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aber lass nur hören, wie das Alles zuging, ich hatte ganz vergessen, danach zu fragen.

Der Prinz blieb nun, aber mit allen Zeichen finsteren Widerwillens und trotz der Bitten des Königs, sich nieder zu lassen, steif von Bristol und dem Marquis abgewendet.

Als ich dem Befehl Eurer Majestät gehorchend, sprach nun Bristol zum Könige gewandt, mich von London entfernte und mich auf die Güter meiner Familie zurückzog, geschah es nur mit dem festen Willen, von der Gerechtigkeit Euer Majestät die Widerrufung eines Befehls zu begehren, der den unangetasteten Namen eines Mannes beleidigte, den Euer Majestät bisher durch die schwierigsten und gefahrvollsten Aufträge zu ehren gewusst hatten. Aber es war unmöglich, diese unablässig wiederholten Bitten, die in Demut nur um gelegenheit zu meiner Verteidigung nachsuchten, bis zu Euer Majestät gelangen zu lassen; sie sind alle an dem bösen Willen gescheitert, mir diese meinen Feinden gefährliche Gunst zu versagen.

Mylord, sprach hier der Prinz heftig, es steht dem Angeklagten schlecht, anklagend aufzutreten und Misstrauen als Vorbereitung einer sehr zweifelhaften Rechtfertigung redender Tatsachen auszustreuen.

Angeklagt, betonte mit hoher stimme der Graf, angeklagt und ungehört, zurückgewiesen von dem Richterstuhle meines Vaterlandes, von dem Trone meines Königs! Angeklagt und vergeblich um Raum zur Rechtfertigung flehend. Ja, ich wiederhole es noch ein Mal, Graf Archimbald Glanford brachte in meinem Namen drei Mal dieselbe Bitte vor; meinen König hat sie nicht erreicht.

Nein, nein! rief Jakob, es ist so, Carl; ich habe nichts erfahren, zu meinem grossen Leidwesen! –

Da gab ich mich endlich dem grossmütigen Mitleiden des erhabenen Monarchen hin, der bald durch die heiligsten Bande dem Interesse Englands verwandt sein wird und jetzt schon mit wahrer Freundschaft ihm ergeben ist. Die Zerstörung der einst vorteilhaft genannten Pläne, die den mit niederriss, der sie in treuer Absicht eingeleitet, sie war der Anfang eines Glücks für Frankreich, worauf es zu viel Wert legt, als dass es nicht milde und teilnehmend für den fühlen sollte, der darunter gelitten.

Der Herr Marquis hat sich lange vergeblich bemüht, Gehör zu finden; die gestrige Audienz machte es ihm möglich, während er um die Gnade bat, den Grafen Richmond einzuführen, der für seinen Grossvater um Gerechtigkeit flehte, Euer Majestät ein Papier einzuhändigen, welches von den vergeblich gemachten Versuchen benachrichtigte und diese Audienz für den Herrn Marquis erbat.

Ja, ja, sagte der alte König, das ist Alles so. Ein wenig auffallend war der Schritt, den mein lieber Marquis tat; aber wahr ist es, und wir hatten nichts dagegen, auch ohne den Fussfall des jungen Lords, Deines Enkels, mein Bristol, hätten wir eingewilligt.

Aber diese Scene, sagte der Prinz, zum Marquis etwas bitter lächelnd, maskirte vortrefflich die Uebergabe Eurer Depesche.

Der Marquis lächelte, so unbefangen und höflich sich verneigend, als ob der Prinz ihm eine Galanterie gesagt hätte, und zeigte bloss mit der Hand auf den entgegengesetzten Eingang des Zimmers, welcher nach dem Vorzimmer des Königs führte. Der Marquis hatte allein den wachsenden Sturm eines Streites vernommen, welcher von daher immer heftiger sich hören liess, und den er nicht ungern bisher von den drei lebhaft angehört Sprechenden überhört sah. Doch jetzt schien die Sache auf dem Punkte, wo er nicht sehr wünschen konnte, die Unterredung verlängert zu sehen; denn das Interesse Frankreichs an dem Grafen durfte nicht über die leichte Teilnahme menschenfreundlichen Wohlwollens hinausgehend erscheinen, und ein heftiger Schlag gegen eine Tür des Vorzimmers unterbrach jetzt Alle zugleich.

Da haben wir es, schrie der König ganz ausser sich, das ist Buckingham! O mein Gott, ich armer, alter Mann, muss ich so gequält werden! Macht Euch gefasst, er wird wütend sein. Bristols Namen durfte ich nicht nennen, und nun ist er selbst hier. O, Bristol, wie kannst Du verantworten, mich in eine so unangenehme Lage zu stürzen!

Mit welchen Empfindungen auch bisher der Prinz und Bristol sich gegenüber standen, schnell vereinigte sie das Gefühl der Beschämung über das Betragen des alten Königs. Ja, der Prinz mochte, dem edlen und treuen Bristol gegenüber, vielleicht mit minderer Wärme an den Diener denken, dessen Einfluss auf seinen Vater er unmöglich billigen konnte, wenn er sah, zu welcher kindischen Furcht seine fernste Annäherung ihn verdammte.

Euer Majestät, sagte der Prinz rasch vortretend, wird mir gewiss den Befehl geben, den unanständigen Streit, den man wagt in die Zimmer meines königlichen Vaters zu verlegen, augenblicklich zu beendigen. Wenn Euer Majestät unterdessen den Grafen von Bristol beurlauben wollen, wird der Herr Marquis die Hintertür wohl wieder finden, die sich vorher seinen Wünschen auftat.

Ich danke Euer Königlichen Hoheit! erwiderte der Marquis schnell, dem Gesandten Frankreichs sollte hier jeder Weg offen stehen. Uebrigens muss ich bedauern, dass ein Zufall denjenigen gerade jetzt versperrt, den ich vorzog zu kommen. Die Tür jenes Kabinets ist verschlossen, wie ich eben untersucht habe. Doch wenn Seine Majestät den Grafen Bristol beurlauben, so darf ich wohl nicht zweifeln, dass er durch jenen Ausgang an meiner Seite Eurer Königlichen Hoheit ungehindert folgen darf.

Der Prinz drückte die Lippen ein, und es war sichtlich, dass er sich keineswegs dem Herzog gegenüber so sicher fühlte, wie der Marquis in seiner plötzlich stolzen Haltung ihm aufnötigen wollte.

Aber es war hier ein schneller Entschluss nötig. Denn teils brannte der Prinz vor Begierde, dem Marquis den Anblick des Königs zu entziehen, der Alles,