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. Mein gnädigster Herr, der Prinz, würde es aber niemals vergeben, wenn durch ein unerwartetes Eindringen des lebhaften Herrn Herzogs eine neue Erschütterung des Königs erfolgen sollte, da mein gnädigster Herr die des gestrigen Tages schon mit grosser Bekümmerniss sah und den Herrn Herzog bis zu seiner Abreise entfernt zu halten wünscht. Sollten der Herr Marquis dazu Jemand ersehen, würde ihn die Vollmacht des Königs berechtigen, im ersten Vorzimmer einem Jeden den Eingang zu verweigern.

Machet mich zum Riegel an der Tür, Herr Marquis, sprach jetzt der Jüngere der Begleiter, und er wird halten, bis Ihr selbst ihn wegschiebt.

Junger Mann, lachte der liebenswürdige Marquis, dass Ihr, von Stahl und Eisen, leicht Funken sprüht erlebte ich schon gestern, aber mir wäre in Wahrheit um ein so edles Metall leid, es dem Zerbrechen auszusetzen. Ihr fordert einen gefährlichen Posten.

Ich suche die Gefahr nicht und habe Euch gestern wenig kaltes Blut gezeigt, ich weiss es, ohne es zu bereuen, erwiderte Jener; aber es gilt heute ein höheres Interesse, als mich gestern beherrschen konnte, leichtsinnigem Uebermute gegenüber. Ihr sollt, im Falle es gilt, auch mein kaltes Blut kennen lernen.

Vertraut ihm, sagte der Aeltere, ich weiss, er wird können, was er verspricht. –

Wohlan, so zeigt uns den Weg, denn die Hintertreppen in Whitehall hat meine französische Verschlagenheit noch nicht erspäht. Aber um Gott! lieber Marquis! rief der alte König aus seinem Bette dem eintretenden Gesandten entgegen, ich fürchtete mich gestern nicht vor Euch, aber sehr sonderbar war es doch, dass Ihr meine Hand so öffentlich ergriffet, und zwar, wie mich dünkt, sehr gegen die Dehors, die man einem königlichen haupt schuldig ist, obwol ich sehr geneigt bin, Euch als Repräsentanten meines nächsten Verwandten, meines Bruders von Frankreich, anzusehen.

Und dieser tut hiermit für seinen ungestümen Gesandten Abbitte, sprach der Marquis; denn mein königlicher Herr war es, der mir diesen Schritt befahl, und auf dieser Unterredung habe ich bestanden in seinem Namen. Geruhen Euer Majestät, aus meinen Händen dies Privatschreiben meines gnädigen Herrn zu empfangen.

Er kniete nieder, es ihm zu übergeben. –

Ich bitte Euch, mein lieber Marquis, steht auf, ich bitte Euch; ich erlaube Euch zu sitzen und bin sehr erfreut über die Freundschaft meines königlichen Bruders, aber nicht sehr über dessen Mitteilungen hinsichtlich des armen Jungen, des Buckingham, gegen den Alle böse sind, ausser mein Kronprinz und ich. Euer Zettelchen hätte mich fast böse gemacht auf Euch, und ich denke, Ihr wollt ihn selbst hören, er wird sich sehr zu rechtfertigen wissen. Denn dass er den Bristol nicht leiden kann, ist bloss Liebe zu mir, weil Bristol mich betrogen, mir den Krieg gebracht, mit dem Feinde konspirirt und die beste Partie in Europa für meinen Prinzen hintertrieben, was gottlos und schändlich ist, da mir Bristol lieb war, wie mein Auge im kopf, und mein ältester Freund.

Der König geriet hier in ein kurzes Schluchzen, dessen erste Laute der Marquis abwartete und dann schnell in die Klagen des Königs eingriff:

Euer königlichen Majestät zu beweisen, dass der Herr Herzog von Buckingham die Sache falsch angesehen hat und sehr geneigt war, diesen alten Freund Euer Majestät nicht neben sich in dem Herzen zu dulden, davon hat mein königlicher Herr unumstössliche Beweise erhalten. Es war ihm daher unmöglich, zuzugeben, dass Euer Majestät gekränkt würden durch den Verdacht gegen einen alten treuen Diener, den der Herr Herzog vielleicht aus eifersüchtiger Liebe zu Euer Majestät zu verstärken trachtete.

Ja, ja, da habt Ihr Recht, sagte der alte König, nachdenkend; Steeny, wie ich den Buckingham wohl nenne, liebt mich zu sehr, er könnte wohl ein bischen eifersüchtig sein.

Aber, verstärkte der Marquis die wirkung, wenn diese Schwäche auch um des erhabenen Gegenstandes willen verzeihlich scheint, was muss der treue Diener leiden, der von Jugend auf Euer Majestät mit Leib und Leben gedient, wenn er das Opfer dieser Eifersucht würde? Und so ist es mit Euerm Bristol, gnädigster Herr! Er verschmachtet, getrennt von Euch, ohne den Trost Eurer Gnade, die das Sonnenlicht seines ganzen Lebens war.

O, Herr Gesandter, rief der alte König, und sein Gesicht zuckte vor Rührung, Ihr sprecht sehr gut, aber Ihr seid sehr eingenommen für den Lord. Mein Lebelang habe ich Gerechtigkeit geübt, auch war es zum ersten Male, dass Bristol gegen mich gefehlt. Ich werde Buckingham bitten, mir die Wahrheit zu sagen, und verhält es sich so, ist mein lieber alter Bristol mir treu gewesen, dann soll er seinen alten König wieder finden. Und hört, Herr Marquis, wir könnten uns viel erzählen aus der alten Zeit, gute und schlechte Tage haben wir erlebt; hatte ich nichts, da stand Bristols Kasse offen, nachher konnte ich nicht Alles lohnen; seht, es hat mir immer geahnet, es möchte so ein bischen von Buckingham herrühren, dass mein alter Bristol plötzlich ein Verräter sein sollte. Aber lässt er sich wohl bedeuten? Gleich wird er wütend, tobt und tollt, wie ein Kind, und der alte Bristol glaubt es doch nicht, dass ich ihm zürne. Mit dem Grämen, Herr Marquis, da ist es nur nichts, das bildet Ihr Euch ein, weil Ihr nicht wisst, was wir für alte Freunde sind. –

Und wenn es nun doch