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Wenn sie wollten, betonte spöttisch lächelnd der Hochwürdige, aber sie wollen nicht. Kennt Ihr den Irrtum nicht, an dem der hochmütige Geist dieser Herzogin von Nottingham hinkrankt? Er hindert sie, die Flucht des Fräuleins zu rügen, wie sie sonst nicht unterlassen würde. Streng hat sie jede Nachforschung gehindert und verpönt, und dennoch hat diese Ausflucht, die sie sich gestattet, der Welt ein geheimnis zu entziehn, das ihrem Hochmute so verletzend wurde, ihr Gewissen in ein Heer von Vorwürfen gestürzt. Sie glaubt sich halb und halb verpflichtet, die geträumte Sünde ihres Gatten an diesem Wesen gut zu machen, und dass sie der Lockung nicht widerstand, diese saure Pflicht von sich abzuschütteln, reizt ihren stolzen Geist, der vor sich selbst bewundernd dastehn möchte. Und dass sie jede wirksame Verfolgung hinderte, dass sie von Archimbald, der leicht sich zu beruhigen weiss, streng begehrte, ihre Söhne zurück zu halten, beweist genug, dass sie der Versuchung unterlag. Denn allerdings muss sie dieselbe in Membrocke's Händen jetzt nach so langem Zögern für verloren halten, und der Gedanke daran quält sie und entfernt sie doch eben immer mehr von dem Wunsche, sie wieder aufzufinden.

Das gönne ich ihr von Herzen, rief behaglich freundlich die Lady; in ihre eignen Fallen müssen diese Heuchler sich verstricken; besser möchten sie sein, als Andere, um hochmütig herabsehen zu können. Wenn wir der reizenden Sünde in unsern Wegen nicht auszuweichen wissen, ziehen diese Heuchler selbst das Bild der Tugend, womit sie prunken, zu dem Dienst ihrer Sünde hin. Ja, ja, es ist Alles eins. Nur wird der Eine von der Welt gezüchtigt, der Andere dagegen in seinem schwachen Herzen, und der Zufall ist bei Beiden der geschäftige Wirbelwind, der darüber fährt, und nach allen Ecken hin verwechselt und durch einander wirft, was die jämmerliche Klugheit der Menschen gesondert zurecht legte.

Kann man sich Tolleres denken, als dass dieser nekkische Zufall das Mädchen, auf dessen haupt ein unsichtbares Diadem geruht, welches behütet und bewacht war von Allem, was Schlauheit und List nur erdenken konnten, nun verschmachtend, mit Wunden bedeckt und ausgestossen aus aller menschlichen Verbindung, eben auf die Schwelle derjenigen niederlegt, die ihre natürliche Feindin schon um ihres Antlitzes willen ist, und welche nun sogleich geschäftig Alles in ihrer Einbildung so anordnet, dass ihr daraus die höchste Züchtigung ihres eiteln Herzens erwachsen muss. –

Auch uns, erwiderte der Pater, überraschte dies Ereigniss, das so wenig vorher zu sehen war. Immer war dies Kind uns wichtig, und unsere Absichten mit ihr und dem ganzen geheimnis haben oft gewechselt. Um die spanische Verbindung zu hindern, wäre sie eine vortreffliche Erscheinung geblieben, denn ehelich war Karl verbunden, darüber sind die Beweise vorhanden; doch allerdings war es nur ein letztes Mittel, welches zwar jene, aber auch die Verbindung mit Henriette von Frankreich gehindert oder doch verzögert hätte, vielleicht bis zu dem ungelegenen, sich nahenden Moment seiner grösseren Freiheit als König.

Und es ist nicht zu läugnen, Buckingham hat uns gedient, indem er sich zu dienen glaubte, in unserm Solde. War der Prinz nicht auf dieser tollen Reise, wo Jeder heimlich sein verkapptes Interesse unter dem Scheine von Vertrauen barg, mit Buckingham, so konnte Vieles nicht geschehen, und höchst wahrscheinlich war das Mädchen unserer Macht entzogen, wenn wir durch Porter auch in Kenntniss ihres ferneren Schicksals blieben.

Eben so war es nötig, dass Lord Nottingham in Madrid starb und sonach im haus seiner Gemahlin ihr der wahre Schutz fehlte, der einzige, der alle Zweifel der gekränkten Gattin hätte lösen, und damit uns eine höchst unwillkommene Entdeckung veranlassen können, die dem Prinzen augenblicklich zu ihrem Wiederbesitz verholfen hätte.

Uns war der Ort, den der Zufall ihr angewiesen, nicht erfreulich, bis wir über ihr ferneres los Befehle einzogen. Kaum war zu erwarten, dass Buckingham, obwol sehr gegen unsern Plan, durch die Ueberraschung, die der Prinz erlitt, Teilnehmer des Geheimnisses, sie gerade bei den Nottinghams suchen würde. Doch bestand der Kardinal damals, da der Tod der Mutter das Hinderniss für Frankreich aufgehoben hatte, darauf, dass wir diese Störung beseitigten. Es war nächst der geheimen Klausel des Ehekontrakts nicht der unwichtigste teil von Mazarins Sendung, sie selbst mit hinweg zu führen; denn schon fürchtete der schlaue Staatsmann die neue Unterjochung des neuen Königs durch den alten Einfluss Buckinghams, und wollte eine mögliche Steigerung nimmer wagen. Doch verzichtete er endlich auf die schnelle Ausführung dieses Planes, da wir ihm Nachricht gaben, wie der schlaue Herzog mit grosser List sie aufgefunden und unter tausend Torheiten seines Freundes Membrocke einen Plan entworfen, ganz dazu geschaffen, sie uns ohne das geringste Aufsehn in die hände zu liefern.

Ein Kinderspiel war es fürwahr, da die Chiffern des Herzogs uns alle durch Maxwell bekannt sind, den tollen Tropf, den Membrocke, so lange umher zu jagen, bis wir sie unterdessen mit aller Sicherheit seiner Nachforschung entzogen. –

Alles gut bis dahin, sprach Lady Sommerset, aber Ihr spielt gewagtes Spiel. Hier sollen wichtige Interessen, wie unläugbar Buckinghams Macht ist, wenn sie auf den nächst zu erwartenden Monarchen übergeht, durch ein Weib aufgewogen werden, die da jung, mit einer seltenen Schönheit und dem Anspruch einer hohen Geburt begabt, sobald sie sich dessen in der Welt bewusst sein wird, gewiss Alles, was Ihr auch bei ihr eingeleitet zu haben glaubt, von sich werfen wird, wenn es