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was gesprochen ward, mit Klagen bekleidete, welche die grenzenlose Gewalt des Herzogs andeuteten, teils musste der Prinz fürchten, der Herzog erzwinge den Eingang, und vor dem Bette des Königs könnten sich Scenen ereignen, die er zu fürchten hatte.

Herr Graf von Bristol, sagte er daher plötzlich mit der stolzen Fassung, die ihm so wohl stand, bittet den König, Euch zu beurlauben.

Stumm kniete Bristol vor dem Bette nieder, und dieser Augenblick, der ihn für immer von seinem königlichen Freunde trennte, ward ihm erleichtert durch die überzeugung, dass, wie auch wenige Augenblicke vorher ihr ruhiges Beisammensein noch einige Symptome seines frühern edlen Geistes geweckt, doch der, für dessen Beifall er so gern gelebt und gewirkt, längst von Krankheit, Alter und fremder Anmassung unterdrückt war.

Ja, geh nur, sagte der König, ihm grämlich die Hand gebend, ich will es Dir verzeihn, dass Du mich so beunruhigst; aber Du hättest es wohl lassen können und abwarten, bis Karl König ist, der Deine Angelegenheiten dann besser ausfechten mag, als ich.

O, entlassen mich Euer Majestät nicht so! rief Bristol schmerzlich; ich kam nur, um einen blick der alten Gnade zu empfangen, um ein Mal mir sagen zu können: Ich blieb immer treu, unwandelbar.

Ja, ja, rief der König, das bestreite ich auch nicht; aber sieh, daran habe ich nie gezweifelt, und darum hättest Du nicht zu kommen brauchen, aber nun tue mir die Liebe und geh. lebe' wohl, lebe' wohl! Es ist Alles gut, Alles gut zwischen Dir und Deinem König.

Bristol gab jeden weiteren Versuch auf; stumm küsste er noch einmal die Hand, womit der König nun unablässig zum Weggehn winkte und, sich gegen die Wand wendend, jede Unterredung abschnitt. Vor den Zimmern des Königs hatte sich Lord Richmond ruhig vor die Tür gestellt, die sich nach dem letzten Zimmer vor dem Schlafgemach des Königs öffnete, mit dem festen Vorsatze, hier die Zusammenkunft seines Grossvaters mit dem Könige vor Störungen zu sichern. Doch, eingedenk der Warnungen des Marquis, hatte er den Degen unter dem Mantel, entschlossen, sich jeder Reizung gegenüber fest zu halten, und hoffend, sie werde ihm erspart bleiben.

Doch was konnte früh oder spät in dem Palaste von Whitehall geschehen und dem verborgen bleiben, der seine besoldeten Aufseher in jedem Winkel desselben hatte.

Richmond blieb, als er den Herzog von fern hörte, kein Zweifel, in welcher Absicht er komme. Schon im Vorzimmer hörte er das Bestreben, den diensttuenden Kämmerer zu ängstigen und die Miene sorgloser Unbefangenheit anzunehmen.

Nun, mein Kind, rief er dem alten mann entgegen, wie steht es da drinnen? Bist Du ungestört auf Deinem platz geblieben? Befand sich mein königlicher Herr ganz wohl diese Nacht?

Ohne die leise Antwort zu beachten, fuhr er fort: Ich hoffe den alten Herrn durch meinen frühen Besuch, den er nicht mehr erwartet, angenehm zu überraschen. Sieh, ich hatte Clervon mit seiner Harfe schon um sechs Uhr an meine Tür bestellt, um, so erweckt, in der rosigsten Laune von der Welt mein erstes Frühstück unter Jakobs Pantoffeln und ledernen Nachtwämsern zu verzehren. Na, so lache doch, bin ich denn nicht sehr spasshaft, Alter?

Sehr, sehr, Euer Gnaden! stotterte der alte Mann,

von Buckinghams Hand sich etwas erleichternd, die, wie eine eiserne, den alten Mann fast zu Boden drückte.

Nun, nun, lachte Buckingham, geh und lass Dir

einen Morgentrank geben; die Zunge klebt Dir am Gaumen. Oeffne mir die Tür, ich will Dich nicht aufhalten.

Dies war das, was der alte Mann nicht durfte, denn

der König hatte ihm sagen lassen, sie nicht früher zu öffnen, als bis er es ihm befehlen liesse.

Seine Majestätstammelte der alte Mann.

Es ist schon gut, schrie Buckingham mit steigender

Wut, denn er wusste nun, dass ihm der Eingang versagt war; schon gut, ich brauche Deinen Bericht nicht mehr, öffne mir die Tür, der König wird mir selbst das Weitere sagen.

Eben Seine Majestät haben jeden Eingang verbo

ten. –

Verboten? lachte Buckingham, ja, ganz recht; aber

was, denkst Du, dass mich das angeht? –

Seine Majestät haben keine Ausnahme befehlen

lassen. –

So will ich Dir über Deine Bedenklichkeiten weg

helfen; aber ich werde es Dir gedenken, dass Du mir gegenüber sie haben konntest; und fort schleuderte er den alten Mann und stiess mit den Füssen die Tür auf.

Voll Erstaunen gewahrte er hier die nächste Tür wieder bewacht, und das von seinem Widersacher vom vergangenen Tage. Dies überstieg seine Erwartung.

Wer zum Könige gekommen, wusste er nicht, nur, dass der Marquis mit im Spiele sei, ahnete er, ohne sein Interesse für Bristol möglich zu halten.

Bei Richmonds Anblick durchzuckten ihn zuerst unbestimmte Ahnungen, worüber er sich nähere Aufklärung zu verschaffen entschlossen war.

Ohne Richmonds Stellung zu bemerken, ging er auf die Tür zu, als könne ihm kein Widerstand begegnen.

Als er im Begriff war, die Hand an das Schloss zu legen, trat Richmond vor.

Herr Herzog, sprach er, sich verneigend, der König hat für Jedermann den Eingang untersagt.

Der Herzog trat zurück und betrachtete spöttisch den Grafen. Ach, sagte er, sich verneigend, ein neuer Page? Ja so, das