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erkenntnis darein, dieser jungen und, wie mir scheint, äusserst übermütigen person eine Bevorrechtigung zu gewähren, die nur alle jene eiteln weltlichen Gedanken nähren wird, von denen ihr Kopf sichtlich erfüllt ist; auch muss ich mir einige Bestimmungen über die Dauer solcher Nachsicht vorbehalten.

Die Bestimmungen, denen wir beide gehorchen müssen, werden nicht ausbleiben, erwiderte eben so trocken der Angeredete; und die vorzüglichste Dienerin der heiligen verfolgten Kirche wird über ihre Stellung zu diesen Willens-Meinungen nicht im Zweifel sein.

Auf dem gesicht der Lady zeigte sich während dieser Worte ein Kampf widerwilliger Art, und es kostete ihr sichtliche Mühe, eine Mässigung zu behaupten, wie dieser aufgenötigte Gehorsam sie ihr auflegte. Doch war es unverkennbar, dass die ältere Gewohnheit tyrannischer Eigenherrschaft sich mächtig gegen die strengen Anforderungen eines Gehorsams auflehnte, an den sie sich nie ohne Bitterkeit erinnert fühlte. – Genug, genug! Ich sage nicht, dass es für jetzt anders sein soll; nur, wie lange, werde ich mit Eurem geistlichen Rate in überlegung ziehen; denn allerdings ist es das Schloss der Howards, in dem wir uns befinden. –

Ja, vollendete der Hochwürdige diese Rede, und im

Besitz der hochwürdigen äbtissin zur heiligen Ursula.

Höhnisch warf sie den Kopf zurück, und die immer

noch stehende Maria nun wieder ins Auge fassend, sprach sie heftig und rauh:

Die weltliche Haube will ich nicht wieder sehen;

Schwester Electa wird Euch einen passenden Kopfputz bringen. Eure Kleider habe ich Euch noch für einige Zeit gestattet. Ihr werdet früh zur Messe erscheinen, im Refectorium zu Mittag essen und die Vesper halten; dazwischen wird der hochwürdige Pater Johannes Euch Unterricht erteilen, und in dem Maasse, als Ihr fortschreiten werdet in der Entsagung von Euern Irrtümern, werdet Ihr – –

Ueberlasst mir das Weitere, unterbrach sie Pater Jo

hannes, der die Vollendung ihrer Rede nicht zu wünschen schien, und wahrnahm, wie Maria, von dieser übeln Behandlung erschüttert, kaum aufrecht zu stehen vermochte. Er näherte sich, aus seinem Versteck hervortretend, dem zitternden Mädchen und führte sie selbst, von Electa unterstützt, zur Tür hinaus.

In dem kleinen Schlafzimmer hielt er sie an. Lasst

Euch, sagte er beruhigend, durch den lobenswerten, aber etwas heftigen Eifer der hochwürdigen Frau nicht erschrecken. Ihr werdet darunter nicht zu leiden haben, so Ihr Euch sanft und aufmerksam zeigt.

Maria wollte reden, gleich auf der Stelle wollte sie jeden Zweifel aufheben über das, was man von ihr zu erwarten habe, aber ein krampfhaftes Schluchzen war der Tribut, den ihre geängstigte natur verlangte. Vergeblich bemühte sie sich, deutlich zu sprechen, sie brachte nur abgerissene und unverständliche Worte hervor.

Ich sehe Euch wieder, unterbrach Pater Johannes diese missglückenden Versuche; überlegt wohl, was Ihr sagen wollt, Euch wird weder Rat, noch Trost fehlen, aber hütet Euch, durch Widerstand in Kleinigkeiten Eure Verhältnisse hier mutwillig schlimmer zu machen. – Schwester Electa, ich vertraue die Bekümmerte Eurer Vorsorge und Euerm Troste. – Geht, geht, setzte er abwehrend hinzu und verschwand hinter der Tür in das Gemach, das sie verlassen, während Maria, von Electa geführt, den Weg nach ihren Zimmern zurücklegte.

Ich denke, man hat uns da eine schwere Pönitenz auferlegt, hochwürdiger Herr, begann die erzürnte Lady, völlig ihrer übeln Laune hingegeben, als der Pater Johannes mit ernstem und ruhigem Antlitze eintrat. Ein Aergerniss, denke ich, für Alle, die zu einer höhern Begnadigung in dies Haus gelangt sind.

Wenn die Aufgabe schwer ist, die man uns gab, so ist es nicht an Euch, dies zu rügen, erwiderte in gänzlich verändertem, strengem Tone der Geistliche, da nur schwierige und widerstrebende Ausübungen Euch die Wohltat erzeigen können, Euren Geist von den Makeln der Welt zu erretten, die noch in zu grosser Stärke Euch anhängen. Ich denke, es gehörte nicht zu Euern Aufgaben, die junge person, die wir Euch zuführten, mit einer Strenge zu empfangen, die sie verschüchtern und gar zum Widerstand reizen wird. Sie musste zutraulich gemacht werden, sie musste die wohlwollendsten Gesinnungen bei uns annehmen können, dann sicherten wir uns ihre Aufmerksamkeit, ihre Nachgiebigkeit und Gewöhnung, und der Einfluss eines einförmigen, von aller Zerstreuung fernen Lebens, dem sie hier anheim fiel, ward dem heiligen Vorhaben günstig. Ihr habt jedoch, gleich dem hochmütigen kind der Welt, Euerem eiteln Herzen und seiner Lust, zu kränken und zu verachten, Genüge getan, und wahrscheinlich mehr Unheil in wenigen Minuten angerichtet, als in unserer Macht liegen wird, je wieder gut zu machen. Ich brauche Euch nicht zu sagen, wie weit Ihr dadurch Euch von den Pflichten entfernt habt, deren strenge Erfüllung doch das einzige Mittel ist, Euch hier den Schutz zu sichern, dessen Ihr bedürft, dort aber die Vergebung Eurer Sünden und die Errettung von ewiger Verdammung.

Diese harte und strenge Rede wirkte gleich einer Bannformel über das gereizte Wesen der Lady. Erschreckt von dem blossen Tone ihres Beichtigers, senkte sie beim Anfange seiner Rede schon das Haupt, aber die harten Worte verletzten so sichtlich ihr verwöhntes Gemüt, dass sie bald wieder auffuhr, und mit blick und Mienen ihre Empörung anzudeuten suchte. Da der Geistliche aber die Streiche seiner Worte schärfte, trat nach und nach die Furcht ein, welche man durch die stärksten Mittel als das einzig mögliche Joch ihr übergeworfen hatte, und alsbald zeigte sich auch Zerknirschung, welche ihr die zuletzt gebrauchte Drohung