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Versöhnung mit einem für ihn völlig abgetanen, leeren Greise so ernst bestand; und doch war, diese zu bewirken, meine erste Bedingung. Ich erwarte die Nachrichten, die mich von hier abrufen sollen mit jeder Stunde. –

Am Abende desselben Tages hielt an derselben Treppe der Terrasse, welche einst den leblosen Körper der unglücklichen Maria trug, ein kleiner Trupp wohl bewaffneter Reiter mit einem leeren Handpferde. Aus dem italienischen Flügel glitt der Schein eines wandernden Lichtes an den Fenstern vorüber, bis es verschwand. Bald öffnete sich eine kleine Pforte nach der Terrasse hin. Eine hohe männliche Gestalt, in einen Mantel gehüllt, trat hervor, legte den Weg bis zur Treppe schnell zurück, rief dort ein fremdes Losungswort, welches sogleich erwiedert ward, stieg die Treppe hinab und bald verklang der Hufschlag der schnell davon eilenden Rosse in den hart gefrornen Wegen des Waldes.

Die Herzogin von Nottingham brachte ihrer Schwiegermutter am andern Morgen, in Gegenwart ihrer Tochter und der versammelten Dienerschaft, die Empfehlungen des Grafen von Bristol, welcher sich auf einige Tage nach Digby-Castle begeben. Sie trug dabei jene kalte abweisende Miene, welche ihre sanfte Schwiegermutter nie zu verändern versucht hatte, und die alle Uebrigen wie durch eine Mauer entfernt hielt, und so zog ein düsterer Schleier mehr sich um die einsamen Bewohner des in Nebel gehüllten, von Stürmen umwehten Schlosses. Noch ein Mal sollte das alte Whitehall, das, seit die Gesundheit des Königs immer mehr zu sinken begann, verödet war, den Glanz und das Gepränge einer Hofceremonie erleben.

Buckingham hatte trotz des Widerstandes des fast sterbenden Jakobs es durchgesetzt, in einer feierlichen Audienz, im Angesichte aller Grossen des Reichs, vom Könige selbst als Stellvertreter des Prinzen von Wales zur feierlichen Vermählung mit Henriette von Frankreich dahin abgesendet zu werden.

Es war allein eine Befriedigung seiner Eitelkeit, welche ihn dies Opfer von dem kranken Könige erzwingen liess, und die Freude an den misslaunigen Gesichtern der Lords, die zu seinem Triumphe erscheinen mussten, und denen jede Miene des übermütigen Mannes zurufen sollte: Ihr empfangt durch mich Eure Königin!

Fast hätte er gewünscht, Bristol aus seiner Verbannung erlösen zu können, um ein Zeuge des Triumphes über ihn zu sein. Das Hotel des Herzogs glich einem Markte, auf dem alle Erzeugnisse der Kunst und des Luxus in der grössten Auswahl und Schönheit aufgestellt waren, bewacht und mit ängstlicher Sorgfalt dem Momente aufgehoben, wo ein blick des Wohlgefallens, ein Neigen des Hauptes, Dies oder Jenes zum Eigentum des Herzogs machen würde. Er versagte den Tage lang Harrenden oft diese ersehnte Ehre, obwol er täglich zwischen ihnen durch nach seinen Zimmern ging, so hartnäckig, dass sie ihm nicht anders vorzukommen schienen, als die leblosen Figuren in den Tapeten der Wände. Keiner wagte ihn zu erinnern, dass sie lebten und litten, Keiner der Ehre und Vermögen zugleich an selten verlangte Gegenstände und deren glücklichen Verkauf geknüpft hatte, durfte um Gehör bitten, wenn er nicht erleben wollte, vertrieben, vielleicht ohne seine Güter aus dem raum gejagt zu werden, welchen einzunehmen, Allen schon zur Gunst angerechnet ward.

Die grossen Säle des Erdgeschosses waren in Packhäuser umgewandelt, und die kostbarsten Silber-Services, die seltensten Geschirre aller Art, um ein glänzenden Haus von wenigen Wochen in Paris zu machen, wurden hier zum Transport über das Meer eingerichtet.

Nur Maxwell, der die Launen seines Herrn oft durch eben so hartnäckige zu vertreiben wusste, liess sich mit seinen Anträgen, bei dem Ankauf neuer Stikkereien und Juwelen zu den zahllosen prachtvollen Kleidern nicht so zurückweisen, und eine kurze Audienz, die der mächtige Kämmerling forderte, nötige dem Herzog seine Meinungen ab.

Diesem ganzen wüsten Treiben, welches der grossen Katastrophe der Abreise voran ging, fehlte zur höchsten Ungeduld des Herzogs noch immer die eine person, von der er sich selbst und alle seine Angelegenheiten am liebsten beherrschen liess, wenn ihm dazu selbst die Laune verging.

Dies war Lord Membrocke. Längst war die Zeit vorüber, welche ihn zurückführen musste; aber weder von ihm selbst, noch von dem Verlauf seines Auftrages waren Nachrichten eingetroffen, und die Boten, welche Buckingham nach dem schloss gesendet, welches er für den Empfang seiner Nichte einzurichten befohlen, waren alle mit der Meldung zurückgekommen, dass man dort noch immer die fremde Dame erwarte und von Lord Membrocke keine Spur sich gezeigt habe.

Buckingham würde nicht gezweifelt haben, dass Membrocke seine Nichte entführt habe, hätte er nicht gewusst, dass derselbe zu einer solchen romanhaften Entschliessung überhaupt zu gleichgültig und bequem sei, und am wenigsten in einem Augenblicke sich dazu hinneigen würde, wo er ihm die Aussicht zu einer der glänzendsten Reisen an seiner Seite eröffnet und hiermit seiner einzigen leidenschaft, seiner grenzenlosen Eitelkeit, das weiteste Feld zur Ernte dargeboten hatte.

Buckingham war in der seltenen Lage, Geduld haben zu müssen, und dies brachte ihn jeden Tag, wo er durch irgend eine Toiletten-Bagatelle an Membrokke's Abwesenheit erinnert ward, ein paar Mal in die entsetzlichste Wut, worin er ihn verwünschte, die grössten Züchtigungen und Kränkungen ihm verhiess, bis er es wieder vergessen oder ein paar neue unnütze Boten abgesendet hatte, die den frühern Bescheid wiederholten.

Es war am Tage vor der grossen Audienz in Whitehall, als die Tür des Kabinets sich öffnete, in dem der Herzog mit Maxwell ratschlagte, und Membrokke mit seinem eigentümlichen eleganten Anstande und mit der Sicherheit einer vollkommen gerechtfertigten Erscheinung hereintrat.

Maxwell sah voll Erstaunen, wie Buckingham in seine arme flog, ihn