und die Verzweiflung gab ihrer Sprache die ungeschminkte Färbung der Wahrheit. Die dringenden Briefe dieses Inhalts an ihren Vater, die stets von heftigen Ausbrüchen gegen Buckingham und von Beteuerungen für Bristols Unschuld erfüllt waren, wurden nicht unterdrückt, sondern Buckingham weidete sich daran, wie sie selbst den Zweck zerstörten, den sie erreichen sollten. Jakob hatte die unglückliche Verbindung stets als eine Plage betrachtet, wovon sein ängstlich bewachtes Friedenssystem bedroht und seine stets sparsam gefüllten Kassen zum Oeftern geplündert wurden, und wenn er seiner Tochter diese beiden Belästigungen bisher verziehen hatte, geschah es immer nur in so fern, als das Unheil eines Krieges noch wirklich abgewendet worden war. In dem Augenblicke, wo seine sinkenden Lebenskräfte ihn herzloser und übellauniger, als je, machten, erbitterte ihn die Vorstellung, dem Kriege mit Spanien nicht mehr entgehen zu können, so heftig, dass er, getäuscht über die wahren Urheber desselben, sich durch die Verteidigung Bristols, der ihm als ein solcher vorgespiegelt worden, wahrhaftig empört fühlte; zumal, da diese Verteidigung von einer Prinzessin ausging, von welcher er stets, in trüber Vorahnung, die Veranlassung zu einer Katastrophe erwartet hatte, die ihn jetzt eben durch ihren Schützling erreicht zu haben schien. Er hörte daher nicht auf, sich auf das Lauteste über die Mahnungen der Pfalzgräfin zu beklagen, und es konnte Niemandem entgehen, dass diese Bemühungen die Sache des Grafen noch mehr verdarben.
So wenig nun unter diesen Umständen sich ein Weg zu öffnen schien, dessen Verfolgung günstigere Resultate hoffen liess, war doch Graf Archimbald eben, wie Richmond, entschlossen, festen Fusses das bestrittene Feld zu behaupten, da es ausser allem Zweifel blieb, dass London und der Hof, bewacht in allen seinen Abwechselungen, gelegenheit geben müsste, die nie aufzugebende Sache an ein klareres Licht zu ziehen.
So blieben Beide freiwillig von Godwie-Castle getrennt, während der junge Herzog, in einer stillen, leidend ruhigen Fassung, in dem haus seiner nunmehr anerkannten Braut in London, seine Zeit in gleichem Anteil dem Kummer seiner Familie, wie den Pflichten seines Berufs widmete.
Die jüngere Herzogin begriff unter den offen daliegenden Ursachen des Kummers alle Empfindungen ihres Herzens, wie manches ihnen auch beigemischt sein mochte, was sie sich oder Andern einzugestehen nicht geneigt war. Sie hatte sich mit der Angelegenheit der angeblichen Gräfin Melville seit ihrer freiwilligen und heimlichen Entfernung von Burtonhall für abgefunden erklärt, und sich, wie ihren Umgebungen, mit der ihr eigenen Art, welche keine andere Meinung aufkommen liess, jede weitere Nachforschung nach dem fernern Aufentalte nach Ergehen derselben untersagt. Der Name des liebenswürdigen Wesens war daher in den einst von ihr belebten Räumen verklungen, oder wurde nur schüchtern in den langen Wintergesprächen der Dienerschaft erwähnt, welche alle dem gütigen fräulein zugetan verblieben.
Lord Bristol hatte die endlich geöffneten Gemächer des verstorbenen Herzogs bezogen, und sein rastloser Geist war hier mit der Abfassung von Memoiren beschäftigt, die sein reiches und einflussreiches diplomatisches Leben betrafen. So sich in die Vergangenheit vertiefend, behielt er doch seine gegenwärtige Stellung unverrückt im Auge, und auf die Liebe des Königs zu ihm bauend, die er einst so vollständig besessen, ging sein lebhafter Wunsch dahin, sich auf irgend eine Weise ihm nähern und sich vor ihm selbst verteidigen zu können.
Eine einzige Vertraute dieses Wunsches gab es für ihn; dies war seine Tochter. Wie sonst bei Lebzeiten ihres Gemahls, ruhte die Herzogin heute in dem Lehnstuhle, dem Arbeitstische ihres Gemahls gegenüber, von welchem her jetzt das ernste, gefurchte Antlitz des Vaters zu ihr blickte, um dessen hohe Stirn die Locken des starken Haares, von dem Reife des Alters gebleicht, sich majestätisch bauten und den erhabenen Eindruck seiner ganzen Erscheinung zu krönen schienen.
Ich habe meinen Namen vor England nicht zu verteidigen, meine Tochter, setzte er gelassen ein mit ihr geführtes Gespräch fort, und hätte ich es, so würde, nach menschlicher Wahrscheinlichkeit, die Zeit nicht aus bleiben, wo es geschehen könnte; aber zu jener Rechtfertigung, nach der, ich gestehe es Dir, mein Herz sich sehnt, dazu möchte es bald an der Zeit sein, oder für immer zu spät. Mein teurer, dass ich es sagen muss, missleiteter König ist am Ende seiner Tage. Soll er sein Auge schliessen, ohne es noch einmal versöhnt und wohlwollend auf seinen treuen Diener, den er einst seinen Freund nannte, gerichtet zu haben?
Er hatte sich während dieser Worte erhoben und schritt gedankenvoll durch das kleine Gemach.
Sein stolzes Haupt hatte sich nachdenkend auf seine Brust gesenkt, seine Armen lagen gekreuzt über einander.
Die Herzogin begleitete ihn mit den ausdrucksvollen Blicken, die ihr so eigen waren, wenn sie sich einen Gegenstand bis zur klarheit ausdachte, und hier verfolgte sie den Gedanken, dass die persönliche Ungnade des Königs, der Gespiele, Freund und Vertrauter ihres Vaters gewesen, dem dieser mit grenzenloser Hingebung und einer an Entusiasmus grenzenden Liebe gedient, dies edle Herz tiefer verwundete, als eine öffentliche Anklage, an die Niemand im Ernste glaubte, wenn auch sie zu widerlegen, ausser dem Interesse der Mehrzahl lag.
Sie hatte die ruhende Stellung aufgegeben, Gedanke an Gedanke, beflügelt von der Liebe zu dem edlen, innigverehrten Vater, ordneten sich in ihrem kopf und röteten das blasse, zusammengefallene Antlitz mit einem Anhauche früheren Glanzes.
Nun wohl, teurer Vater, so lasset uns handeln! sprach sie endlich und erhob sich, lebhaft vor ihn hintretend. Die Witwe des Herzogs von Nottingham ist nicht vom hof verbannt