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Overbury eine unversöhnliche Rache, da er ihr den Schutz verweigerte, den zu leisten sie selbst unmöglich gemacht hatte.

Die Sammlung ihrer Briefe unter Overburys Adresse, die Summen, die er ihnen vorgestreckt, wurden die sorgfältig geordneten Dokumente, womit die Lady ihre eigene Mutter an den König absendete, ihren Wohltäter zu stürzen.

Der Erfolg ward von einem Gelddefekt unterstützt, den der unglückliche Mann nicht nachweisen konnte, und der ebenfalls durch die Agenten der Lady ihm gemacht war.

Unläugbar hatte er den Zorn des Königs verdient, indem er den beiden Verliebten so ganz gegen den Willen seines Monarchen Vorschub geleistet. Vergeblich verschwor Overbury seine Teilnahme an der endlichen Vermählung; Lady Franziska hatte durch nachgemachte Briefe auch dies völlig ausser Zweifel gestellt, und Overbury betrat den Tower an dem Tage, an welchem Lord Sommerset mit seiner Gemahlin ihn verliess, welche, vom Könige begnadigt, ihren ehemaligen Platz bei hof wieder einzunehmen hofften. Hier entstand aber ein wütender Kampf der Eifersucht zwischen dem indessen heimisch gewordenen Herzog von Buckingham, dem neuen Günstling, und dem zurückgekehrten, der, von seiner Gemahlin unterstützt, Alles versuchte, die alten Rechte wieder zu gewinnen.

Overbury hatte indessen Freunde gefunden, die, von Buckingham begünstigt, das Recht der Verurteilten aufs Neue beleuchteten, und Jakob fing selbst an aufmerksam zu werden, als der Beweis sich zuerst kund gab, Overbury habe die Summen, die er nicht nachzuweisen wusste, nicht veruntreut.

Dies war die Losung für Lady Franziska, welche, vom Laster einmal ergriffen, jetzt keine Handlung mehr scheute, die sie der öffentlichen Schande entziehen und ihre geheime Rache befriedigen konnte.

Overbury ward vergiftet in seinem Kerker gefunden, mit ihm zur selben Zeit starb eines gewaltsamen Todes sein Sekretair, derselbe, der durch die genaue Ordnung und Darlegung aller seinen Herrn verteidigenden Papiere der Sache diese Wendung gegeben.

Diese wichtigen Dokumente selbst waren verschwunden, aber eine furchtbare Gerechtigkeit erstand gleich nach Lautwerdung dieser Greuel in der öffentlichen Meinung. Mit Fingern wies man auf Lady Franziska und ihren Gatten, und es bedurfte nur geringer Anzeichen, um ihnen aufs Neue die wohnung des Towers anzuweisen, auf dessen düsterer Schwelle sie nun der Schatten ihres gemordeten Wohltäters empfing.

Hier bildete sich in dem unglücklichen Verbrecher, dem kaum dreissigjährigen Lord Sommerset, die furchtbare Verwirrung des Geistes aus, die, durch so viel Schuld veranlasst, späterhin der rächende Begleiter seiner Tage ward; und so hartnäckig der Widerstand seiner Gemahlin blieb, so leicht waren doch seinem erschütterten geist die Aussagen entrissen, die das Oberhaus bedurfte, um Beide des Lebens für verlustig zu erklären.

Lange zögerte Jakob, obwol die Richtigkeit des Urteils anerkennend, mit der Vollziehung.

Die Zeit verwischte das Andenken dieser Greuel erst aus den Kreisen der Unterhaltung, dann aus den Gedanken der Menschen überhaupt. Ob sie lebten, ob heimlich das Urteil an ihnen vollzogen, oder ob sie in einer strengen Verbannung gehalten würden, war zweifelhaft, zuletzt gleichgültig; und Jakobs Räte, die den Kampf ihres Herrn kannten, durften zuletzt wagen, ihm selbst vorzuschlagen, die Gefangenen nach dem alten schloss der Howards an der Ostküste von England zu bringen.

Sein Wunsch ward dadurch erfüllt; denn es kränkte ihn zu sehr, ein Mitglied aus der Familie Howard und seinen ehemaligen Liebling den öffentlichen Verbrecher-Tod sterben zu lassen.

So führte sie ein sicheres Geleit dahin, wo sie den Strafen der Einsamkeit und ihren Sünden überlassen blieben.

Man behielt lange die Gewohnheit, zuweilen durch königliche Kommissarien von ihrer Gegenwart sich zu überzeugen, und dies Recht blieb auch noch immer dem nächsten Gerichtshofe, zu jeder beliebigen Stunde das Schloss und die Bewohner zu besuchen, und von ihrer Gegenwart sich zu überzeugen.

Nach dem tod des unglücklichen Herzogs, dessen Wahnsinn, durch die harte Behandlung seiner Gattin vermehrt, ihm so früh den Tod gab, wie wir schon aus Margarits Bericht ersehen haben, hörten die lästigen Besuche immer mehr auf, sie blieben aber die Hauptveranlassung einer so sorgfältigen Verheimlichung der katolischen unterirdischen Kirche, da diese nicht so schnell als die Kleider oder die Personen, die Verdacht erregen konnten, zu verbergen war.

Lady Franziska hatte auf den Rat ihrer geistlichen Freunde mit dem letzten Richter der Stadt Gersei, dem diese Obliegenheit ward, eine Abkunft durch Entrichtung einer Summe Geldes getroffen, und ihr vorrückendes Alter als Motiv ihres Wunsches genannt, unbehelligt von jenen lästigen Nachweisungen verbleiben zu können. Dies hatte den besten Erfolg gehabt, da der Richter, selbst in hohen Jahren, sich gern dieser Verpflichtung überhoben sah, und ihm die Gegenwart der Verbannten viel angenehmer veranschaulicht ward durch einen monatlichen Revers, den er ihr für die empfangene Abfindung ausstellte. Denn die notwendigkeit, sich einer Frau gegenüber zu stellen, über deren Verbrechen seit dem tod ihres Gemahls, wie über ihre Geisteszerrüttung so übertriebene Gerüchte in der kleinen Stadt herrschten, dass Jeder das Schloss als einen Pfuhl der Hölle floh, war stets eine lästige Pflicht. –

Dies ist die geschichte einer Frau, in deren Nähe wir unsere junge Heldin haben führen müssen, und indem uns der Wahrheit nach nur vergönnt war, ihre Lage als ungünstig und unerfreulich zu bezeichnen, ja, als von einer Unsicherheit umgeben, die unsere Teilnahme erregen könnte, müssen wir sie doch auch auf einige Zeit verlassen, um uns in Zusammenhang mit den Dingen zu setzen, die anderswo sich als einflussreich auf ihr Schicksal erzeigen werden. Und zwar müssen wir in manchen Beziehungen uns erlauben, eine Zeit flüchtig zu berühren, in welche wir unsere Leser früher bereits eingeführt