so wäre, Euer Majestät, wenn es dem alten Lord am Leben nagte, dass sein königlicher Freund ihn nicht mehr vor sein Antlitz lässt, dass er nicht noch einmal das Wort des Vertrauens und der Güte hören soll, was von seiner Jugend her ihn ermuntert hat zum Leben und Wirken für seinen königlichen Herrn; wenn der Gram darum sein Haupt bleicher gefärbt, als seine Jahre, und die Ruhe der Nächte sich in dem Wunsche verzehrt, noch ein Mal die Hand seines Herrn zu küssen, wie dann, Euer Majestät?
O, ich bitte Euch, lieber Herr Marquis, haltet mich doch nicht für so hart und böse, gern würde ich ihn wiedersehen, besonders wenn er, wie Ihr im Namen meines königlichen Bruders von Frankreich mir versichert, wenn er unschuldig ist; aber Ihr seht selbst ein, dass das gar nicht möglich ist, denn wenn es Buckingham hörte, – und ihm bleibt nichts verborgen, – wenn er hörte, Bristol wäre hier gewesen, Ihr könnt denken, was dann nicht allein ich und mein Prinz leiden würden, sondern auch Bristol. Er schlüge ihn tot, wo er ihn fände, und seine Einwilligung zu diesem Wiedersehn gäbe er nie, da ich ihn nun einmal habe verbannen müssen. Denkt, dass Ihr selbst nur durch eine List bei mir seid, die mich zwar gestern in der Audienz sehr erschreckte, die ich aber Euch gern verzeihe, um Euers Eifers willen für meinen alten Freund Bristol.
Der Marquis fühlte sich von dem Anblick dieses kranken, schwachen Mannes bewegter, als er geahnt. Sein gutes Herz und sein sanfter Sinn war so eingeschüchtert, dass er keinen Begriff mehr von seiner ihm zustehenden Gewalt hatte und, ganz zum kind geworden, die Zuchtrute des übermütigen Günstlings mehr, als jede andere Regung, fürchtete.
Und dies, sagte er endlich, sich zusammen nehmend, soll mein Bescheid sein? Der Bescheid, auf den Bristol mit banger sorge harrt! –
Ich verspreche Euch, lieber Marquis, ich werde Alles ausserdem in überlegung nehmen, und meinem alten Bristol sagt nur, – denn Ihr, schlauer Herr, steht doch mit ihm in Verbindung, – ich lasse ihm sagen, er solle sich nicht grämen; denn wenn er unschuldig ist, wie ich gern glaube, so habe ich ihn eben so lieb, wie vorher. Auch soll er nur sich Zeit lassen, wir versöhnen uns schon noch einmal! Freilich, setzte der alte König nachdenklich hinzu, von seiner verfallenen Gestalt, gutmütig lächelnd, zum Marquis aufblickend, freilich, viel Zeit haben wir dazu meinerseits nicht mehr!
O, rief der Marquis, überwältigt von Rührung, so benutzen Euer Majestät diesen freien, sichern Augenblick! Ja, ich stehe mit ihm in Verbindung, unter dem Schutze Frankreichs, den ich für ihn in Anspruch nehme, führte ich ihn hierher, im Nebenzimmer harrt er. O sprecht ein Wort, und er liegt zu Euern Füssen! –
Um Gott, was ist das! hülfe, hülfe! Verrat ich bin verloren, man gebraucht Gewalt! Steeny! Steeny! Baby! zu hülfe, zu hülfe! So schrie der alte König, indem er die Decken seines Bettes in seiner trostlosen Geistesverwirrung sich vorhielt!
Der Marquis hatte Ueberwindung nötig, diesen fast widrigen Zustand gelassen anzusehen: er fasste sich aber, entschlossen, sein Werk zu vollenden.
Ich muss Euer Majestät erinnern, hob er mit feierlicher stimme an, dass hier vor Euch der Gesandte Frankreichs steht, beauftragt von Dero königlichem Bruder, Euer Majestät eine Bitte in Bezug auf den Grafen von Bristol vorzutragen. Es sind weder Mörder, noch Verräter, die zu Euer Majestät reden; mein Auftrag ist ein Werk des Friedens.
Nun, nun, sagte der König, zu sich kommend und etwas beschämt, ich verstehe wohl, und ist mir einen Gesandten zu empfangen, nichts Fremdes. Er schob sich unruhig in seinem Bette umher, und seine Augen irrten immer nach der Tür hin, durch die der Gesandte eingetreten. Endlich sah er ihn lächelnd an und winkte ihm näher. Leise sagte er dann: Ist er wirklich da?
Der Marquis bejahte es.
Nun hört, sagte er, freudig mit den Augen blinzelnd, dann lasst ihn ein Augenblickchen herein, ehe es Jemand sieht, und haltet Wache, hört Ihr!
Der Marquis flog in das Nebenzimmer. Der grosse Augenblick war gekommen, wonach Bristols Herz so innig sich gesehnt, es sollte geschehen. Der Marquis eilte auf ihn zu, und den Mantel selbst von seinen Schultern ziehend, rief er: Glück auf, er ist versöhnt! Doch, setzte er wehmütig hinzu, fasst Euch, und vor allen Dingen begnügt Euch mit seiner wieder aufgelebten Liebe, verteidigt Euch nicht! Er versteht Euch nicht, und Ihr verliert die Zeit!
Wehmütig drückte Bristol die Hand des Marquis und trat schnell in das bekannte Zimmer seines Königs.
Ein ununterbrochenes Weinen, mit Worten vermischt, drang aus dem Bette des Königs ihm entgegen. Aber Bristol kniete vor seinem kaum noch kenntlichen Könige, dessen physisches und geistiges Hinscheiden ihm schmerzlich beim ersten Anblicke einleuchtete, mit derselben Verehrung nieder, wie einst vor den Stufen des Trones, als er diesen noch in seiner höchsten Kraft besessen.
Der König neigte sich über ihn und legte seine hände zärtlich auf sein Haupt. Bristol wagte nicht zu sprechen, er ehrte, selbst allzu sehr erweicht, die Bewegung des verehrten Monarchen.
Sprich nur, Digby, sagte