die Augen.
Ihr liebt, teures Mädchen, sagte er noch ein Mal mit höchster Teilnahme, denn sie schien auf diesen laut aus seinem mund zu warten, und wie begabt mit höherer erkenntnis, setzte er mit überzeugender Gewalt hinzu: Ihr liebt Richmond!
Irr' flammte ihr blick bei diesen Worten auf, dann sank sie, die Hand schnell aufs Herz drückend, ohne laut ohnmächtig nieder. Ormond bezwang, so mächtig in Anspruch genommen, leicht seine eigne Stimmung. Er öffnete die Scheiben und richtete sie sanft in dem Fenstersitz empor. Bleich, ohne alle Farbe, glich sie einem schönen Marmorbilde. wunderbar rührend spielte das seltsame Lächeln der Ohnmacht um den zarten Mund, während der tiefe Ausdruck des Leidens in der schmerzlich gezogenen Stirn ausgedrückt lag und die herbstliche Sonne, mit blassen Lichtern eindringend, in leichten Goldstreifen das blasse Heiligenbild verklärte.
Bald schien es dem Lord, die Ohnmacht habe sie verlassen. Ruhig, wie bei einer Schlafenden, hob sich der Atem ihrer Brust immer süsser ward das Lächeln ihres Mundes, und aus den sanftgeschlossenen Augenliedern drangen einzelne Tropfen und fielen wie Perlen auf den Schooss; aber sie öffnete sie nicht, und Ormond blieb, gefesselt von Erwartung, ihr stumm gegenüber. Fürchten konnte er ihren Zustand nicht, denn auch die Stirn begann sich jetzt zu lichten, Engel schienen mit ihr zu spielen, so süss ward jeder Zug des lächelnden Gesichtes.
Gewaltsam hatten Ormonds Worte das geheimnis ihrer Brust entschleiert und durch diesen Namen ihm ein so mächtiges Recht verliehen, dass sie dem schnellen Bewusstsein unterlag. Kaum war's eine Ohnmacht zu nennen, was sie überkam, seltsam war Traum und Bewusstsein in ihrer Seele jetzt verschwistert. Sie wusste wohl, sie ruhte, sanft von der Sonne Strahl bespielt, im Fenstersitze, sie nahm es wahr, dass Ormond gütig schützend ihr zur Seite stand; doch eben so ohne Erstaunen, ohne einen Uebergang von Vorstellungen, die sie der Wirklichkeit entfremdeten, schaute sie, wie die Bogen des Fensters vor ihr sich auseinander schoben und ihr ein freier blick in die herrlichste natur ward. Auf einer weiten Höhe schien ihr Sitz zu stehen, sie blickte in ein blühend Land, reich an schönen Städten, mächtigen Schlössern und hohen Türmen und Katedralen.
Weit ins Land hinein sah sie mit klaren Augen das bunte Treiben eines reichen, weit verbreiteten Volkes, doch der vergangenen Zeit gehörend. Ein Festtag schien für Alle angebrochen; denn festlich glänzend zog die Bevölkerung nach einer Richtung hin, und aus der weiten Ferne hatte sie Begriff von rauschendem Getöne, von Musik, von Menschenstimmen, vom Geräusch der Waffen und vom Jubelruf der Freude.
Ein schmelzend Grün bedeckte die Höhe, auf der sie ruhte, und einsam schien es hier, als reiche der Fuss des Hügels nicht zur Erde hin. Sie fühlte ein seliges Genügen, ein himmlisches Erlöstsein von aller irdischen sorge; nichts schien ihr obzuliegen, als selig lächelnd zuzuschauen, wie schön gestaltet Alles um sie war. Da sah sie eben näher nun am Rand des Hügels einen Eichenwald, die Sonne schien hinein, der Boden schimmerte vom saftigen Grün des Mooses, und Blätterschatten tanzten wie dunkle Blumen drüber hin; da hörte sie den Chorgesang der Geistlichen, ein Agnus Dei sangen sie, und bald erschienen in den breiten Wegen sie paarweis mit dem Allerheiligsten, mit holden Knaben, die aus Silberbecken die leichte blaue Wolke des Räucherwerks um sich kräuselten. Die Ritter folgten im goldenen Harnisch und mit langen wehenden Federn; auf ihren Schultern trugen Andere den hellen Silbersarg mit goldener Krone, und die Zipfel des königlichen Purpurmantels hielten Knaben in Gold und düsterer Seide. Viele waren, die in hoher Trauerpracht noch folgten, dann war der breite Weg des Waldes wieder leer, und nur die Sonne spielte mit den Blättern auf dem frischen grund. Doch liebliche Töne klangen jetzt; der Wald verhüllte noch die neue frohe Mähr, nur Hörnerharmonien in heiterer Weise, zu einem Hochzeitsreigen wohlgeschickt, eilten froh voran, dann kam der Zug in bunter Pracht. Wie spielten nun im Glanz der Sonne die bunten goldenen Stoffe der Herren und Frauen, der Edelsteine, der bunten Federn zauberisch Farbenspiel. Der leichte Schritt der schön geschmückten Rosse schien mehr begeistert von den Hörnerklängen, als gelenkt vom leichten Druck des goldenen, Zügels taktmässig hinzuschreiten. Die Schönheit ziert hier die Pracht, und Glück und Lust entspross in zarter Harmonie, und endlich bot der Mittelpunkt des Zugs sich dar. Zwei schöne Knaben führten den milchweissen Zelter, auf dem die junge Schönheit lächelnd ruhte, die, in dem Schmuck der Königin, wie eine Nymphe des Waldes mit Blatt und Moos und Blumen zu tändeln schien, und einer langen Ranke zarte Fäden um einen schönen, königlichen Mann geschlungen hatte, der innig ihr ergeben, gefesselt schon an ihren Augen hing. Der Zug schien sich zu nahen, den Hügel zu ersteigen; die holde Frau nickte nach Maria hin, sie hob die zarte weisse Hand empor und steckte fünf kleine Finger in den goldenen Reifen einer Krone, die sich hoch dann ihr entgegen streckte. Da hob der Mann an ihrer Seite sein Angesicht und sah Maria zärtlich an.
Mein Oheim! rief sie. Verschwunden war das Bild, der ganze süsse Traum. Sie stand plötzlich aufgerichtet vor Lord Ormond, der zu ihren Füssen lag, und flehend sie beschwor, zum Bewusstsein zu erwachen. Sie sah ihn an mit dem holdesten Lächeln, ihre Augen leuchteten, wie von einem tiefen inneren Lichte erhellt, und sanfte