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, ihr wird der Zugang nicht verwehrt sein zu den Stufen des Trones. Lasset Eure Tochter als Euren Boten voran nach London eilen, diese wankenden Knie werden sich leicht beugen, um für den Vater Gerechtigkeit zu erflehen, und Jakob wird die Tochter hören, die von dem Herzen des Vaters zu dem seinigen reden will. Ich fürchte diesen Buckingham nicht, und Ihr wisst, setzte sie stolz hinzu, ich habe ihn nie gefürchtet; auch ist ja meine Sendung eine Sendung des Friedens! Möge England ungewiss bleiben, ob Jakob versöhnt ist mit seinem edelsten Diener; seid nur Ihr es nicht länger, sei nur von diesem Herzen der Schmerz genommen, der es jetzt ergriffen hält.

Bristol betrachtete seine Tochter; ein sanfter Ausdruck glitt über seine bekümmerten Züge und seine arme lösten sich, die hände der Tochter zu ergreifen.

Ich danke Dir, Arabella, für den warmen Anteil, den Du mir bewahrt hast, sprach er sanft, aber vielleicht bedarf ich ihn nicht, um Dich einem so ungewissen Unternehmen auszusetzen, dessen Misslingen Dich tiefer verletzen würde, als Du berechnen kannst. Diese ersehnte Zusammenkunft ist vielleicht nicht mehr fern, und ich war eben gesonnen, Dich auf meine mögliche kurze Entfernung vorzubereiten, welche mit einem mir gemachten Vorschlage, den König zu sehen, zusammenhängt, und welche den Bewohnern dieses Schlosses zu deuten, ich Deiner Klugheit überlassen muss.

Und habe ich so viel Anspruch an Euer spätes Vertrauen, verehrter Herr, um hier mehr als ein blinder Hüter Eurer mit Fremden verabredeten und mir bis jetzt so wohl entzogenen Pläne zu sein? sprach die Herzogin, sich nach ihrem Sessel zurückziehend.

Ja wohl, Fremde! seufzte hier Lord Bristol schwer auf, denn in England scheint kein Herz mehr nach dem Takte alter Ehre und alten Rechtes zu schlagen, sondern, wie die Furcht das feige Blut regiert, im jähen Wechsel von Hast und Gleichgültigkeit.

Die hülfe, die man mir beut, sie kommt von jenen, die aus dem Untergange meiner lang gepflegten, für England segensreichen Pläne ihre eigenen aufblühen sehen. Richelieu bietet sich zum Vermittler an, durch Richelieu's geheimen Einfluss soll ich den König sehen. –

Richelieu! rief die Herzogin, in der Ueberraschung ihre Empfindlichkeit vergessend, Richelieu, der Jesuit! der Feind aller Freiheit, aller Tugend! Euer Feind, so lang Ihr England mit Spanien zu vereinen strebtet, er, er würde Euern Einfluss zu heben suchen, nachdem ihm durch Euren Sturz der beste Vorteil ward, und er begierig mit Eurem Feinde Buckingham die Bande schürzte, die auf immer Alles trennen, was Ihr mit langer Weisheit in andrer Richtung angeknüpft! Vater, wollt Ihr mich glauben lehren an den Ruf, der Richelieu zu dem verschlagensten Staatsmanne Europa's stempelt! Wenn er Euch zu täuschen wüsste, glaube ich an Alles!

Eben weil ich Dich als so rasch in Urteil und Aeusserungen kenne, erwiderte Lord Bristol, entzog ich Dir, wie Du bestätigst, nicht ohne Grund, die langsam entstehenden Beweggründe, die endlich mich zu diesem Punkte führen konnten; doch weiss ich, die überzeugung wird Dir bald nötig sein, dass Dein in den Wegen der Politik grau gewordener Vater nicht jetzt in die Schlingen eines französischen Kardinals gefallen, sondern dass hier zum ersten Male der Fall eingetreten ist, dass Beide in einem Interesse handeln.

Da die Herzogin ihn nicht unterbrach, fuhr Graf Bristol fort: Was ich zum Wohle des Ganzen mit Spanien so sorgfältig angesponnen, ist unwiderruflich dahin. Frankreich hat mit neidischen Augen eine Verbindung betrachtet, welche England einen überwiegenden Einfluss auf alle europäischen Beschlüsse verhiess, und wohl wissend, von wem dieser Plan ausging und geleitet ward, und wie nach ihm Keiner ihn führen könnte, war ich seinen geheimen Machinationen unaufhörlich preisgegeben. Alle Schwierigkeiten des römischen Hofes wurden von Frankreich geleitet und scheiterten allein an dem seltenen persönlichen verhältnis, welches zwischen mir und Philipp bestand, und mein einfaches Wort höher gelten liess, als alle Intriguen des ehrgeizigen Kardinals. Dass aus der unbegreiflichen Versöhnung des Prinzen mit Buckingham diese verderbliche Reise entstehen dürfte, die Alles vernichten musste, das lag ausser der Berechnung selbst der kühnsten Wünsche Frankreichs; doch ward es eben so schnell zu dessen Vorteil benutzt, wie es ausser meinen Kräften lag, es unschädlich zu machen. Eine wunderbare Erscheinung in der Welt hat sich hier wiederholt, dass oft die Weisheit durch die Schellenkappe von ihrem Trone gejagt wird, um das Laster darauf zu krönen. Was Richelieu nicht zu hintertreiben gelang mit dem ganzen drohenden Apparate des römischen Hofes, das gelang dem wahnsinnigen Uebermute eines boshaften Toren, der vielleicht in toller Laune seine Schuhschnallen gegen diese Verbindung gewettet hatte. So brutal, so planlos, so ohne Hehl seiner bösen Absicht trat dieser Mensch auf, und dennoch so unwiderstehlich, da er kein Mittel scheute, um gerade das zu zerstören, worauf Alles beruhte: Treue und Glauben an englische Redlichkeit und reine Sitte. –

Und der Prinz? rief die Herzogin. Nie werde ich das Rätsel lösen können, was er uns dabei aufgiebt. Nicht hoch ist meine Meinung von ihm gewesen, sie ist gerechtfertigt; seine erste Handlung zeigt ihn als einen Mann ohne Haltung, ohne Güte und wahres Ehrgefühl. Wie konnte er je die Hand Buckinghams ergreifen, die sich einst freventlich gegen ihn erhob, und sich von allen denen wenden, für die er früher nur zu leben schien.

Der Prinz, erwiderte Bristol, zeigt sich freilich abweichend von dem, was früher wir