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wie gross sie auch sein möge, auf mich nehmen, damit Euer Engelherz wieder frei atme und Ihr das Entzücken empfinden möget, namenlos zu beglücken.

Maria hatte ihn mit einem Ausdruck angesehn, der nur zu deutlich mehr Schreck als Freude andeutete; sie drückte jetzt die flache Hand gegen die Stirn, als wollte sie sich zu einem klaren Bewusstsein wecken, während Ormond mit einer Erwartung an ihren Zügen hing, die nur zu deutlich seine tiefe Erschütterung ausdrückte.

IhrIhr liebt mich? stammelte sie endlich tonlos, und das schöne Auge floss in Tränen über, die auf Ormonds gefaltete hände fielen, der, seiner nicht mehr mächtig, zu ihren Füssen gesunken war. O Lord Ormond, warum liebt Ihr eben mich? fuhr sie mit einem tiefen Schmerzenstone fort, o warum mich? Doch nein, es kann nicht sein, es wird nicht sein, es ist Euer grossmütiger Eifer, der Euch zu diesem Glauben führt. Nein, nein, Ihr liebt mich nicht, aber retten wollt Ihr mich, aus der trostlosen Vereinsamung, in der ich dastehe, wollt Ihr mich erretten. Ihr wollt Euch zum Opfer bringen, um mich von dem Einfluss jenes Mannes zu befreien, den Ihr mir so verderblich schildert. O ich habe Euch erraten und erkenne den ganzen Umfang Eures grossmütigen Herzens! Doch, wie auch Alles kommen mag, ich kann nicht, kann dies grossmütige Opfer von Euch nicht annehmen. O steht auf, rief sie dringend, als Ormond den Kopf senkte und seine Stellung nicht änderte.

Es war kein Opfer meinerseits, was ich Euch zu bringen dachte, ich war es, der von Euch ein Opfer begehrte, sprach Ormond, nach Fassung ringend, indem er von seinen Knien aufstand. Ich, der Vereinsamte, suchte die Gemeinschaft eines Engels, der alternde Mann beging die Torheit, die Gefühle der Jugend zu hegen und ihre Erwiederung für möglich zu haltenich bin bestraft, und was ich leiden werde, ist die Busse meiner Torheit. Ihr liebt mich nicht, ich sehe es klar, wenn Ihr das Wort auch gern mir sparen möchtet, doch verstanden habe ich Euch und werde versuchen, es zu überleben!

O um Gotteswillen, sprecht nicht so! rief Maria hier, von tödtlicher Angst ergriffen, und eilte ihm nach, da er bleich und schwankend an einen Pfeiler sich zu stützen suchte. Tränen des tiefsten, schmerzlichsten Anteils stürzten über ihre Wangen. Von aller Schüchternheit verlassen, sah sie nur den edlen Leidenden, ach ihretalben Leidenden; sie ergriff seine Hand und drückte sie zwischen den ihrigen; sie suchte bittend sein Auge, um durch die zärtlichste Teilnahme ihm Linderung zu verschaffen, und hätte Ormond das wärmste Gefühl der Freundschaft in diesem schrecklichen Augenblick zu schätzen gewusst, es hätte ihn schön und tröstend aus ihren Blicken ansprechen müssen.

Er rang mit dem jähen Wechsel seiner Hoffnungen; er versuchte die körperliche Erschütterung, die ihn selbst überraschte, zu besiegen; er richtete sich an ihrer zarten Hand, die sie ihm kindlich lieh, empor, er wagte es, den schweren trüben blick aufzuschlagen und blickte, unwiderstehlich hingezogen, zu ihrem lieben Antlitz auf.

Engel, sprach er, tief gerührt, als er ihre unschuldige, zärtliche sorge um ihn erblickte. Du kannst nicht weh tun, und wenn Du auch das blühendste Paradies der Zukunft mir in einer Sekunde zur öden Steppe der Wüste verwandelt hättest! Nein, ich will leben lernen und mich so leidlich, wie möglich, schicken, und wenn es nur wäre, um Dir keinen Seufzer mehr zu kosten, diesem klaren Auge keine Träne! Vergesst, was ich Euch sagte, aber vergesst nicht, dass ich Euer wärmster Freund geblieben, versprecht mir, ach als kleinen Ersatz für das, was ich eben verlor, versprecht mir, dass ich Freundes Rechte auf Euch behalten soll.

Sie legte sanft und ernst die Hand in die ihr dargebotene. Mein edler und grossmütiger Freund! sagte sie dann mit innigem Tone, vielleicht kommt bald der Augenblick, wo nicht mein Mund, doch das Andenken an diese mir geschenkten Rechte Euch mahnen wird. Sie schwieg und fühlte aufs Neue die Last des eignen Geschicks. Doch Ormond blieb nun wieder stehen, und mutig von dem eigenen Schmerze sich erhebend, wendete er ihrer geheimnissvollen Lage sich wieder ausschliesslich zu.

Muss ich Eure Worte deuten, als ob uns von Euch eine Trennung drohe? Was hat man getan, Euch von hier wegzuscheuchen? O glaubt mir, von Allen seid Ihr geliebt; jedes Glied dieser Familie achtet sich glücklich, Euch ehrenvollen Schutz zu verleihen, bis die Zeit Euch über Eure Verhältnisse aufklären wird. Warum wollt Ihr nicht den Schutz annehmen, der den Gewährenden nur Freude schafft? – Maria lehnte, sich immer müder in ihrem geist fühlend, gegen einen niedern Fenstersitz. Antworten konnte sie nicht; sie fühlte sich übermannt von den Bildern, die in ihrem geist auftauchten und verschwanden. Ormond blieb, sie betrachtend, vor ihr stehen, und selbst heftig erregt, sprang sein Geist in Bezug auf sie von einem kühnen Schlusse zum andern.

Da war ihm plötzlich, als risse die Binde vor seinen Augen. Sie liebt! rief eine stimme in ihm, und willenlos fast rief sein Mund: Ihr liebt, Maria, jetzt weiss ich Alles, Ihr liebt!

Maria zuckte bei dem Worte zusammen und legte die Hand scheu auf ihr Herz, dann blickte sie Lord Ormond voll Erstaunen fragend wie ein Kind in