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; es ist bloss, dass auf seinem höheren Standpunkte ihn das Kleine nicht mehr stört und das Gefühl, die eigene Bahn sich brechen zu können, ihn zum verträglichen gefährten macht auf dem schon betretenen Wege.

Wir fühlen uns durch diese freie Ergiessung unserer Meinung unwillkürlich auf die person hingewiesen, welche zunächst unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, den zweiten Sohn der Herzogin von Nottingham, Lord Richmond Derbery, welcher einige Tage nach der still erfolgten Beisetzung des geliebten Vaters mit seinem Oheim, dem uns schon bekannten Grafen Archimbald Glandford, von einer Sendung König Jakobs an seinen unglücklichen Schwiegersohn, den Kurfürsten von der Pfalz, zurückgekehrt war und, von der Trauernachricht auf dem Rückwege getroffen, mit geflügelter Eile Godwie-Castle erreicht hatte. Wir vertiefen uns nicht noch ein Mal in die wehmütigen und erschütternden Scenen eines solchen Wiedersehens. über Personen, die mit eben so viel Hochachtung, als Liebe, an einander hingen, brachten solche Augenblicke den vollen Wert einer würdigen Selbstbeherrschung, welche auch den heftigen Empfindungen des Herzens eine edle Decenz auferlegt; der tiefe Ernst, der an die Stelle leidender Aufregung getreten, zeigte sie wenig anders, als man sie zu sehen gewohnt war.

Doch hatte die Ankunft beider Männer einen unverkennbaren Einfluss auf die wiederkehrende freiere Haltung des Ganzen. Es lag in ihrer geräuschlosen Gegenwart dennoch etwas so Anziehendes und zugleich Anregendes, dass fast Jeder auf seinem platz etwas zu leisten strebte, wie wenig auch eine Anforderung darauf hinwies. Wenn die Unbedeutenden sich dadurch angenehm erhöht fühlten und die Besseren in der schönen Freude ehrender Anerkennung lebten, gab es doch auch Andere, welche sich von einer Beherrschung gedrückt fühlten, die, wenn auch achsichtslos entstand und nie gefordert oder begünstigt schien, der stillen herrschaft zugeschrieben werden musste, die ausgezeichnete Geister unwillkürlich durch sich selbst herbeiführen. Zu diesen Letzteren, sich gedrückt Fühlenden, müssen wir, obwohl mit einiger Schüchternheit, den grössten Staatsmann jener Zeit, den Grafen Salisbury, rechnen. Wir haben erzählt, dass er seinen Neffen, den Grafen Archimbald, bei seiner Rückkehr aus Frankreich zu bilden strebte und, die grossen Eigenschaften desselben erkennend, wohl damals den Plan fasste, ihn zu seinem Gehülfen und späterhin vielleicht zu seinem Nachfolger zu erheben. Doch während dieser entwicklung geschah etwas, das ausser dem Plane und der Erwartung des Grafen lag. Er hatte seinen Neffen, den er durch Verwandtschaft und Unterricht fest an sich geknüpft wusste, eine Zeit lang in anscheinend unbedeutenden Aufträgen an die verschiedenen Höfe, an denen sich schon englische Gesandtschaften befanden, gesendet, oft damit Zwekke erreichend, die auf direktem Wege Widerstand gefunden hätten, und die ihm die Fäden in in die hände spielten, an denen er König Jakob und die übrigen Minister geschickt zu lenken wusste. Graf Archimbald hatte durch diese verschiedenen Stellungen fast den Ueberblick über alle wichtigern Angelegenheiten des damals in religiöser und politischer Beziehung so bewegten Europas gewonnen. Seine ungemein wissenschaftliche Bildung, und vor Allem der natürliche leichte und scharfe blick seines umfassenden Geistes hatte ihn zu Ansichten geführt, die ihn über das System erheben mussten, nach welchem die kurzsichtige Politik König Jakobs mit weibischer Schwäche sich von all' den hochherzigen Bewegungen ausschloss, die von so viel Seiten her ihn zur Teilnahme aufforderten. Er verwarf sie, um den Frieden zu erhalten, der während seiner ganzen Regierung das durch Elisabet so hoch gestiegene Ansehen Englands wieder herabsinken liess. Dass dieser Vorwurf, den bald Europa dem Könige von England machen musste, auch seine Minister und namentlich den Grafen Salisbury traf, an dessen Namen eine Berühmteit hing, die er nach dem tod Elisabets nicht mehr behaupten zu können schien, fühlte Graf Archimbald mit tiefem Schmerze, und von dem Tadel gegen seinen König, mehr noch gegen seinen Oheim erhitzt, wagte er es, demselben Ansichten vorzulegen, die nur zu deutlich zeigten, dass die Meinungen des Neffen mündig geworden.

Der Graf konnte sich bei diesen gewagten Mitteilungen, trotz seines inneren grenzenlosen Unwillens, nicht verläugnen, dass hier in dem Kreise, den er völlig zu übersehen glaubte und mit der schmeichelhaften Hoffnung beherrschte, dass der ganze Continent ihn in dieser vollkommenen herrschaft anerkenne, sich Ansichten entwickelt hatten, die ihm nicht allein entgangen waren, sondern auf das, was er indessen getan, ein tadelndes Licht werfen mussten. Je weniger der helle Geist des erfahrnen Staatsmannes sich dies verläugnen konnte, um so unheilbarer war die Wunde, die sein stolzes Herz dadurch empfing, und die person, die zuerst diesen tödtenden Pfeil nach ihm zu senden wagte, würde stets das Opfer dieser erregten Empfindung geworden sein, wie den Liebling nichts schützen konnte, eine misstrauische Kälte erregt zu haben. Die Grenze des Vertrauens war von da an gesteckt; die nie geträumte Befürchtung, von seinem Neffen übersehen zu werden, erbaute, obwohl kaum eingestanden, eine ewig trennende Mauer. Mit leicht erregtem Missbehagen sah er den Beifall, den er selbst früher auf ihn herbeigerufen hatte, und sein ewig gepeinigter Stolz liess sein Wesen mit allen Autoritäten des Ministers und Oheims gegen ihn sich bekleiden. Schnell hatte Archimbald sein grosses versehen erkannt, und die Dankbarkeit und Hochachtung, die der Beleidigte ihm einflösste, gab ihm all' die rücksichtsvolle Ergebenheit, die überall hätte versöhnend sein müssen, nur nicht gegen ein durch Hochmut und Schmeichelei erkaltetes Herz, dessen eitles Selbstvertrauen verletzt ward. Auch blieb hierüber bald dem Grafen kein Zweifel übrig, und ihm selbst war ein zu hoher Grad des Stolzes beigemessen, und ein nicht zu unterdrückendes und begründetes Selbstvertrauen, als dass er sich länger