1836_Paalzow_083_179.txt

von ihm erwarten durften; aber ehe ich Dir beipflichte, müsste ich ihn näher beobachten können. Ganz rechne ich seinem charakter diese Verwandlung nicht zu; es liegt hier irgend ein äusseres Anreizungsmittel zum grund, das bis jetzt zu erforschen mir nicht gelang. Doch leider ist so viel gewiss, dass, seit er in Deinem Gemahl seinen guten Engel verloren, er in die Gewalt eines bösen Geistes geriet, der mindestens seine Handlungen der Welt entstellt wiedergiebt. Vielleicht hätten wir den Schlüssel zu allem diesem, wenn Dein Gemahl Zeit behalten hätte, mir den Grund seiner Reise nach Spanien zu entdecken; dass sie vom Prinzen veranlasst war, ist das einzige, was mir klar geworden.

wunderbar, sagte die Herzogin düster vor sich hin, er hat ihn mir missgönnt vom ersten Augenblicke an, er hat ihn mir entzogen, so viel er vermochte, er hat ihn mir endlich für immer geraubt!

Bristol umging es, diese bittere Anklage seiner Tochter durch Widerspruch zu schärfen, und sie abziehend, führte er die abgewichene Unterredung auf ihren Anfang zurück.

Frankreich hat einerseits erreicht, was es wollte, aber indem es an die Stelle der Infantin die französische Prinzessin gesetzt, betrachtet es schon voll Argwohn denjenigen, durch dessen wahnsinnigen Eifer dies erreicht ward. Die Prinzessin soll eine Abgesandte Richelieu's werden, ihr unbestrittener Einfluss auf den Prinzen muss gesichert werden, und schon wird Alles in Bewegung gesetzt, Buckingham zu stürzen oder ihm ein Gegengewicht zu geben, und somit ist Richelieu darauf bedacht, mich an das Interesse der Fürstin zu knüpfen, durch sie mich mit dem hof zu versöhnen und Buckingham entgegen zu stellen. –

Verzeiht, erwiderte die Herzogin, hier kalt ihn unterbrechend, wenn ich Euch dies Mal nicht verstehe. Einfach, wie Ihr mich erzogen, habe ich von keinem andern Wege, Glück und Gunst zu erlangen, Begriff bekommen, als von dem offenen Wege des Rechts. Durch eine Kabale Richelieus den Platz Euch wieder gewinnen zu sehen, den Euch vor ganz Europa eine Ungerechtigkeit zu rauben wagte, darauf wäre ich nicht verfallen; freilich, die einfache Bitte einer Tochter um Gerechtigkeit für ihren Vater könnte den stolzen Kardinal beleidigen, indem der Erfolg seine feinen Pläne zu übereilen drohte.

Arabella, sagte Bristol, indem er das gesenkte, strenge Antlitz der Tochter lächelnd betrachtete, Du bist dieselbe noch, wie damals, als Du in dem grossen Turmzimmer auf dem alten Stammschlosse der Digby, eine echte Erbin ihres stolzen Blutes, mit dem Filetstock Deinem Vater drohtest, wenn er in Deinen Plänen, die Welt zu beherrschen, einige Abweichungen anzuraten wagte. Ohne Zwang bist Du erwachsen, ohne Zwang geblieben bis jetzt; schön und vollständig ist Deine natur entwickelt, sich selbst Gesetz geworden. Mir schien es stets der einzige Weg, die tiefe Leidenschaftlichkeit Deiner stolzen natur in sich selbst sich bezwingen zu lassen, und viel hast Du wahr gemacht, was das Vertrauen des Vaters Dir übertrug; was damit nicht erreicht werden konnte, soll mich nicht überraschen, denn ich stellte es stets in Zweifel.

O Vater, rief die Herzogin, sich seinen Augen entziehend, es steht nicht wohl, die zu schelten, die, müde von Schmerz und Täuschung, ungleich in ihrem inneren bewegt von Gleichgültigkeit gegen sich selbst und heisser Liebessorge für die Ihrigen, das einfache Recht zu ihrer Richtschnur wählt. –

Auch schelte ich nicht, noch weniger zürne ich Deinen raschen Worten, doch hüte Dich, wie eben jetzt, den verletzten Stolz, der Dich hier so selbst erhoben richten lässt, nicht zu verwechseln mit dem rührenden Bedürfniss nach einfachem Recht.

Die schöne Seele, die nur darnach lechzt, sie verfehle vor allen Dingen nicht, sich selbst zu prüfen, ob sie rein genug gestimmt war, um Recht von Unrecht rein zu scheiden.

Wenn ich die schmutzige Hand ergreife, die sich mir bietet, wer zweifelt, und vor Allem, warum zweifelst Du, dass es ein Opfer ist, was ich in höherer Absicht bringe? Die Feinde meines Vaterlandes stehen an dem Fuss des Trones, verloren ist die Hoffnung Englands, verloren der Prinz, bleibt er in den Händen Buckinghams. Mir fehlt, um die Ketten, worin er langsam eingeschmiedet wird, zu brechen, jetzt die Kraft.

Hat Richelieu sich verrechnet, indem er sie für mich zu brechen sucht, ich habe ihn nicht getäuscht, er kennt mein Leben, es trägt keinen Hauch von Selbstsucht; unvorentalten blieb es ihm, dass dieses Herz nichts eingebüsst von seiner warmen Liebe für England und sein erlauchtes Herrscherhaus. Das Antlitz, was ich wirklich trage, hat Richelieu als Maske vorgenommen; er spricht von sorge für England und seinen Tronerben, ich empfinde sie; er heuchelt mir Vertrauen, als ob ich allein das Unheil hindern könnte, und ich fühle in Wahrheit dazu die Kraft, den Willen. So reden wir dieselbe Sprache; er die Sprache, die mich täuschen soll, um mich als vorläufiges Mittel gegen Buckingham zu gebrauchen, ich die Sprache der überzeugung und des Herzens, an die er keinen Glauben hat, die er für Verstellung hält, da er nie eine Beleidigung vergeben würde, wie ich sie erfuhr, und da er wähnt, ich trachte nur nach einem Standpunkt des Herrschens, entfernt von dem Platz, wo ich Ehre und Ruhm erlangte.

Dem Könige mich zu versöhnen, lag ausser seinem Willen, und hält er es für eine Grille, die mich ihm fast verächtlich macht, dass ich auf der