dieser endlich gefasster, Du hast Deinen König nicht zu fürchten; denn ich glaube es dem guten Marquis, dass Du mich nicht hast verraten wollen.
Da sei Gott vor! sprach Bristol und hob sein Haupt frei in die Höhe, dass ein Tropfen Blutes in diesen Adern flösse, der gegen meinen gnädigen Herrn sich auflehnte; Bristol hätte ihn selbst mit der Spitze seines Degens hervorgelockt. –
Ich dachte es wohl, mein alter Freund! Aber Du weisst wohl, die Jugend will immer klüger sein, und ich muss Dir im Vertrauen sagen, alles, was Du mit der Infantin damals abgeredet, war mir doch lieber, als was mein lieber Steeny jetzt mit der Französin vor hat. Indess sehe ich ein, dass, da es die Infantin nicht sein konnte, uns nur diese königliche Prinzessin noch übrig blieb, und immer bleibt gegen Steeny's Eifer nichts zu sagen, wenn er auch darin zu weit gegangen ist, Dein Verdienst schmälern zu wollen. Doch bitte ich Dich um meinetwillen, halte Ruhe und gieb nicht zu, dass aufs Neue Streit entsteht. Sieh, Bristol, ein Anderer wird bald an meiner Statt sein, und ihm werde ich Dich empfehlen, aber meine Stunden sind gezählt, und gern möchte ich sie ungestört haben. –
Und nimmer sollen durch mich diese kostbaren Stunden, die Gott verlängern mag, gestört werden, erwiderte Bristol, tief gerührt von dem völlig wieder erlangten Vertrauen des teuern Königs. Ich habe nur einen Wunsch gekannt, er war, mit meinem Könige versöhnt zu sein und noch einmal voll Vertrauen die Hand küssen zu dürfen, die huldvoll über mein ganzes Leben reichte.
Du hast Recht gehabt, dies zu wünschen, und Du hast dadurch Deinem alten Freunde wohlgetan. Sie sagen, mein böses Fieber sei jetzt zu Anfang des Frühjahrs heilsam; aber dies gilt nur für die Jugend, ich weiss es besser. Gestern, das war meine letzte Audienz! Bald hoffe ich, setzte er mit Andacht und Ruhe hinzu, vor dem Audienz zu haben, welcher der König der Könige ist. Im Ganzen, Bristol, fürchte ich ihn nicht. Denn ob ich getan, was möglich war auf meinem platz, das kann nur der wissen, der allein meine Kräfte richtig zu schätzen weiss; aber selten habe ich unterlassen, was ich als Recht erkannte, und wenn Du mir verzeihen willst, alter Freund, dann denke ich, wird mich ein mildes Gericht erwarten. –
Bristols lange unbenetzte Augen flossen hier über; schluchzend drückte er sein Gesicht in die fieberheisse Hand des Königs und stöhnte schmerzlich: O mein König, mein teurer Herr, muss ich noch lange nach meinem teuern Könige leben, so wird jeder Hauch Dank und Liebe für ihn sein; aber vielleicht vereinigt mich Gottes Hand bald wieder mit dem, dem ich hier ausschliesslich meine Kräfte weihte.
Ja, sieh, mein Freund, fuhr der König fort, und immer freier und ruhiger ward sein Ausdruck, wenn wir reif sind, hier aufzuhören, das sagt freilich kein Mensch dem andern voraus, aber es gibt etwas in unserm inneren, welches zum Wegweiser dient nach jener Welt; das Leben löst sich von uns selbst ab, es schrumpft zusammen, wir sehen es in allen seinen Teilen verkleinert, wie aus weiter Ferne! Dann, glaube mir, ist es Zeit, da oben wird es weiter und grösser, und der Trieb, der uns Zeitlebens beherrscht, dahin zu wollen, wo wir uns freier bewegen können, der führt uns zuletzt ohne Scheu über die Grenze hinüber. Sie ziehen noch an mir herum, und Jeder will etwas anders, und ich will nichts als Ruhe, um sterben zu können; da denke ich, es wird nicht mehr viel schaden, was ich zugebe, und der da oben macht es wieder gut, wenn es meinem armen land Schaden bringen sollte. Ich empfehle Dir meinen Kronprinzen. Du weisst am besten, was für Prinzipia wir befolgt haben, es könnte ihm Not tun. bleibe ihm zur Seite, das heisst, wenn Du mit Buckingham versöhnt sein wirst, wozu ich Dir Glück wünschen will; aber ich sage Dir, was er sich einmal in den Kopf gesetzt, das hält er fest, ich könnte Dir viel davon erzählen, ohne ihn deshalb verkleinern zu wollen.
Jetzt stutzte der König und hielt inne, denn ziemlich vernehmlich ward im Nebenzimmer gesprochen; man unterschied die kalte und etwas abstossende Sprache des Prinzen, und die helle und lebendige stimme des Marquis.
Der König ward etwas rot, während er horchte, dann schien er sich zu beruhigen. Leise und heimlich ein wenig lächelnd, sagte er: Steeny ist nicht dabei, der wäre schon hereingebrochen; Karl ist aber ein guter Sohn, er wird seinen alten Vater nicht betrüben wollen. Doch höre, Lieber, Du tust mir zu Gefallen ein bischen blöde und stellst Dich hinter den Bettvorhang, nun höre, tue es!
Bristol litt empfindlich bei dem Gedanken, sich verbergen zu sollen; er stand mit gebeugtem haupt, und ehe noch die Bitte des Königs den alten Stolz überwinden konnte, öffnete der Marquis dem Prinzen die Tür, und beide traten ein.
Der Prinz hielt sich abgewendet von Bristol, als sähe er ihn nicht, und ging auf das Bett seines Vaters zu, ohne dass Bristol sich von seinem platz geregt hätte.
Der König streckte ihm mit unruhiger Zärtlichkeit die hände entgegen, die der Prinz in kindlicher Ehrfurcht küsste.