gepaart, sein Organ so wohltönend, dass eine mehr hervortretende Freundlichkeit nicht vermisst ward. Er war weit davon entfernt, gegen Lady Maria die Dienstbeflissenheit eines galanten Mannes anzunehmen. Ruhig nahm er wahr, was ihr nötig oder angenehm sein konnte, und er erteilte darnach seine Befehle, ohne jemals selbst sich einer Dienstleistung zu unterziehen. Ihre Anfangs dringenden Aufforderungen, sich über seine Absichten und Vollmachten zu erklären, und ihr zu sagen, ob sie noch das frühere Ziel ihrer Reise erreichen werde, wusste er ganz von sich abzulehnen, indem er mit der höchsten Milde immer aufs Neue wiederholte, dass sie ohne Furcht und sorge seiner Führung vertrauen könne, dass keine Art von Widerwärtigkeit sie treffen solle, so lange sie unter seinem Schutze sei, und dass ihr wahres Wohl bei dem Ziel ihrer Reise jetzt mehr bedacht werde, als früher. Dabei nötigte er sie aber, ohne Unterbrechung dieselbe fortzusetzen, und ihre Nachtlager waren nicht mehr in wohl eingerichteten Schlössern, sondern in Schlupfwinkeln und Ruinen oder unscheinbaren Hütten, die bei ihrem ersten Anblick wenig Aussicht aus eine menschliche wohnung gaben. Hier fanden sich Personen, welche so wenig zu ihren Umgebungen zu gehören schienen, dass Maria's edles Zartgefühl erschrak, als sie dieselben zu den niedrigen Diensten ihrer Aufwartung sich herablassen sah. Sie hörte hier auf den hölzernen Sitzen, bei mühsam verstopften Türen und Fenstern, und einem elenden Gericht von grobem Mehl, die hohen würdevollen Reden der gebildeten Welt und bemerkte eine Vertrauteit mit allen Formen dieser höhern Kreise, verbunden mit einer stoischen Verachtung der daran haftenden Eitelkeit. Wenn auch häufig in gleichem Maasse die tiefste Bitterkeit dabei hervortrat, erfüllte doch das Elend, wozu so gebildete Geister verdammt waren, das Herz Maria's mit Teilnahme, welche sie zur Verzeihung, ja, zur Verteidigung jeder dadurch erzeugten Härte stimmte. Sie ahnete bald, dass sie allein unter Personen sich befand, welche der verfolgten katolischen Kirche angehörten, die geneigter waren, im vaterland zu darben, als in andern Ländern geduldete Flüchtlinge zu sein. Auch schienen ihr die kolossalen Ruinen, in denen sie zu verschiedenen Malen einen mühsam geschützten Wohnort finde, trotz der Nacht, die sie hinführte und oft wieder vor dem Morgen davon wegrief, den zerstörten Klöstern anzugehören, wovon sie in der geschichte von der Ausrottung der katolischen Religion in England so viel gehört hatte.
Ihr Zartgefühl und die achtung für ihren schwermütigen gefährten hielt sie ab, sich darüber Gewissheit zu verschaffen; ja, sie fühlte bald ihr eigenes Herz so von Teilnahme für diese Märtyrer erfüllt, dass sie nur der eigenen achtung für sie genügte, wenn sie in ein ehrendes Schweigen alle weitern Ansprüche auf Erläuterungen begrub und damit das Vertrauen vergalt, das man ihr bei ihrem jedesmaligen Empfange bezeigte.
Sie zweifelte eben so wenig, dass ihr Begleiter, seiner Gesinnung nach, zu jenen Unglücklichen gehöre, und sein Reisegewand, obwohl es keine bestimmte Form der Kleidung erkennen liess, erinnerte sie doch, ebenso wie sein kahles Haupt, an das Kostüm der Priester jener Kirche. Auch ward ihre Reise durch sehr unbesuchte Wege fortgesetzt, und es schien ihr ebenso sehr das Bestreben ihres Begleiters, sich und sein Gefolge wie sie selbst zu verbergen. Ausserdem suchte er, während des Tages an dem Schlage ihrer Sänfte reitend, sie zu unterhalten, und dies auf eine so ausgezeichnete Art, dass der Lady oft die Stunden im Fluge vorüber gingen. Auch wusste er sie selbst zu Mitteilungen zu veranlassen, und bekannt mit allen Personen von Bedeutung, die in die Zeit seines Lebens gehörten, beantwortete er alle ihre fragen auf das Genügendste und mit mancher feinen Gegenbemerkung.
Hauptsächlich lenkte er oft seine Unterredungen auf religiöse Gegenstände und entwarf die erschütterndsten Gemälde von den Leiden und Unterdrückungen, welche die Katoliken in England von der Härte und Unduldsamkeit der Protestanten zu erleiden hatten.
Er wusste die Verfolgten zu Helden ihrer überzeugung zu machen, und die Stärke und Fülle des Trostes hervorzuheben, der ihnen aus ihrem Glauben erwachse; wogegen er mit einzelnen scharfen Zügen die Gegenpartei schilderte, als in einer von Gott verlassenen ruchlosen Verdorbenheit versunken.
Diese Erzählungen rührten um so mehr das Herz der Zuhörerin, da sie in ihrer eigentümlichen Zusammenstellung den Stempel der Wahrheit trugen. Auch konnte es an Stoff hierzu nicht leicht fehlen, bei der noch frischen Erinnerung an die wirklichen Greuel der Verfolgung, die unter Elisabet den vom volk gehassten Glauben vertilgen sollten. Auch Jakob war noch zu manchen ähnlichen Verordnungen durch die öffentliche Meinung gezwungen worden, wenn auch er, obwol selbst eifriger Protestant, Toleranz gern übte. Eigentliche Verfolgungen wurden gewiss von ihm weder gebilligt, noch veranlasst, aber dennoch zu wenig gehindert, um nicht zu den traurigsten Bedrükkungen gelegenheit zu lassen.
Maria fand sich bei diesen Unterredungen auf keinem fremden Boden; ihre Erzieher hatten die höchste Toleranz in religiösen Beziehungen gepredigt, und sie kannte sehr wohl den verschiedenen Standpunkt des Religionswesens unter den Regierungen seit Heinrich dem Achten. Sie so vorbereitet und klar zu finden, erregte offenbar die besondere Aufmerksamkeit ihres Begleiters, und seinen geschickten Bemerkungen tat sich bald die ahnungslose Seele seiner jungen Gefährtin zu einer unbefangenen Erzählung ihrer Erziehung und einer begeisterten Schilderung ihrer Erzieher auf; wodurch ihm mancher unerwartete Aufschluss über die geheimsten Religionsansichten der wichtigen person kam, die das fräulein als ihren Oheim bezeichnete.
Der Weg, den die Reisenden an dem vorliegenden Abend zurücklegten, war so verdorben und uneben, dass ihr Begleiter sich voraus begeben hatte, um die Gefahren zu untersuchen, die dem Transport einer Sänfte bevorstehen konnten. Langsam