habe ich zu meiner Rechtfertigung nicht. Ich bitte Euch, verzögert meine Reise nicht und überlasst mich dem Schutze des Lord Membrocke.
grosser Gott! rief Richmond mit der höchsten Heftigkeit, wie schrecklich müsst Ihr betrogen sein, da Ihr so im Rechte zu sein glaubt! Wie können wir Euch verlassen, da wir hieran nicht zweifeln dürfen! Mylady, hier ist Lord Ormond; er genoss Euer Vertrauen; ich beschwöre Euch, lasst ihn die Umstände prüfen, die einen mindestens so auffallenden Schritt veranlassten. Ormond, tretet näher; ich bitte' Euch, redet, bewegt das fräulein, Euch zu vertrauen. Gewiss, Ihr werdet hintergangen; o, misstrauet Eurer Jugend, Euerm Mangel an Erfahrung; Euer tugendhafter Mut, Euer offener charakter haben Euch verlockt.
Ormond war zwar näher getreten, aber wie gelähmt von dem Vorgefallenen und ihren eben gehörten Erklärungen. Die Worte erstarben ihm; er hob nur seine Augen zu ihr auf, in denen der Vorwurf mit dem Schmerze um den Vorrang kämpfte.
Es ist genug, rief Maria, allen ihren Mut sammelnd, ich werde nicht betrogen; unläugbare Beweise haben die traurige notwendigkeit bestätigt, der ich mich jetzt unterwerfe. Ich muss schweigen, aber vielleicht würdigt mich noch Gott dereinst des einzigen von mir ersehnten Glückes, mich vor Euch gerechtfertigt zu sehen; ja, vielleicht ist es mir durch diesen mich niederbeugenden Schritt dereinst noch möglich, meinen teuern Wohltätern nützlich zu werden. Lasst mich jetzt, Mylords, und richtet nicht, wenn es Euch möglich ist.
Ihr wollt fort von uns, stammelte Richmond, fort von Euern Freunden? Ihr verschmähet unsern Beistand, Maria, teure Maria?
Die Unglückliche verhüllte ihr Gesicht, ihr Mut war dahin, ihre Sinne schwanden, sie hörte nichts mehr.
Es scheint mir, Mylord, dass ich Euch alle Geduld und Nachsicht bewiesen, auf die Ihr irgend Anspruch machen konntet, sprach endlich Membrocke. Ich fordere jetzt, dass Ihr zurücktretet und die Lady ihrer freien Wahl überlasst, die, wie Ihr gesehen, zu meinen, nicht zu Euern Gunsten ausfiel.
Noch immer ruhten Richmonds Augen auf Maria, die mit verhülltem Gesicht auf ihren Knien in der Sänfte lag und kein Zeichen des Lebens gab, das, den Andern unbewusst, von ihr gewichen war.
Ormond ergriff, von Richmonds Zustand gerührt, seinen Arm und zog ihn zurück, wohl einsehend, dass ihre Macht vorläufig hier nicht ausreiche, doch fest entschlossen, Membrocke nicht aus den Augen zu verlieren.
Membrocke benutzte dies, verschloss die Sänfte und setzte den ganzen Zug in rasche Bewegung.
Als sie dahin zogen und kein Zeichen des Widerstandes in der Sänfte noch eine Hoffnung übrig liess, stürzte Richmond an Ormonds leidende Brust, und Beide hielten sich im Bewusstsein eines grossen Schmerzes fest umschlungen. – Wir müssen Beide jedoch sich selbst überlassen und der unglücklichen Maria folgen, die wir mehrere Tage später in einer völlig veränderten Lage wieder finden. Lord Membrocke nämlich, nachdem er sie bis dahin mit leidlicher Haltung geführt hatte, übergab sie eines Morgens beim Aufbruch zur weiteren Fortsetzung der Reise einem andern Begleiter, der angeblich auf einige Zeit ihre Reise leiten würde, da es ihm jetzt obliege, voran zu eilen, um ihren Oheim von ihrer nahen Ankunft zu unterrichten.
Alles, was Lady Maria von der Gegenwart des Lord Membrocke befreite, schien ihr glaublich und annehmbar. Sie fügte sich daher ohne Gegenrede in diese Anordnung und trennte sich mit erleichtertem Herzen nach kurzem höflichen Abschiede. Ihrem Oheim durch diesen Mund den Gruss ihrer Liebe voran zu schicken, konnte sie sich nicht überwinden.
Der Tag, an dem wir uns ihr wieder zugesellen, war einer der angestrengtesten der ganzen Reise. Die anbrechende Nacht verhüllte von Aussen die Gegenstände und gestattete keine Wahrnehmungen mehr über den Weg, den Lady Maria in ihrer kleinen Sänfte zu verfolgen hatte. Die unwillkürliche Zerstreuung, die der Tag ihr gewährte, hörte hiermit auf, und zurück gedrängt in ihren Sitz, ward sie aufs Neue von allen Bedenklichkeiten über ihre Lage ergriffen.
So sehr sie sich durch die Entfernung des Lord Membrocke erleichtert fühlte, konnte sie doch daraus keinen beruhigenden Schluss ziehen. Aufs Neue entzog sie ihm vielmehr ihr mühsam geschenktes Vertrauen, um zu erforschen, ob sie endlich doch von ihm betrogen worden sei. Aber was ward dann aus dem Briefe des Oheims, denn sie nicht bezweifeln konnte? Warum überliess er sie ohne Widerstand jetzt einer andern Obhut; was konnte ihm eine Entführung aus dem schloss ihrer Beschützer nützen, wenn er sich nicht dadurch seine Gewalt über sie sichern wollte? Und in welcher Gewalt war sie jetzt? Setzte sie ihre Reise nach Lord Membrockes Bestimmung fort, sollte sie dennoch ihren Oheim erreichen, oder war noch irgend ein ihr unbekanntes Interesse für ihre person, das jetzt über ihr waltete? Oft erschreckte sie der Gedanke, jener wilde Lord, welcher sie zwang, aus dem schloss ihrer Tante zu entfliehen, könne jetzt über sie gebieten; aber wie wenig stimmte dafür die Art ihrer Behandlung, wie wenig passte das Wesen des Mannes, der ihr Reisegefährte war, zu den bösen Absichten, die sie dann hätte fürchten müssen.
Der Fremde, der sie begleitete, hatte allmälig ihre achtung und ihr Vertrauen gewonnen.. Obwol er erst im mittleren Alter stand, war dennoch der Ausdruck seines Gesichts von einem tiefen schwermütigen Ernst, und seine scharfen edlen Züge wurden durch die Blässe seiner Farbe noch erhöht. Er lächelte nie, aber sein Ernst war mit so viel Milde