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Torheit ihrer Aeltermutter, dieser berüchtigten Maria von Schottland, in jedem zug ihres glatten Gesichts? Sperrt sie lieber heute als morgen ein, und lasst jede Hoffnung auf ihre Bekehrung fallen. Damit werdet Ihr wenigstens so viel erreichen, dass Ihr diesem verabscheuungswerten Buckingham seinen auf sie berechneten Triumph entzieht; Ihr werdet über sie keinen feiern. dafür nehmt das Wort einer Frau, die nicht umsonst Menschen gesehen hat.

Pater Johannes schwieg nach dieser Rede, und es war ihm deutlich anzusehn, dass er nicht viel bessere Hoffnungen nährte.

Pater Clemens, sagte er dann, rühmte uns die Güte ihres Herzens und die kindliche Hingebung in den Willen älterer Personen. Darauf mussten wir bei unserer Behandlung hinzuwirken suchen, und darum habt Ihr mit Euerm rauhen Empfang so ganz verkehrt gehandelt.

Ha! rief die Lady mit ziemlichem Ungestüm, wenn ich nur nicht verständige und erfahrene Männer von Güte des Herzens und Hingebung in Anderer Willen müsste schwatzen hören. So lange der Wille Anderer den Gelüsten des eigenen Herzens schmeichelt, so lange findet er uns bereit, ihm zu folgen, so lange sind wir gütig und nachgiebig; und fremde Leiden erwekken unsere Teilnahme so lange, bis wir für unsere eigenen sie vergeblich suchten. Leerheit des Herzens wie des Lebens, mit einem Worte die Zeit der Jugend, verbreitet nach Aussen diesen törichten Schein, aber wer hat ihn nicht weichen sehen, sobald die Begierden des Herzens erwachend dem Willen eine Richtung geben. Dasselbe gute Herz, das mit seiner Leerheit Euch täuschet, unterstützt dann die Vorschläge der Leidenschaften, und kein fremder Wille wird es nachgiebig finden, von dem Wege abzuweichen, auf dem dies gute Herz fort stürmt, unbekümmert um die Niederlagen, die es dabei anrichtet. Franziska Howard hat nicht umsonst gelebt: Damals hiess sie auch ein gutes, sanftes Kind, als der alte, schwachköpfige König die Familien Essex und Howard vereinigen wollte, und man mir die Puppe und Essex das hölzerne Schwert wegnahm, unsere hände zu einer spätern Vermählung an einander zu schmieden. Als aber Franziska den schönen Seimour sah und Herzogin von Sommerset werden wollte, da rühmte Niemand mehr ihr sanftes Herz; denn sie hatte einen Willen bekommen, und unbesiegbare Wünsche liessen sie den Willen Anderer verspotten. O, früh, sehr früh hat man mich gelehrt, was es mit dem Guten im menschlichen Herzen für eine Bewandtniss hat, und von ganzer Seele verachte ich die Heuchler, welche eine Stimmung zeigen, die ihnen mit dem ersten Hauch der leidenschaft verloren ging. Gebt Acht, fuhr sie fort, da Pater Johannes der Versuchung, solche sündliche Rede seines Beichtkindes mit dem Donner der Busse zu erwiedern, nicht nachgeben zu wollen schien, gebt Acht, wie lange ihre Nachgiebigkeit aushalten wird, wenn man sie hindert, in die Welt zurückzukehren, wohin jeder Pulsschlag ihres eiteln Herzens sich drängt.

Darum, hob Pater Johannes jetzt an, sei der Widerstand, den sie erfahre, ein unmerklicher, dass sie nicht im Streite Kräfte finde, die am ersten absterben werden in der öden Gleichmässigkeit einer Geist tödtenden Lebensweise.

Ein kurzes widriges lachen aus dem mund der Lady gab ziemlich verständlich Kunde von ihrer Würdigung dieser Worte.

Pater Johannes liess dies unbeachtet vorüber gehen und fuhr mit Ruhe fort:

Unsere nächsten Nachrichten werden uns den Tod des Königs melden und die Ankunft der neuen Königin; dann werden Stürme beginnen, unabsehbarer vielleicht, als wir jetzt ahnen können. Die Königin wird unseres Einflusses bedürfen; denn Misstrauen empfängt sie um ihres heiligen Glaubens willen an der Grenze dieses Landes. Es ist nicht unbekannt geblieben, dass geheime Artikel Karls Macht in seinem haus beschränken, und abenteuerlich genug malt man das Unbekannte aus. Jetzt gilt die Frage, ob sie Karls Herz besitzen wird. Zwei Leidenschaften teilen sich in ihn, die Sucht des Selbsterrschens, und der düstere Gram um den Tod der Jugendgeliebten und um das einzige Kind dieser Ehe. Hält Karl die Gattin deshalb fern von seinem Herzen, dann wäre der grosse Wurf zu wagen, seine Tochter der Königin zum Geschenk zu senden. Wer sie ihm bringt, wird grosses Recht an seine Liebe haben, und die Königin wird die seltene Gelegenhett erhalten, eine Grossmut ihm zu zeigen, für die er dankbar sein muss. –

Und die Tochter, unterbrach ihn die Lady, die Tochter wird der katolischen Gemahlin das Widerspiel halten, Buckingham wird die weltlich gesinnte Nichte in sein Interesse ziehen und für sein grenzenloses Reich der Gewalt eine neue Stütze finden. –

Um darüber entscheiden zu können, muss man etwas Höheres glauben, als Ihr es noch vermögt. Dies Mädchen wird nicht mit dem lasterhaften Buckingham gegen ihren Vater sich verbinden. –

Aber, fiel sie rasch ein, gegen die katolische Königin wird die Ketzerin den Vater zu sichern suchen. –

Dies wäre eher möglich, und dies bleibt noch zu erwägen. Um aber über diesen Punkt völlig sicher zu werden, wird sie hier fest gehalten und Proben unterworfen, die jeden Zweifel darüber aufheben können. –

Gut, gut, ich wünsche Euch Glück dazu. Doch die Welt ist erst der Magnet, der aus dem Schacht des Herzens die verborgenen Erze ans Licht zieht, und zwar von solchem Gehalt, als dieser mächtige Magnet allein zu wecken und festzuhalten weiss. Seid Ihr ausserdem aber so völlig sicher, dass sie hier verborgen bleibt? Fürchtet Ihr nicht die tausendarmige Macht des gut bedienten Buckingham, nicht diese Nottinghams, die, den listigen Archimbald an der Spitze, viel vermöchten, wenn sie wollten? –