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jungen Leute, was habt Ihr denn vor? Weiss denn Dein Vater darum?

Ach, das ist es eben, seufzte Margarit, glaubt Ihr wohl, dass er es nicht leiden will, dass Lanci mich besucht? Lanci ist mein Vetter, wir wurden gross zusammen, und darum haben wir uns so lieb. Mit eins musste Lanci aus dem schloss, bloss weil man zugesehen hatte, wie wir uns jagten auf dem Abhange. Sie taten ihn zu dem alten Förster im wald, und er soll mich nicht besuchen. Liebe Lady, da passt er denn zuweilen auf, wenn Reisende kommen, wie oft geschieht, und kommt so mit herein.

So, so, lächelte Maria, und da habe ich ihn heute Abend wohl hier eingeführt?

Ein schneller freundlicher Blitz aus seinen dunkeln Augen, welcher die Fragende traf, sagte Ja, und Margarit setzte nun verschämt hinzu: Seht, liebe Lady, das war meine Angst, als Ihr kamet. Denn Lanci, der schnell wie ein Reh ist, hatte mir schon das Zeichen gegeben, dass ich ihn einlassen sollte, und er klopfte immer wieder, weil er nicht wusste, was mich hinderte zu öffnen.

Und auf welche Weise wird denn Lanci eingelassen? fragte die Lady weiter. Beide schauten nach dem niedrigen Fenster und konnten dann ein kleines lachen nicht unterdrücken, was sie als schuldlos spielende Kinder bezeichnete, dass Maria unwillkürlich mitlachen musste.

Aber, sprach sie dann, sich zum Ernst zwingend, Ihr seid doch recht leichtsinnige Kinder. Hat es der Vater einmal verboten, so wird es grossen Lärm geben, wenn er Lanci findet, und mich däucht, das kann jeden Augenblick geschehen, und dann, Margarit, bist Du doch immer ungehorsam.

Ja, sagte hier der Jüngling, der gute alte Vater ist es aber gar nicht, der uns trennt; er muss es nur tun, weil es ihr Gnaden haben wollte. Er hat es mehr als hundert Mal gesagt, wenn ich ein ordentlicher Mann würde, sollte Margarit meine Frau werden.

Schweig doch davon, Lanci, rief Margarit dazwischen, wer wird davon sprechen.

Aber, sagte Lanci, die liebe Dame denkt sonst, wir sind schlechte Kinder. Wir tun es aber bloss heimlich, damit, wenn's herauskommt, der Vater sagen kann, dass wir beide Schuld haben, und wird Margarit dann fortgejagt, so heirate ich sie gleich.

Nein, sagte Margarit, nicht eher, als bis Du Jäger bist; das tue ich dem Vater nicht zu Leid, so lang Du Bursche bist.

Lanci warf den Kopf hinten über, wie Jemand, der es besser weiss und seiner Sache sehr gewiss ist.

Aber wenn Ihr doch auch dem Vater davon nichts sagen wolltet, setzte jetzt Margarit besorgt hinzu.

Wahrlich, sagte Maria, lächelnd den Kopf schüttelnd, ich werde ganz schwer von allen Deinen Geheimnissen. Wenige Stunden bin ich erst hier, und zwei wichtige Dinge willst Du schon mich zu verhehlen zwingen. Weisst Du wohl, dass das Letzte mir wichtiger scheint, als das Erste?

Beide sahen sich erstaunt und besorgt an, und rückten dann unwillkürlich dem Sitze Maria's näher, sie flehend anblickend.

Sieh, ich kann es gar nicht leiden, wenn junge Leute heimlich sind, fuhr Maria fort; gewiss habt Ihr schon zuweilen, um Eure kleinen Besuche zu verbergen, allerlei List und Lügen sagen müssen, und das ist immer gottlos und kann Euch verderben. Solltet Ihr Euch denn nicht treu bleiben, wenn Ihr Euch auch nicht sähet? Und wenn Lanci Jäger ist und ordentlich um Dich wirbt, wird er Dich schon zur Frau bekommen, da der Vater ihn lieb hat.

Treu bleiben, das ist nicht schwer, sprach Lanci, sich männlich aufrichtend, und wenn ich sie zanzig Jahr nicht sehen sollte, bliebe ich ihr treu; aber wenn ich nicht manch Mal hierher zu dem armen kleinen Dinge komme, dann hat sie gar keinen Spass mehr, und muss ganz umkommen in dem alten finstern schloss. Das könnt Ihr nur glauben, gnädige Lady, so um gar nichts bestehn wir all' die Gefahr nicht; gelogen hab' ich auch noch nie darum, und vielleicht bewahrt mich Gott davor, da er sieht, dass ich es aus guter Absicht tue.

Maria fühlte sich unwillkürlich von dem Gemisch von Liebe und kindlicher Reinheit gerührt, das aus Beider Wesen und Worten sprach. Margarit dagegen war durch des Geliebten Verteidigung wieder traurig angeregt. Maria fühlte wohl, wie schwer die Furcht einer Trennung auf sie wirke, und da sie den Verhältnissen, von welchen diese jungen Leute bedrängt wurden, noch so neu und fremd war, stellte sie gern ihr Richteramt ein, hoffend, der gute Engel, der so lange mit ihnen war, werde sie ferner schützen.

Gott sei Euch gnädig, sagte sie sanft, wie kann ich Euch raten, da mir Alles hier fremd ist? Ich kann mich nur durch Schweigen unschädlich machen, das will ich. Betet Ihr zu Gott, dass er Euch behüte und Euer Herz nicht in Unwahrheit verstricke! Ich will Euch nicht stören, mein Kopf ist ohnehin müde, lasst mich hier ausruhen, und sagt Euch ungestört, was Euer Herz erfreut.

Freundlich dankten die wieder kindlich erheiterten jungen Leute und zogen sich in den tiefen Fenstersitz zurück, während Maria ungestört ihren Gedanken nachhing.

Aber häufig geschieht es, dass unsere Phantasie aufhört tätig zu sein, wenn die Gegenwart