den weiten Hof, der mit den schwarzen Gestalten des Zuges überdeckt war.
König Jakob hatte, sowohl der Witwe sein Beileid zu bezeigen, wie auch dem Wunsche seines Ministers sich gnädig zu erweisen, den Oheim des verstorbenen Herzogs, Cecil, Graf von Salisbury, nach GodwieCastle gesendet, und derselbe war mit seinem grossen Gefolge und in der Begleitung der nächsten Verwandten, die alle zum Empfang der Leiche versammelt waren, auf die eingetroffene Nachricht, dass sein Neffe die Grenzen des väterlichen Gebiets überschritten, von Godwie-Castle, wo er den Tag zuvor angekommen, ihm entgegen gegangen, und hatte ihn unterstützt in der sorgfältigen und würdigen Anordnung des Zuges, der von da an bis an die Gemächer des Schlosses mit gleicher Ordnung fortgesetzt ward. Der Sarg ward im ersten hof von dem Rüstwagen genommen, auf dem er seinen weiten Weg zurückgelegt, und sechs junge Edelleute trugen ihn auf ihren Schultern. Voran schritt Jepson, den Stab, das Zeichen seiner Würde, vor sich hinhaltend, ihm folgten die höhern Beamten des Schlosses und der ausgedehnten herzoglichen Besitzungen, denen sich das Reisegefolge des Herzogs anschloss, zahlreiche und geprüfte Diener, unter ihnen Sir Eduard Ramsei, der als erster Kämmerer seinen Rang vor Allen hatte.
Dann erschienen die zahlreichen Edelleute der Nachbarschaft, an ihrer Spitze Sir William Ollincroft als vornehmster Edelmann der Grafschaft, zu welcher das herzogliche Geschlecht in einer Art von Oberhoheit stand. zwölf Pagen, mit den Achselbändern in den Farben des herzoglichen Wappens, gingen zur Seite der jungen Edelleute und trugen die Insignien der herzoglichen Würde nebst den Orden und militärischen Auszeichnungen des Verstorbenen. Ihnen folgten unmittelbar hinter dem Sarge die Verwandten, und an ihrer Spitze Robert, Graf von Derbery, der älteste Sohn und Erbe des herzoglichen Ranges, begleitet von Cecil, Grafen von Salisbury, und gefolgt von den bedeutenden Personen der nächsten Verwandtschaft und einem glänzenden zug von Fremden, nebst der vornehmeren und geringeren Dienerschaft aller Anwesenden.
Ein kleiner Raum trennte die Herzogin von den traurigen Ueberresten ihres höchsten Glückes und von dem geliebten Sohne, für dessen Leben und Gesundheit ihre Seele so oft gezagt. Das Uebermaass ihrer Empfindungen siegte über ihre Schwäche, statt dieselbe, wie ihre Getreuen fürchteten, zu mehren. Als der Geistliche mit seinem Gefolge aus der Kapelle an ihr vorüber ging, den Sarg an der Schwelle einzusegnen, hatte sie Kraft, ihm zu folgen. fest ergriff sie die hände ihrer Töchter, und emporgerichtet, als verschmähe sie es, den letzten Pfeilen des Schmerzes die blutende Brust zu entziehn, folgte sie den Dienern der Kirche mit sicherm Schritt. Man hatte den Sarg in der Mitte des Gefolges an der Schwelle harren lassen, den Segen der Kirche zu empfangen; die Herzogin blieb in gemessener Entfernung stehen; in einem Kreise um sie her ihr schwarzgekleidetes Gefolge. Als die Geistlichen auseinander traten und sich der Bahre näherten, erblickte die Mutter zuerst den Sohn, dessen jugendliche Schönheit wie erstarrt schien in der rührenden Blässe eines tiefen Schmerzes; aber sein Auge sandte einen blick zu ihr hinüber, welcher das Herz erreichte und die ganze Fülle des mütterlichen Gefühls erweckte. Der feierliche Augenblick hinderte jede Annäherung, doch mit welcher Inbrunst beugten die tief Erschütterten auf das gegebene Zeichen das Knie zum Gebet! Wer möchte sagen, es hätte der Worte bedurft, dies Gebet des innersten Herzens Gott verständlich zu machen.
Ehe jetzt der Zug sich nach dem Trauersaal begab, lag Robert zu den Füssen seiner Mutter und empfing ihren Segen, und als sie einen Augenblick lang sich umfasst hielten, fühlten Beide die unnennbare Grösse ihres Verlustes und zugleich den Trost, den die natur ihnen in einander gewährt hatte. Von Lord Salisbury und ihrem Sohne geleitet, nahm die Herzogin Platz im Trauersaale auf einem erhöhten Sitze, dem Katafalk gegenüber, zu ihren Füssen knieten ihre Töchter, am obern Teile des Sarges ihr Sohn, am untern der Graf von Salisbury. Das übrige Gefolge nahm den weiten Raum umher ein, einen erhöhten Lehnstuhl mit der herzoglichen Krone und Decke freilassend, welcher rechts von dem Sitze der Herzogin noch unbesetzt geblieben war, doch nicht lange. Denn aus dem inneren raum der Kapelle schritt eine Dame hervor, auf zwei Frauen gestützt und von mehreren Pagen gefolgt, bei deren Anblick die Herzogin und ihre Töchter sich sogleich erhoben, und ihr mit allen Zeichen der Ehrerbietung entgegen traten. Sie war im höchsten Alter, schneeweisses Haar umzog das feine weisse Antlitz, auf dem der neue Gram nicht mehr den Frieden hatte stören können, der die geläuterte Seele schon zu einer Bürgerin höherer Welten erhob, wenn ihr Herz auch noch mit Engelsmilde die Leiden der irdisch Bewegten teilte. Es war die Schwester des Grafen Salisbury, die Gräfin von Burleigh und Witwe des Herzogs Robert von Nottingham, die ehrwürdige Mutter des eben verstorbenen Herzogs. Schwer empfand sie es, den Sohn vorangehn zu sehen, aber die Hoffnung, bald mit ihm vereint zu sein, nahm dem Schmerze seine trostlose Schwere, und nur an ihre geliebte Schwiegertochter denkend und an ihre teuern Enkel, verliess sie, trotz der hohen Jahre und der damit verbundenen Schwäche, ihren Witwensitz, durch sanften Zuspruch die Leiden ihrer Geliebten zu mildern. Bis jetzt war es ihr wenig gelungen, auf die unglückliche Gemahlin ihres Sohnes zu wirken, ihr, wie Allen, blieb sie unzugänglich; ja, nachdem sie die Pflichten der Ehrfurcht gegen die ehrwürdige Mutter ihres Gemahls erfüllt hatte, so stumm jedoch, mit so traurig zerstörtem Wesen, als ob nur der Körper sich in gewohnter Ordnung bewegte, war