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sich weiter nicht zeigten, und bei deren Gegenwart auch Lady Sommerset gewöhnlich auf mehrere Tage ausblieb, die sonst, als Priorin, beständig den grossen Lehnstuhl einnahm, der den geheimnissvollen Eingang zur Kirche bedeckte, mit welcher Maria jetzt durch tägliche Teilnahme völlig vertraut geworden war.

über den Zweck dieser Besuche, die ausserdem von dem konsequenten Verfahren des Pater Johannes unterstützt wurden, blieb kein Zweifel. Sie sollten Maria nicht allein bekehren, sie sollten sie zu einem gewissen Zweck, zu einer teilnehmenden Verpflichtung für den Orden bekehren.

Sie versuchte anfänglich dem Rat des Pater Clemens zu Folge, auf dem ihre einzige Hoffnung beruhte, eine völlig duldende Haltung zu behaupten, die weder zugestand, noch verweigerte, so dass man sie wirklich für bekehrt hielt; doch als man nun anfing, ihr in dieser Beziehung nähere Mitteilungen zu machen, empörte sich gegen diese Täuschung ihr stolzes und reines Herz. Sie trat nun bestimmter entgegen, verdoppelte aber dadurch nur die Bemühungen um sich und zog sich eine peinliche Scene zu, die mit einem Eidschwur endete, den man von ihr über die Geheimnisse dieses Schlosses begehrte. Nach langem Weigern willfahrte sie endlich, da sie sich kaum denken konnte, dass, ausser dem Fanatismus der Einzelnen, irgend ein böser Zweck diesen Dingen zum grund liege, und da sie wohl einsah, dass ihr keine Wahl bleiben würde, wenn sie nicht selbst jede Hoffnung zum Heraustreten aus diesem haus damit zerstören wollte.

Ihr verhältnis zu der Lady des Hauses blieb gleich widrig und beklemmend für sie. War auch eine ähnliche Nacht-Scene nicht wieder vorgefallen, hatte diese doch ein so tief reichendes Ensetzen in ihr zurückgelassen, dass durch ungewöhnliche Töne, die oft Nachts an ihr Ohr drangen und durch eine Nachlässigkeit Margarits einst an die Tür ihres Schlafgemaches vorrückten, ihr hinreichend der grauenvolle Eindruck unterhalten ward, den jene furchtbare Frau ihr eingeflösst hatte.

Fast rätselhaft schien jedoch bei solcher Geisteszerrüttung die körperliche Stärke sowohl, als die Schärfe und klarheit des Verstandes, die ihr nach solchem Paroxismus verblieb. Wie abschreckend und empörend die Richtung dieses Geistes auch war, setzte sie doch oft ihre gelehrten Umgebungen in Erstaunen, und führte mit ihrem schlagenden verstand Geistes-Kämpfe, wobei ihre Gegner, wofern sie nicht meist zu der durch Weltklugheit berühmten Gesellschaft Jesu gehört hätten, ihrem durch weitreichende Erfahrungen entwickelten und überlegenen Scharfblick hätten weichen müssen.

Maria war die Rolle, die sie früher in der Welt gespielt, verborgen, aber sie bekam ein treues Bild von den Qualen, dem ein durch Sünden zerstörtes Gewissen auch bei der grössten Härte des Gemüts nicht entgeht. Sie gewahrte mit Erstaunen, wie diese stolze, jeden Augenblick Widerstand leistende Frau, wie ein Kind eingeschüchtert und bebend vor dem angedrohten Fluch der Kirche, sich den harten Worten des Geistlichen und seinem Willen unterwarf, den sie, wenn sie sich von dieser inneren Qual mit allen Hülfsmitteln ihres sophistischen Verstandes wieder befreit hatte, ihrerseits zu unterdrücken, eifrig bemüht war. –

Was jedoch unsere junge Heldin nicht erfuhr, sei uns erlaubt, für den teil unserer Leser, denen das Leben der Franziska Howard nicht bekannt ist, mit einigen Worten hier einzuschalten.

Nach dem Willen Jakobs des ersten, die beiden Familien, denen er gleich verpflichtet war, an einander zu knüpfen, wurden Lord Essex und Lady Franziska, wie sie uns selbst schon angedeutet hat, schon als Kinder, und beschäftigt noch mit Puppe und hölzernem Schwert, mit einander vermählt, und der vierzehnjährige Gemahl mit seinem Gefolge nach Italien geschickt, um dort seine Erziehung zu vollenden.

Lady Franziska erblühte indessen zu einer seltenen Schönheit, und als Hofdame der Königin führte sie der tägliche Umgang in die arme eines königlichen Günstlings, der, aus dem niedrigsten stand durch blühende Schönheit und Liebenswürdigkeit zu den höchsten Würden und Ehrenstellen von Jakobs lächerlicher Vorliebe emporgehoben, endlich zum Herzoge von Sommerset erklärt ward.

Beide Liebende zweifelten nicht, dass Jakob eine Scheinehe, wie sie Lady Franziska fesselte, leicht den Wünschen seines Lieblings opfern würde, und waren daher sehr erstaunt, dem ungemessensten Zorne des Königs bei dieser Entdeckung zu begegnen.

Durch die Gunst des Kanzlers Lord Overbury war Sommerset dem Könige bekannt geworden, und von dem ausgezeichneten geist und den grossen Kenntnissen dieses Staatsmannes unterstützt, war es dem völlig unwissenden Jünglinge allein möglich gewesen, die Stelle eines Ministers auszufüllen, die Jakob ihm aufnötigte.

Er stand auch hier, in sein Vertrauen gezogen, grossmütig dem Verirrten zur Seite und belebte seine Hoffnung für die Zukunft. Jakob bestand indessen darauf, dass Lady Franziska ihre Verpflichtungen gegen Essex, der nun voll Liebe gegen seine junge Gattin zurückgekehrt war, erfüllen solle, und verbannte sie bei ihrer hartnäckigen Weigerung vom hof.

Hier unterhielt Overbury den Briefwechsel der Getrennten und blieb ihr Schutz gegen Jakobs härtere Maassregeln.

Aber die zügellose leidenschaft der durch Widerspruch Gereizten hinterging die vorsichtige Sorgfalt ihres edlen Freundes; sie fanden Mittel, sich ohne seine hülfe zu sehen, und vollzogen, gegen den Rat ihres Wohltäters, ihre in jeder Beziehung unrechtmässige Vermählung.

Mit dem ganz edlen Zorn eines boshaft hintergangenen Freundes sagte sich Overbury nach dieser Entdeckung von den bisher Beschützten los, und ihrer eigenen Torheit überlassen, ward ihr geheimnis nur zu schnell dem Könige verraten, und Beide wurden in den Tower gesetzt.

So aus dem glänzenden Leben ausgestossen, dem Beide ganz ergeben, entwickelten sich alle die gehässigen, schon bereit liegenden Laster Franziskas, und ihren Gemahl, dessen indolenter charakter mehr gewährend, als mit handelnd war, gänzlich beherrschend, schwur sie ihrem Wohltäter