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Nebelschleier, Licht und Wärme waren von aussen her nicht mehr zu erwarten, und die einsamen Bewohner kehrten mechanisch in die alten Gewohnheiten der winterlichen Zeit zurück.

Es war kaum anzunehmen, dass die Anordnung der Zeit und die Obwaltung des Hauses von denen ausgehe, die ihr Rang dazu berief, viel eher schien es, jene fügten sich in das, was von der Dienerschaft in jahrelanger Gewohnheit und schweigsamen Gehorsam nach dem einmal gekannten Willen ihrer Herrschaften auch jetzt wieder sorgsam ohne Frage eingerichtet war. Man verliess die eigenen Gemächer und verfügte sich in die Versammlungszimmer, wenn die aufwartenden Diener die Stunden dazu meldeten; man trennte sich, wenn die Zeit zu diesem Beisammensein durch den Aufhub der Tafel oder des Frühstücks angezeigt war, und der Zwang, der über Allen waltete, schob die streng gehaltenen Stunden selten hinaus.

Es war die Zeit einer bangen Erwartung, die Alle zur Untätigkeit verdammte, während sorge, beleidigter Stolz und die Bürde eines grossen, erlittenen Unrechts im Geheim die Leidenschaften Aller steigerte, und weder ein Abschliessen mit dem Leben zuliess, noch eine mutige Anstrengung für die Wiedererlangung des gestörten Friedens.

Wohl wusste die erhabene, also geprüfte Familie, dass England den Kummer teile und über die Beleidigung murre, die jeden edlen Mann in Bezug auf die schimpfliche Behandlung des Grafen Bristol zu betreffen schien. Aber es sind nicht alle Gemüter gestimmt, in der Teilnahme der Menge Trost finden zu können. Graf Bristol war am Ende eines glücklichen und ruhmvollen Lebens nicht vorbereitet, es so traurig zu beschliessen, und das stolze Herz seiner Tochter widerstand dem Unglück mit ergebungslosem Unwillen.

Lord Bristol war vom hof und aus London verwiesen. Der Stolz, womit er das Parlament zum Schiedsrichter zwischen seinem Ankläger und sich gestellt wissen wollte, war eine Herausforderung zu gefährlicher Art für Buckingham, als dass er nicht eine Verweisung vom Könige erpressen sollte, um alle Anstrengungen mit einem Male zu vernichten, die von Seiten der mächtigen Familie des Grafen gemacht wurden, um ihn glänzend zu rechtfertigen. Machtlos stand Lord Bristol vor diesem harten Gebot. Das Antlitz seines Königs war ihm entzogen; der Prinz von Wales, wie es schien, teilte die Meinung des verwegenen Herzogs; zu widerstehen war der Gewalt nicht; der Graf musste vor den Toren von London umwenden und in der Verbannung sich für begünstigt halten, dass man das Schloss der Herzogin von Nottingham als Zufluchtsort anzusehn, ihm verstattete.

Was ihm von hier aus zu tun möglich war, beschränkte sich darauf, die Wirksamkeit des Grafen Archimbald und des Lord Richmond durch Alles zu unterhalten, was ihm zu seiner Rechtfertigung an Beweisen zu Gebote stand; doch der Widerstand und die gesetzwidrigen Hindernisse, welche diese auf allen Wegen von Buckinghams Kreaturen aufgestellt fanden, machte ihr Streben zu dem erfolglosen Geschäft der Danaiden und setzte ihre eigene, stets behauptete achtungsvolle Stellung allgemach herab. Ihre offenen Bemühungen hatten zuerst das Missfallen des Hofes zur Folge, welcher sich nicht an eine Sache erinnert sehen wollte, die nicht zu rechtfertigen war, und in Ansehung der betreffenden ausgezeichneten person nicht in der Stille sich beseitigen liess.

Die Minister des Königs, obwol von der Unschuld des Grafen überzeugt, hatten Buckinghams Willen gegenüber keinen Einfluss auf den König, und Lord Salisbury hatte mit engherziger Strenge sich von jeder Teilnahme an seiner Familie ausgeschlossen, sobald sie gegen den einmal ausgesprochenen königlichen Willen lief. So geschah es, dass der Mann, der noch vor Kurzem im Mittelpunkte der Gnade zweier grossen Höfe, von den Freundschafts- und Gnadenbezeigungen der spanischen und englischen Majestäten überhäuft, und im Begriff gewesen war, eine glänzende Allianz für sein Vaterland durch die heiligsten Bande zu befestigen, und sich den Segen und den Dank seines Königs und seines Vaterlandes zu verdienenjetzt, durch die beispiellose Unverschämteit eines ungeschickten und leichtsinnigen Toren, sich zum Spielball der boshaften Willkür desselben herabgesetzt sah, angeklagt treulosen Verrats des königlichen Vertrauens, angeklagt öffentlich und laut vor ganz England, vor ganz Europa, und durch den grausamsten Machtspruch zur Verbannung und zu einem Schweigen verdammt, das diesen geachteten Namen zu einem gegenstand des Zweifels machte.

Bis zu dem Augenblicke waren alle Bemühungen seiner Freunde, ihm gelegenheit zur Rechtfertigung auszuwirken, vergeblich gewesen. Ihre Bitten erreichten Jakobs wohlverwahrtes Ohr nicht mehr. Der Prinz zeigte eine Kälte dagegen, die den besorgten Freunden des Vaterlandes die Wahrheit zu bestätigen schien, es habe der charakter des Prinzen nach der Rückkehr aus Spanien eine traurige Umänderung erlitten, die man dem entschieden hervorgetretenen Einflusse Buckinghams zuzurechnen, sich für berechtigt hielt.

Der König von Spanien, Bristols unermüdlicher

Freund und Bewunderer, hatte, trotz der feindlichen Stellung, die beide Länder jetzt gegeneinander annahmen, seine gerechte Empfindlichkeit überwunden, und in einem eigenhändigen Schreiben an Jakob seinen Liebling verteidigt und den König für ihn zu gewinnen gesucht. Jakob hatte diesen Brief nie erhalten, und dem grossmütigen Philipp ward angedeutet, dass seine Vorliebe dem Grafen eben nicht zum Besten gereiche, da er gerade verklagt sei, der katolischen Majestät zu vorteilhaft gesinnt gewesen zu sein.

Ein gleiches Schicksal hatte Lord Bristols erhabene

Freundin, die edle und unglückliche Pfalzgräfin Elisabet, die Tochter Jakobs, die, aus dem Besitztum ihres Gemahls vertrieben, in trostloser Verlassenheit, jetzt auch der Hoffnung beraubt war, nachdem mit Bristols Sturz der spanische Einfluss auf ihr Schicksal verloren gegangen, von dem sie ihr gesunkenes Glück wieder aufgerichtet zu sehen hoffte. Vergeblich sagte man ihr, dass Frankreich die Rolle Spaniens ersetzen, dass sie bei dieser politischen Umwälzung nichts verlieren würde; ihr Langmut war erschöpft,