich will von Euch nicht entschuldigt sein, denn ich bedarf es nicht!

Ha, Trotz! rief Buckingham, Du stösst die Nachsicht zurück, die ich habe, so fühle denn! Wütend rannte er gegen die Tür und schlug mit dem Griff seines Degens auf das Schloss. Aber eben so sicher und gewandt unterlief Richmond den Herzog, und hielt ihn ruhig und eisern mit steifem Arm von der Tür ab.

Zieh und verteidige Dich! schrie Buckingham, seinen Degen ziehend; aber Richmond löste sein Degengehänge und schleuderte es mit dem Degen in die Mitte des Zimmers.

Ich versprach, nicht zu ziehen, sagte er fest, jetzt steht es Euch frei, einen Mord zu begehen; aber dieser erst eröffnet Euch den Eingang. Er schlug seinen Mantel von einander und stand so mit unbeschützter Brust vor Buckingham, der von so viel Festigkeit einen Augenblick überrascht ward, aber dann, von dem Gedanken des Widerstandes wie wahnsinnig gemacht, gegen die Tür und Richmond rannte.

Buckingham war für einen Riesen an Kraft bekannt, und der Jüngling hatte seine volle Gewandteit nötig, den Herzog zu pariren und seinen Posten zu behaupten; doch im selben Augenblick öffneten sich von Innen die Flügel, und der Prinz von Wales zeigte sich in der offenen Tür.

Im Namen des Königs Frieden! rief er dem erbosten Herzog entgegen und winkte ihn zurück, der auf nichts sinnend, als die Tür zu erreichen, sich sogleich hineinwerfen wollte.

Der König, Herr Herzog. fuhr der Prinz gegen Buckingham fort, ist erstaunt, Euch noch in London anwesend zu hören; er hatte geglaubt, dass die gestrige Audienz keinen Zweifel über Eure schnelle Abreise zuliesse.

Seine Majestät, entgegnete Buckingham überrascht, wird den Wunsch nicht verkennen, ihn noch ein Mal zu sehen, und da seine Majestät schon so früh Audienz gaben, setzte er höhnisch hinzu, den Marquis und Bristol hinter dem Prinzen gewahrend, durfte ich nicht zweifeln, auch ich würde empfangen worden sein, hätte hier nicht ein Unberufener die Rolle eines Türwarts übernommen.

Des Prinzen Auge streifte an Richmond, der sich tief verneigte.

Dies hat mit dem Wunsche des Königs für Eure glückliche Abreise nichts gemein, sagte der Prinz, ich füge den meinigen hinzu und hoffe Euch unter glücklichern Umständen wieder zu sehen.

Buckingham erstarrte vor Wut. Er hatte die Anwesenheit des Prinzen nicht gewusst, er wagte nie, ihn so zu reizen, wie den König, da der Prinz seine Würde wohl kannte und sie, war er einmal entschlossen, vollkommen zu behaupten verstand. Auch legte der Marquis ihm Zwang auf, und nur sein lang genährter Uebermut konnte ihn noch an Widerstand und Bosheit denken lassen.

Ich weiss die Befehle dieses Mundes zu achten, hob er an, und bitte nur um die Gnade, mich in dem Schutze des Herrn Marquis wegbegeben zu dürfen, da ich in Wahrheit mir keine bessere Sicherheit in diesem von jungen Raufbolden bewachten Palast denken kann.

Dies soll Euch gewährt sein, sprach der Prinz sehr ernst. Herr Marquis, ich entlasse Euch! Mylord von Bristol lebt wohl! Ich denke, wir werden uns wiedersehn. Seid indessen sicher, dass ich die Worte meines königlichen Vaters nicht überhört habe, und Ihr, Lord Richmond, folgt Eurem Verwandten. Ich verkenne nicht, dass Ihr die ersten Zierden eines männlichen Karakters, Mut und Mässigung, in sehr jungen Jahren heute vereinigt habt