dessen Wänden zwar noch die in Eichenholz gearbeiteten Bücher-Nischen sich zeigten, aber leer von den Schätzen, welche Elisabet mit so grossem Nutzen darin gesammelt.
Hier behielten die Wanderer Zeit zu ihren Betrachtungen, denn ihr Führer verliess sie, und sie folgten ihm nicht. Der ältere der Anwesenden näherte sich dem hohen, schmalen Fenster, welches nur matt durch seine kleinen Scheiben den trüben Tag einliess, und an dessen tiefer Nische der hohe eichene Sessel stand, an dessen Seitenlehnen durch einen ziemlich rohen Mechanismus ein Pult eingeschraubt war, das man von sich schieben und nach sich ziehen konnte. Lange blieb er schweigend davor stehen.
Wie viel grosse und weise Bestimmungen sind von diesem rohen Gestelle für mein teures Vaterland ausgegangen, sprach er dann, zu seinen Begleitern gewendet. Wer könnte sich der Wohltaten bewusst sein, die ihr grosser, ihrer Zeit vorangeeilter Geist über England ausgeschüttet, und noch der Schwächen gedenken wollen, die ihre Zeit leichter auffasste, als ihre Grösse, da jene ihr gemeinsames teil waren, und zu dieser sie erst heranreifen musste, um sie zu verstehen. Nur Eins, nur Eins aus Deinem Leben weg, und Du wärest rein, ein Gipfel aller Herrschergrösse!
Aber er hat Dir auch dies vergeben; er konnte nicht Dein Nachfolger sein, nicht überall die Spuren Deiner Grösse auf seinem Wege finden, ohne nicht deshalb Dir zu vergeben. Bald, fuhr er fort, aus seinem Selbstgespräche erwachend, bald werdet Ihr Euch wiederfinden und rein verständigen, wenn Wiederfinden nicht zu den frommen Träumen gehört, die den Reiz der Erde zu Gunsten des himmels entkräften sollen. Wie scheint mir jede Hoffnung längerer Erhaltung des königlichen Lebens zu schwinden, wie treulos war es, ihn der Qual des gestrigen Tages auszusetzen. –
Ja wohl, Mylord, erwiderte hier der Zweite sehr lebhaft; und wie viel Uebermut, wie viel Gewalt-Bewusstsein gehörte dazu, dies durchzusetzen; wenn wir den Herzog tadeln, der ewig uns zu tadeln gibt, erleben wir nichts Neues. Doch nicht zu übersehen bleibt, dass dem König ein Sohn, wie es scheint, vergeblich an der Seite lebt. Warum, muss man sich mit Erstaunen fragen, warum geschieht, was ein Wort aus seinem mund unbezweifelt hindern konnte. Sollte der Herzog auch diesen Mund nicht mehr zu fürchten haben? Dann, Mylord, liegt freilich ein unabsehbar weites Feld trübseliger Befürchtungen vor England und allen denen, die durch Verwandtschaft bald nur ein Interesse mit ihm haben sollen. Was meint Ihr, Mylord, was ein Gesandter Frankreichs nach dem gestrigen Tage zu berichten habe?
Gewiss wird er den Verlauf des heutigen Morgens abwarten, ehe er die Depesche siegelt, erwiderte der Aeltere lächelnd; denn schwerlich möchte der gestrige Tag ihm Notizen zu etwas Neuem, seinem hof Unbekanntem, geliefert haben. Auf alle Fälle würde ich aber als französischer Gesandter der königlichen Prinzessin von Frankreich den Rat geben, nichts Anderes an dem hof ihres Gemahls sein zu wollen, als eine gute Hausfrau, ja, ich glaube sogar, es war dies der Rat, den der spanische Gesandte in London der damals verlobten Infantin gab, und das auf Anraten eines in Spanien anwesenden Engländers.
Nun in Wahrheit, lachte der Andere, es wäre dem französischen Gesandten zu raten, dass er nie einen andern Rat befolgen möchte, als den des braven Engländers, der sicher sein Terrain kannte. –
Wenn der Erfolg entscheiden soll, so hätte er es schlecht gekannt, und ihm wäre wenig zu trauen. –
Und dennoch wage ich es mit ihm, rief der Andere mit Wärme, näher tretend; sein Stern steht noch über England, und sein Wohl ist an ihn geknüpft; nur war es des himmels Wille, dass er nicht Spanien, sondern Frankreich leuchten sollte.
Eine kaum merkliche Verbeugung ward durch den schnellen Eintritt eines alten Mannes unterbrochen, dessen kleine, feine Gestalt und saubere Kleidung den wohlbekannten Master Porter, den Kämmerer des Prinzen von Wales, anzeigte.
Während der Aeltere sich zurückzog, trat der Zweite schnell ihm entgegen. Master Porter, rief er, ich hoffe, Ihr bringt uns gute Nachrichten.
Dies zu beurteilen, würde über mein verhältnis hinausgehn, erwiderte Porter, sich tief nach allen Richtungen verneigend; ich kann bloss sagen, dass Seine Majestät entschlossen sind, im Bette den Herrn Gesandten zu sprechen, und dass die Herren, die ihn begleiten, sehr leicht in einem Vorzimmer Zutritt erhalten können, wenn der Herr Gesandte sie für sein Gefolge erklärt.
Schon gut, Alter, schon gut! Wir wollen diese Erklärung abgeben, lachte der heitere Marquis; aber was meinst Du, werden wir sicher sein?
Der Alte griff schnellend mit der Hand in die Luft und lächelte ein wenig. Ich glaube, der Herr Herzog zürnen etwas mit Seiner königlichen Hoheit, dem Prinzen, und erwarten seinen Besuch wegen der Vorfälle bei der Audienz, die mein gnädigster Herr zu missbilligen geruht haben. Ich habe in einer halben Stunde die Ehre, den gnädigsten Prinzen zu Seiner Majestät zu begleiten; vielleicht befehlen mir der Herr Marquis, den Prinzen auf die Gegenwart Euer Gnaden vorzubereiten.
So ist denn Alles, wie wir es nur wünschen konnten; lasset uns eilen, teure Lords, rief der Marquis, sich zum Weggehen anschickend.
Bitte untertänigst zu bemerken, sprach Porter mit etwas zähem Tone dazwischen, dass wenig auf die Launen des Herrn Herzogs zu rechnen ist, dass wir zur Bewachung der Vorzimmer Niemand stellen durften, um nicht unnützes aufsehen zu machen