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denen Kerzen brannten, erleuchtet, sich das Bild einer Mutter Gottes mit dem kind zeigte, von einer so himmlischen Schönheit in Ausdruck und Farbe, dass Margarits Bewegung, womit sie sich augenblicklich davor bekreuzte und das Knie beugte, natürlicher erschien, als ihr schnelles Uebergehen zu den andern Gegenständen des Gemaches.

Das Bild ruhte auf einem Untersatz von ebenfalls schwarzem Marmor, welcher ziemlich deutlich die Form eines Altars hatte, vor welchem ein kleines Betpult stand, worauf sie ein aus ihrer Reise-Equipage entlehntes griechisches Neues Testament erkannte.

So schön und sinnig auch diese Einrichtung getroffen war, fühlte Maria doch mit ihrem richtigen Gefühl eine Absichtlichkeit heraus, die sie fast verletzte, und früher als der Gegenstand es verdiente, wendete sie sich davon ab, ihr kleines liebes Eigentum von dem Betpulte wegnehmend und es auf ein Tischchen neben ihr Bett legend.

Nun, teure Lady, rief innig befriedigt Margarit, seid Ihr denn nicht ganz zufrieden mit Eurer wohnung, und wollt Ihr die kleine Margarit als Eure gehorsame Dienerin annehmen?

Beides, beides, sagte freundlich Maria, sogleich jugendlich in die heitere Stimmung ihrer kleinen Dienerin eingehend, und nun bitte ich Dich, mein Gepäck etwas zu ordnen, welches ich hier angehäuft sehe.

Ja, teure Lady, vertraut das mir, erwiderte Margarit, und erlaubt vorerst, dass ich Euch Eure Haube abnehme und ein wenig Eure Reisekleider wechseln helfe, denn das wird Euch erquicken und Lust machen zur Abend-Mahlzeit, die mein Vater indessen für Euch servirt.

Mit vielem Geschick unterzog sich die Kleine jetzt ihren neuen Dienstleistungen, wobei ihr die unendliche Fülle und Schönheit von Maria's Haar manchen Ausruf des Erstaunens entlockte, wie sie überhaupt jetzt erst die hohe Schönheit ihrer neuen Herrin erkannte und von einer fast scheuen Ehrfurcht davor erfüllt ward.

Maria fühlte sich von dem langentbehrten Behagen an einer gewohnten weiblichen Bedienung und den kleinen Annehmlichkeiten einer bequemen Einrichtung erheitert, und stets sich ihren Empfindungen hingebend, ermüdete sie nicht, anmutig scherzend ihre kleine Dienerin anzuleiten, so dass, als endlich der erquickliche Wechsel der Kleider beendigt war, Beide mit heiterer Stirn der Einladung folgten, welche der alte Herr zum Abendbrod ergehen liess.

An der Tür des Vorzimmers, welches zu ihrem Speisezimmer bestimmt war, schulterte der alte Vogt und überreichte ihr auf einem silbernen Teller einen fein gebrochenen Streifen Papier, auf dem sie in italienischer Sprache die Worte fand: Hoffet und seid getrost!

Dazu fühlte sie sich in ihrem inneren vollkommen geneigt, denn ihr war in hohem Grade die glückliche Gabe zu teil geworden, mit jedem Augenblicke abzuschliessen und, immer klar in ihrer Stimmung, Jedem sein Recht, sei es in Schmerz oder Zufriedenheit, zu gönnen. Ihr junges, unerfahrenes Leben machte sie noch kindlich sicher, den guten Worten vertrauend, die man ihr bot, und diese jugendliche Hingebung fand doch Schranken in einer seltenen Schärfe der Beobachtung und einem höchst zarten und weit reichenden Gefühlsvermögen. Sie verlor daher nur selten ihre Sicherheit und Ruhe, was, ihr unbewusst, in diesen Eigenschaften begründet und, vielleicht früh von ihren Erziehern erkannt, so schön entwickelt worden war.

Freundlich das Streifchen in der Hand zerdrückend, schritt sie vor und ergötzte sich an den schönen Verhältnissen des hohen, hell erleuchteten Gemachs.

In der Mitte desselben stand ein kleines Tischchen, mit einem Couvert belegt, wovor ein unermesslich hoher Lehnstuhl gerückt war, dessen goldene, mit bunt benähtem Sammet bedeckte Wände verschiedene erblichene Wappenschilder zeigten.

In einiger Entfernung stand ein mit reichem Silbergeschirr bedeckter Schenktisch, auf dem die angerichteten speisen dampften.

Ei, sprach Lady Maria, freundlich alle diese Anordnungen beobachtend, Du hast sehr angenehm für meinen Hausstand gesorgt, lieber Alter! Ich muss Dir Dank sagen, wenn Du Haus-, Hof- und Küchenmeister zugleich warst; es ist Alles aufs Beste eingerichtet, um nach einer beschwerlichen Reise angenehm ausruhn zu können.

Sie richtete dabei ihre Augen huldreich auf Miklas und fand ihn in ihrem Anschaun so ganz verloren, dass er kaum ihre Worte verstanden haben mochte, und wir müssen es unentschieden lassen, ob etwa eine andere Gedankenverbindung in ihm bei dem vollen Anblick des Fräuleins aufstieg. Als sie sich indess dem Tische näherte, eilte er herbei und rückte ihr den Stuhl, sie ehrfurchtsvoll bedienend.

Die durch manche Entbehrungen erregte Esslust des jungen Fräuleins gewährte dem Vater und der Tochter hinlängliche Genugtuung für ihre Bemühungen. Sie lobte die trefflichen Seefische und die saftigen Waldschnepfen, indem sie neckend einige fragen über Jagd und Jägerei des Schlossgeheges hinwarf, und die erglühende Margarit sogleich wegschickte, um ihr die auf dem Schenktisch stehenden in Zucker eingelegten Früchte zu holen.

Dem Alten ging, je länger, je mehr das Herz auf, seinem lieblichen Gast gegenüber. Wie stolz und ernst und ihrer Würde sich bewusst sie ihm zuerst erschienen war, sah er doch noch nie in einer und derselben Persönlichkeit so viel kindliche Unbefangenheit, eine so sorglose Sicherheit und eine Heiterkeit vereinigt, welche die Umgebungen in ihren Kreis zog, ohne ihnen je eine Verwechselung der Verhältnisse möglich zu machen.

Als er ihr am Ende des Mahles in einem zierlich getriebenen Silber-Geschirr einen kühlen Wein des überseeischen Frankreichs darbot, konnte er sein Entzücken kaum hinter seiner Ehrfurcht bergen, als sie lieblich lächelnd ihn auf der Zunge prüfte und dann dem alten Wein-Kenner ein wichtiges zeugnis über die Güte desselben abgab.

Wolle Gott Euer Gnaden jeden Tropfen zum Segen werden lassen! rief er fast gerührt.

Amen! erwiderte sie, sich rasch erhebend, indem er