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herzte und küsste, und nicht glücklich genug sich preisen konnte, dass er eben heute komme, einen Tag vor der Audienz, die er jetzt mit der grössten Geläufigkeit ihm zu schildern begann. Alle dabei gehofften Triumphe, von der lächerlich dargestellten Angst des alten Königs bis zu dem Wamse und den Juwelen, die ihn dabei zieren sollten, wurden aufgezählt, und er ruhte nicht, bis er, voll sorge, Membrocke's Toilette würde nicht glänzend genug dabei erscheinen, ihm von seinen fertig daliegenden, noch ungemachten Stickereien aufgenötigt hatte, was sich dazu eignete, den Glanz seines Begleiters zu heben.

Wer Beide beobachtete und die früheren Ausbrüche des leichtsinnigen Herzogs vernommen, musste glauben, er supplicire um die Freundschaft und Verzeihung Membrocke's, und dieser sei der Beleidigte und Zürnende; doch nur augenblicklich. Wer wie Maxwell seinen Herrn kannte, den konnte es nicht befremden, denn so beherrschte ihn stets der Augenblick.

Jahrelang konnte er Menschen und Verhältnisse verfolgen, und mit allen Fäden der feinsten und boshaftesten Intrigue umspinnen, und in demselben Augenblick, wo er die verschlagensten Pläne ersonnen, zerstreuten ihn bis zur kindischsten Sorglosigkeit und Albernheit die kleinsten Interessen der Geselligkeit und Eitelkeit.

Dagegen trat Membrocke, der sich in seinem Betragen gegen ihn eine gewisse vornehme Zurückhaltung zum Grundsatz gemacht hatte, mit einer sehr merklichen Verstärkung dieses Wesens vor ihm auf, so dass es endlich der Herzog, aus seiner Zerstreuung zu sich kommend, wohl merken musste. Sogleich, wie vom Blitz von dem Gedanken getroffen, dass er ihm habe zürnen wollen, sprang er auch im Nu in diese Stimmung über.

Ha, Mylord, rief er, hochrot vor Zorn, ich verstehe jetzt, warum Ihr ansteht, Euch freundlich und offen zu betragen; Ihr fürchtet die Rechenschaft, die Ihr mir abzulegen habt. Sprecht augenblicklich, wo habt Ihr sie? Was habt Ihr gewagt gegen meinen Willen zu tun? Ha, gegen meinen Willen! Ihr sollt es fürchterlich beklagen, – gegen meinen Willen! Bösewicht! Verräter!

Halt! überschrie Membrocke die wütende stimme des Herzogs und drückte den Andringenden so überlegen zurück, dass jener mit versetztem Atem inne halten musste. Ich bin nicht gesonnen, hier in Eurem Kabinette eben so der Spielball Eurer ungezogenen Launen zu sein, wie Ihr bei der Angelegenheit mit dieser Dame gewagt habt, mich ausser diesem haus umher zu jagen. Von Euch begehre ich Rechenschaft! Warum habt Ihr diese Dame, die ich als ein wahrer Edelmann geschützt und behütet habe, meiner Sorgfalt entzogen? Warum mich auf das Unnützeste umherziehen, Euch überall vergeblich erwarten lassen? Bis ich endlich, gegen Euern Willen ohne Zweifel, den einzigen mir zusagenden Ausweg ergriff, hierher zu gehen und von Euch selbst Rechenschaft zu begehren. Ihr erwartet ein freundliches Gesicht, da ich Euch in tiefem Frieden mit Euch selbst beschäftigt finde, wahrscheinlich ohne Gedanken daran, dass Ihr mich umher jagtet, fast bis zum Augenblicke, wo Euer mir gemachtes Reiseanerbieten nicht mehr ausführbar gewesen wäre und das Meer uns zu trennen die Güte gehabt hätte.

Nein, nein! rief Buckingham hier, ernst und besorgt blickend, es ist Alles nicht so, wie Du sagst. Lass uns das Geschwätz von Vorwürfen enden, damit wir zur Wahrheit kommen; es ahnet mir, wir sind beide betrogen, und eine Verständigung unter uns ist nötig. Nimm mein Wort, Du hast seit meinem letzten Briefe zu Burtonhall keinen weitern Auftrag von mir erhalten. –

Aber drei Mal die Chiffern, die Deinen bestimmten Willen andeuten, welche ein Mal mich Deine Nichte in andere hände übergeben liessen und zwei Mal mich zu vergeblichen Rendezvous führten. –

Wir sind betrogen! fuhr Buckingham wild auf. Wo sind die Chiffern? Man hat Dich getäuscht. Voll Ungeduld habe ich die Anzeige Deiner Rückkehr und der Sicherheit Deiner Schutzbefohlenen abgewartet. Erzähle schnell! Eben so schnell müssen die Mittel ergriffen werden, dies Bubenstück zu entlarven. Ha, von woher kann mir dies kommen? Glaubst Du von den Nottinghams? Doch nein! Sie hätten sie Dir mit dem Degen in der Faust abgenötigt, grössere Feinheiten kennen sie nicht.

Auch haben sie nicht unterlassen, diese Feinheit gegen mich zu versuchen, und nicht ich habe es gehindert, sondern Deine erhabene Nichte selbst. –

Sie selbst? schrie Buckingham, halb lachend; hattest Du sie schon am Angelhaken Deiner schönen Augen? Wie, Du hast gewagt, sie in Dich verliebt zu machen? –

Ich würde es nicht gehindert haben, sei gewiss, wenn meine Reize dies Wunder bewirkt hätten. Doch dies Mal kann ich bei meiner sonstigen ziemlichen Wahrnehmung aller Schattirungen weiblicher Entzükkung, die meine unwiderstehliche person hervor zu rufen vermag, nicht anders, als eingestehn, dass ich auf den ersten, schwachen Anfang vergeblich gewartet habe. Sie hat mich vom ersten bis zum letzten Augenblick mit Misstrauen behandelt, und nur ihre unbegreifliche Klugheit lehrte sie, während der Reise ihr hochmütiges Zurückstossen in eine kalte Höflichkeit umzuändern, womit sie mir die einzige gelegenheit zur Vertraulichkeit abschnitt; denn ich hatte mich jetzt nicht einmal über irgend etwas gegen sie zu beklagen. –

Ganz natürlich, fiel Buckingham hier ein, Deine unbegreifliche tolle Art, ein verhältnis mit ihr anzuknüpfen, musste diesen Phönix, in dessen Adern das stolzeste Blut von England fliesst, empören und Dir den Stab brechen. Weiberkenner! spottete er, dies Mädchen war zu hoch für Deine verbrauchten Teorien!

Tor, rief Membrocke ärgerlich, hättest Du mir neue Lehren geben wollen? Sie