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die sich meinem Danke entziehen, meine Verbindlichkeit noch höher steigen? Soll ich Euch das Glück dieser Wiedervereinigung verdanken? –

Mylady, Ihr findet mich hier an der Grenze meiner Wirksamkeit und Macht. Euch hierher zu führen, lauteten meine Vorschriften, ich erwartete hier weitere Bestimmungen zu finden, die jedoch ein ungewöhnlicher Zufall verspätet haben muss, und die Euern unfreundlichen Empfang verschuldet haben. Wenn die Vorschriften ankommen, werden sie entalten, was mit Berücksichtigung Eurer Sicherheit in Bezug auf diesen höchst gerechten Wunsch und seine mögliche Ausführung zu beschliessen ist. Geduldet Euch bis dahin, und überseht nicht, in nutzloser sehnsucht nach jenem Ziele, die Annehmlichkeiten, die Euch hier ein ruhiges, ungefährdetes Leben sichern. –

Und wisst Ihr wenigstens nicht mir zu sagen, ob mein Oheim bereits Nachricht von meinem Schicksal und jetzigem Aufentalte erhielt. Denn nachdem man gewagt hat, diesen teuern Namen zur Ausführung so böser Absichten zu missbrauchen, wie Ihr sagt, und wie tausend von mir nur mühsam unterdrückte Ahnungen mir bestätigen, zweifle ich nicht mehr, dass die ganze Erzählung über seine politische Stellung mit zu den Erfindungen jenes Verräters gehört. Sie einen Augenblick geglaubt zu haben, gereicht mir zur tiefsten Beschämung, da sie den erhabenen charakter des Mannes befleckte, den ich nie so anzugreifen hätte gestatten sollen. –

Das Schicksal dieses Mannes liegt mir zu fern, als dass ich Euch darüber Auskunft geben könnte; aber ich glaube annehmen zu müssen, dass es eine Wendung genommen, die ihn vielleicht augenblicklich aus der Lage setzt, Euch selbst Dienste zu leisten. Es wird ihm sehr zur Beruhigung gereichen, Euch in einer vollkommenen Sicherheit und in den anständigsten Verhältnissen zu wissen, da, wie sehr auch das Letztere in dem haus der Herzogin von Nottingham der Fall war, doch Eure Sicherheit sich als unzulänglich erwiesen hat. –

O Sir! seufzte hier Maria, wen trifft der Vorwurf anders, als mich selbst? Meine eigne leichtgläubige Torheit hat mich dem Schutze entzogen, der sonst ausreichend für alle andern Fälle war. –

Ihr habt darin nicht Unrecht, und ich mag es Euch um so weniger ausreden, da Euer Selbstvertrauen in den meisten Fällen weiter geht, als sich mit Eurer zarten Jugend und dem Mangel an Vertrauen verträgt, der notwendig damit verknüpft ist. –

Maria fühlte sich von diesem sanften Verweise des bejahrten Mannes, dessen Grundsätze und Ansichten sie mit Verehrung angehört hatte, wohltätig berührt, und da junge und gut geartete Personen sich stets zu denen hingezogen fühlen, die sie schonend auf ihre Fehler aufmerksam machen, so hätte Pater Clemens nichts vorteilhafteres wählen können, wenn es überhaupt sein Wunsch war, sich in der Gunst des Fräuleins festzusetzen. Sie hob ihre Augen mit einem so demütigen Ausdruck zu ihm empor, als hätte sie ihn allein beleidigt, und sagte mit sanfter stimme:

Ich sehe es wohl ein, dass Ihr ganz recht habt, und Eure Güte, mich daran zu erinnern, ist sehr gross. Ich bin viel zu früh dem Rate meiner Verwandten entzogen worden; alle meine Fehler sind daher unbeachtet geblieben, und ich selbst habe versäumt, mit Ernst darauf zu wirken. Aber gewiss will ich von jetzt an, da Gottes Güte mir eine Warnehmung durch Euch schickt, dagegen nicht länger nachsichtig sein. Darf ich Euch indess nun einen Wunsch gestehn, der sehr lebhaft in mir wird, seit ich weiss, dass ich betrogen ward.

Redet, liebe Tochter, erwiderte der Pater Clemens

mit dem väterlichen Tone, in den das fräulein ihm selbst so eben hineingeholfen hatte, mit Anteil will ich alle Eure Wünsche hören und fördern, was möglich ist.

Maria öffnete die Lippen, aber ein tiefes Rot

deckte plötzlich ihr unschuldiges Angesicht, und ihr Kopf sank auf ihre Brust. Nach einigen verlegenen Augenblicken hob sie schüchtern an:

Glaubt Ihr, verehrter Sir, dass eine aufrichtige Dar

stellung der Wahrheit und meiner damit verflochtenen Torheit die teure tugendhafte Familie versöhnen könnte, die ich durch meine unbesonnene Entfernung so tief beleidigt habe? und könnt Ihr mir, dies zu bewirken, einen Weg zeigen?

Pater Clemens hielt mit der Antwort zurück, und

hätte Maria nicht eben abgeschworen, ihrem Urteil unbedingt zu vertraun, so hätte sie nicht übersehen können, dass dieser Gedanke ihm sichtlich widerstrebte.

Es wird zu Eurer Rechtfertigung im Laufe der Zeit

sich sicher eine gelegenheit finden, erwiderte er nach einigem Bedenken; doch jetzt müsst Ihr durchaus Euch von Allen Schritten nach Aussen zurückhalten, da vorerst nur die spurloseste Zurückgezogenheit Euch vor den Nachstellungen des mächtigen Mannes bewahren kann, gegen dessen weitreichenden Einfluss selbst Euer Oheim Euch nicht zu schützen vermöchte. –

Nennt mir, teurer Sir, diesen furchtbaren Mann, der so verhängnissvoll für mein armes Leben ward, und zugleich seine Gründe, gerade mich zu verfolgen. –

Solltet Ihr nie den Namen des Herzogs von Buckingham haben nennen hören? Er ist es, der Euch verfolgt. Lasst Euch damit genug sein, dass er Euer Verderben wollte, und verlangt nicht, dass ich nähere Angaben mache, die zu erwähnen weder meiner geistlichen Würde ziemt, noch Euch sie anzuhören.

Maria schwieg, wie gelähmt vor Schrecken und Abscheu; erst nach langer Bekämpfung der dadurch erregten Schmerzen fuhr sie schüchtern fort:

Und bin ich hier sicher? Werde ich hier nicht erreicht werden? und wer lässt mir hier Schutz angedeihen? Wem habe ich nächst Euch zu danken? –

Den mächtigen Obern meines Ordens, die in diesem haus, welches unter ihrer besonderen Macht steht, schon manche von der