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Er war von Dir! –

Nein, nein, er war nicht von mir! schrie Buckingham. –

Eine Deiner unverschämten Chiffern. –

Und welche? rief Buckingham gespannt. –

Sieh und gehorche! Darunter von fremder Hand, dass ich die Lady zur selben Stunde an Patrick übergeben solle, mit dem Befehl, den Begleitern, die Du am andern Morgen senden würdest, sie auszuliefern; ich aber solle schnell in demselben Augenblick aufbrechen, und mich nach Rodwic-House begeben, wo ich Dich selbst in dringender Angelegenheit finden würde. –

Und Du warst wahnsinnig genug, dies zu tun? schrie Buckingham ausser sich; war es doch meine Handschrift nicht, wie konntest Du Dich so betrügen lassen?

Und wann hättest Du Dich je herabgelassen, Deine Befehle selbst zu schreiben? erwiderte Membrocke finster. Wie oft habe ich solche törichte Botschaften erhalten, wie oft hast Du wiederholt, dass diese Botschaften mit einer der bekannten Chiffern Deiner Unterschrift gleich geltend wären? Hast Du in Torheit und Leichtsinn sie verraten, so trage nun die Strafe dafür, denn gewiss ist es, mehrere, wo nicht gar alle sind verraten. Mich wenigstens haben drei umhergeneckt, aus einer Gegend des Königreichs in die andere, nach langem Harren wieder weiter, bis ich endlich selbst der Sache müde ward und, ohne mich an etwas anderes zu kehren, hierher kam.

Fort, zu Patrick! schrie Buckingham, mit beiden Beinen aufspringend; lass Surveillant rufen, augenblicklich muss er fort, und Patrick soll her, lebend oder sterbend, gleich viel; alle Chiffern sollen ins Feuer! Ueberall sollen sie eingetauscht werden, wir müssen neue erfinden. Wer, wer hat dies getan, wer hat dies wichtige geheimnis erraten können, das nur wir beide wissen?

Wer sagt Dir, erwiderte Membrocke, dass die Nottinghams Dir nicht auf der Spur sind? Glaubst Du, sie verkennen die Wichtigkeit der person, wenn sie Ahnung oder Gewissheit haben?

Ich glaube es nicht, sagte Buckingham abweisend, dies ist eine Weise, zu der sie kein Geschick haben und daher die hohe Miene der Gradheit annehmen, wohinter jeder Dummkopf seine Beschränkteit verstecken kann. Sie hätten in Corpore eine Audienz gefordert, das Knie gebeugt und in Demut gesprochen: Wir hatten die Ehre, einer Tochter Euer Gnaden das Leben zu retten, Lord Membrocke hat sie uns aber gestohlen, und so weiter und so weiter. Jetzt, glaube nur, schweigen sie aus Hochmut; sie schämen sich des ganzen Abenteuers. Aber lass mich jetzt, besorge Dir anständige Kleider und versuche es, des Glanzes nicht unwürdig zu erscheinen, der morgen mich umstrahlen wird. O könnte ich morgen Bristol eine Stunde hier haben zum Zeugen dieser Audienz! Jetzt, jetzt nehme ich den Platz bei der schönen Henriette von Frankreich ein, den er schon mit einem fuss bei seiner steifen Infantin inne hatte. 422.284 Paalzow: Godwie-Castle Paalzow-SR Bd. 3, 28

Es wird Zeit sein, sagte Membrocke phlegmatisch, nach Orklei-Street zu fahren, Lord Marcliff hält dort ein Wettrennen zu Pferde, ich habe für ihn Partie genommen.

Ich kann nicht sagen, ob ich Zeit finden werde, an morgen zu denken, Lady Hiacinte will mich nach ihrem Landhause nehmen. –

Und ich massakrire Dich, wenn Du nicht morgen erscheinst, wie ich will, rief Buckingham dazwischen und drohte Membrocke nach, der sehr anmutig grüssend langsam aus dem Zimmer entglitt.

Wenn Buckingham nicht fest überzeugt gewesen wäre, dass kein Mann der Erde sich ihm vergleichen könne, er würde einem argwöhnischen Gefühl nicht haben entgehen können, indem er Lord Membrocke am Tage der Audienz in einer so sorgfältigen und berechneten Toilette wiederfand, dass Lady Hiacinte wahrscheinlich allein nach ihrem Landhause gefahren war, um der hierzu erforderlichen Geistesanstrengung Raum zu lassen.

Doch Buckingham, voll kindischer Eitelkeit für sich selbst, übertrug diese auf seine Lieblinge, die er bloss als Staffage ansah, als Träger des von ihm selbst abfallenden Glanzes. Und so lachte er vor Freude über Membrockes Galanterie gegen ihn, wie er's auslegte, und rief ihm bloss eine Kondolenz für Lady Hiacinte zu, die Membrocke mit einem so freundlich zerstreuten Gesicht anhörte, als läge ihm das Verständniss allzu fern.

Doch Buckingham hatte sich verrechnet, wenn er sich als den Augenpunkt der ganzen Versammlung dachte. Er empfing durch die grausame Härte, womit er den todtkranken König herausgerissen, seine Strafe. Sein böses Fieber hatte den König lang von dem Anblick aller seiner Untertanen getrennt, und sein erscheinen unter ihnen erregte eine Teilnahme, einen Schmerz, der um so heftiger wirkte, da Alles sich hier zu einem Triumph des gefährlichen Mannes vereinigt sah, der als Quäler und Beleidiger des geliebten Monarchen angesehen ward. Entsetzlich war die Blässe seines Gesichts und die Abzehrung seiner Gestalt. Seine Schwäche machte ihn unfähig, allein sich aufrecht zu erhalten. Der Prinz von Wales stützte ihn, während Jakob nur zuweilen die müden Augen umher warf, und dann mit seiner alten, steifen Art die Hand ausstreckte und mit den Fingern sonderbar schnippte, was aber Alle, die ihn kannten und liebten, als freundlichen Gruss wohl verstanden, und was eine grössere Bewegung unter ihnen hervorbrachte, als die rührendsten Worte es vermocht hätten.

So ward aus dem glänzenden Triumphe Buckinghams eine höchst rührende Abschiedsscene von einem König, der viel Liebe genoss, und den man um so trauriger scheiden sah, als mit ihm nicht zugleich der scheiden wollte, den zu lieben, man