, glanzlosen Augen, und das Lächeln des Wahnsinns um den lippenlosen Mund. Schaudernd trat Maria zurück, aber angezogen schien die grässliche Erscheinung von ihrem Anblick, sie folgte ihr nach, den mehrarmigen Leuchter gegen sie vorstreckend, und je länger sie mit ihren furchtbaren Augen sie anblickte, desto mehr gewann ihr starres Gesicht einen gemischten Ausdruck von Erstaunen und Wut.
Wer bist Du? sagte sie mit heiserer stimme, ich muss Dich kennen! Sie rieb die Stirn, und wieder vordringend, rief sie, höllisch lachend: Du bist so ein Spuk aus der grossen Welt, woraus sie mich vertrieben. Ha, jetzt kenne ich Dich! Doch von wannen kommst Du? Wer brachte Dich hierher? Sendet Dich der Knabe Villiers, den sie Herzog nennen? Ha, ha, ha, ha! Du bist es, und kennst Du mich, die schöne Franziska Howard?
Komm, komm! Du entgehst Deinem Schicksal nun nicht, bist Du doch von seinem Blute! Ha, die Rache ist süss, sehr süss. –
Gierig streckte sie die Hand aus und ergriff Maria's Gewand, welche, vergeblich mit dem Entsetzen kämpfend, ihre Knie wanken fühlte und, als die kalte Hand des Weibes ihren Hals umspannte, ihrer Sinne beraubt zur Erde sank.
Als sie die Augen wieder aufschlug, leuchtete der frühe Morgen matt durch das hohe Fenster. Langsam kehrte ihr Bewusstsein zurück, und sie sah nun, dass sie in dem grossen Himmelbette ihres Schlafgemachs lag, und dass mehrere Personen um sie beschäftigt waren. Ein Versuch, sich zu bewegen, liess sie einen Schmerz und eine Lähmung ihres Armes fühlen, und jetzt überzeugte sie sich, dass man daran eine Ader geöffnet, woraus das Blut sich vor ihr in ein Becken ergoss.
Es waren dies Alles die Wahrnehmungen eines noch halb ohnmächtigen Geistes, der sich selbst noch nicht wieder vereinigt fühlt mit den Zuständen des Körpers.
Sie erkannte den Reisegefährten, der die Lanzette geführt hatte; sie sah Margarit auf ihren Knien, das Becken haltend; sie fühlte sich in den Armen einer fremden Frau, deren mildes schneeweisses Gesicht sich dicht neben dem ihrigen zeigte; aber sie hätte sich nicht gleichgültiger dabei fühlen können, wenn sie eine mit diesen Gegenständen bemalte Holztafel gesehen hätte. Nachdem der nötige Verband umgelegt war und sie aus den Armen der Frau sanft in die Kissen sank, und die grünen Vorhänge des Bettes sie in eine angenehme Dämmerung hüllten, sanken ihre Augenlieder ermattet nieder; der Schlaf trat an die Stelle der tiefen Ohnmacht und vereinigte den durch Schrecken verstörten Geist mit dem genesenden Körper.
Nach einem langen und erquickenden Schlaf erwachte das fräulein mit der angenehmen Empfindung wieder hergestellter Kräfte. Die Ruhe, die ausserhalb der Vorhänge ihres Bettes herrschte, war indess eine Wohltat, welche sie sich zu verlängern suchte, da ihr Geist sogleich zu arbeiten begann, um teils die begebenheiten der letzten Stunden sich zurück zu rufen, teils ihre Beziehungen zu sich selbst herauszufinden. Aber ihre Phantasie hatte vor dem letzten Ereigniss einen zu tiefen Eindruck empfangen, um nicht immer darauf zurück kommen zu müssen. Der Name Franziska Howard, den die grauenvolle Erscheinung sich beigelegt, gehörte einem Wesen, dessen Name mit jenem tiefen Abscheu in England genannt ward, womit man Verbrechen bezeichnet, die in einer zu hohen Sphäre sich begeben, um in ihrer ganzen Wahrheit zur Anschauung des Volkes zu gelangen.
Maria war damit unbekannt, aber wenn sie den Aeusserungen dieser elenden Frau nachdachte, ward ihr die Ahnung eines durch Gewissensvorwürfe gestörten Geistes. Schaudernd dachte sie an die Nähe dieser Furie, die in ihren Phantasien sie zu einem bekannten gegenstand ihrer Wut gestempelt hatte. natürlich prüfte sie jetzt ihre ganze übrige Lage, und was unter so bedrohlichen Umständen ihr etwa noch für Schutz geblieben sei, und bei dem Zurückkommen auf diesen Gegenstand, fühlte sie sogleich eine lebhafte Anerkennung der von Margarit und Miklas ihr bewiesenen Sorgfalt.
Es war klar, dass Miklas die Tür verwahrt hatte, sie vor dem umherwandernden Spucke zu schützen, dass Margarit, davon unterrichtet, vielleicht um sie nicht zu beunruhigen, den Grund verschwiegen, ihr eigener Ungestüm aber diese gütige Vorsorge verhindert hatte, da durch ihr Geräusch an der Tür und ihr Rufen offenbar der schreckliche Gegenstand herbei gezogen worden war.
Erwärmt von dem Gefühl, hier eine ihr zugewendete gute Absicht anerkennen zu dürfen, und lebhaft bewegt von dem Wunsche, das dabei von ihr selbst Verschuldete gut zu machen, griff sie schnell in die Vorhänge des Bettes, und sie zurückdrängend, sah sie Margarit an dem Fussende ihres Bettes auf einem niedrigen Stühlchen sitzen und an dem Netze knöpfeln, das auf ihren Knien ruhte.
Ein freudiger Ausruf des lieben Mädchens begleitete ihr Aufblicken, und an dem Bette niederstürzend küsste sie kindlich jubelnd die hände ihrer Lady und konnte nicht müde werden, sich über ihre gehoffte Genesung zu freuen.
Aber, setzte sie schüchtern hinzu, teure Lady, zürnt Ihr mir und meinem alten Vater auch nicht mehr?
Gutes Kind, erwiderte Maria, wie rührt mich Deine Sanftmut und Güte, da ich allein die bin, die über Dich so viel Schrecken brachte, indem ich die Vorsorge Deines Vaters und Deine eigene Schonung verkannte, in meiner Heftigkeit nur mir selbst folgte und Alles dadurch herbei zog, wogegen Ihr mich zu behüten trachtet. Vergieb Du mir dagegen und sei gewiss, ich werde Deine guten Absichten nicht wieder missverstehn.
Ach, teure Lady, Ihr seid wie ein heil'ger Engel, rief Margarit, wie hätte