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Doch, was auch ein unerbittliches Geschick über meine Handlungen bestimmen mag, seid sicher, Mylord, Euer werde ich gedenken, und dieser Stunde Eures treuen, tätigen Mitgefühls, und so unmöglich ich Euer Anerbieten annehmen kann, so sicher seid, dass ich seinen Wert tief empfinde, um so tiefer, als ich den hochachte, der es mir so grossmütig darbietet.

O, rief Ormond dringend, wenn Ihr mich achtet, wenn Ihr Vertrauen zu mir habt, so steht nicht an, mich zu Euerm Beschützer anzunehmen! O sprecht, was knüpft Euch an diesen sittenlosen Mann? Warum könnt Ihr Euch seinem Einflusse nicht entziehn? Glaubt mir, kein Zweifel an Eurer engelgleichen Reinheit trübt meine Verehrung gegen Euch, ich bin gewiss, höllische Täuschungen haben Euch umsponnen, hintergangen seid Ihr, ein Irrtum der Tugend ist es, der Euch von diesem mann abhängig macht. Redet, sagt nur ein Wort, sagt, dass Ihr selbst Euch von ihm trennen möchtet, und ich will ihn zwingen, dass er nie wieder von diesem Augenblicke an Euch nahen darf.

O nein, nein! rief Maria, haltet ein mit Eurem Eifer, lasst ihn in Frieden, verfolget ihn nicht, ich darf es nicht veranlassen, nicht zugeben. Ormond wandte sich ab mit einem Schmerze, der ihn zu sehr übermannte, um sogleich wieder reden zu können; aber das Gefühl, dass sie unglücklich sei, und der schreckliche Gedanke, dass sie sich in der Gewalt eines Mannes zu befinden schien, von dem er nur das Nachteiligste voraussetzen konnte, dies überwältigte jede andere Betrachtung, wie sehr er auch durch ihre anscheinende Teilnahme für diesen Mann zu leiden begann. Er konnte sie nicht verlassen, mit erneutem Anteil wandte er sich zu ihr:

Teure Lady Maria, seht mich als Euern besten Freund an, und dann und in dieser Beziehung würdigt meine Worte Eurer Aufmerksamkeit! Mein Herz leidet zu heftig bei dem Zustande, in dem ich Euch sehe. Ich würde Euch Eurem eigenen Gutdünken überlassen können, wenn Ihr glücklich wäret, aber Ihr seid es nicht, dieser unglückselige Mann hat Euch nicht Frieden und Glück mit dem Vertrauen zu sich einflössen können, darum können Eure Freunde nicht ruhig bleiben, und glaubt mir, wer Lord Membrocke kennt, fühlt sorge um Euch. – Er hielt in der Hoffnung einer Antwort inne; aber nur bleicher und bleicher ward ihr schönes Angesicht, ihre Lippen öffneten sich, aber sie schienen keine Worte sprechen zu können, nur bange Seufzer entschwebten ihnen.

Jetzt stand der unglückliche Mann vor der Vermutung, die ihm am schwersten ward auszusprechen, und die sich ihm doch endlich unwiderstehlich aufdrängte.

Ich kann Euch nicht verlassen, sprach er, als sie einen schwachen Versuch machte, hinweg zu gehen, und ihm mit der matt erhobenen Hand das Gleiche anzudeuten suchte, ich kann Euch nicht verlassen, Ihr habt mir Freundesrechte zugestanden; o zürnt mir nicht, wenn ich, von meiner sorge um Euch getrieben, Euch zu dringend erscheine, lasst mich die grösste Angst meines Herzens Euch gestehn und rechnet auch in diesem Falle auf meine grenzenlose Ergebenheit, auf jeden Beistand, dessen Ihr benötigt seid. – Ich frage Euch, hat die liebenswürdige Aussenseite dieses Mannes, hat sein munterer Geist Eindruck auf Euer junges, unerfahrenes Herz gemacht, liebt Ihr ihn?

Als ob ein elektrischer Schlag das fräulein getroffen, so fuhr sie jäh empor, und ihr ganzes Leben schien aus den Zauberbanden der Apatie, worin sie im vorigen Momente gefangen lag, zu seiner vollen Energie erwacht; ihre Wangen und ihre Augen hatten Licht bekommen, hoch stand sie sogleich auf, und die hände an die Brnst gedrückt, rief sie laut und aus tiefer Brust: Gott sei mir gnädig, Mylord, wohin führt Euch Euer erfinderischer Geist? Wie war es Euch möglich, dahin zu gelangen? Nein! nein! Seid sicher, ich liebe ihn nicht und kann ihn nie lieben! nein, die Gerechtigkeit lasst mir widerfahren, dies für unmöglich zu halten.

Sie hatte sich mit einem so engelreinen UnschuldsEifer zu ihm hingebeugt, dass seine Seele jubelnd ihr Glauben schenkte, und hätte sie für den Ausdruck seiner Züge Sinn gehabt, sie hätte darin das hohe Entzücken erkennen müssen, das er bei dieser Wahrnehmung empfand. Sein Augenblick war nun gekommen. Ich glaube, sprach er zitternd, – o vergebt mir, wenn ich Euch beleidigte, zürnt mir nicht, aber lasst mich um so dringender fortfahren, wenn Euch kein Gefühl an ihn bindet, Euch vor ihm zu warnen.

Edler Freund, wenn Ihr Glauben an meine Unschuld habt, erwiderte Maria sanft und ernst, so unterwerfet diesen der probe, mir ohne Gründe zu vertrauen. Ich hoffe zwar vor Gott gerechtfertigt zu sein; aber es ist mir versagt, so auch vor Menschen dazustehen. Ich muss dies Mal der stimme meines Gewissens folgen, ich steheallein, setzte sie voll Wehmut hinzu, und von allem natürlichen Beistand getrennt. –

Nein, rief Ormond, hier sie unterbrechend, Ihr steht nicht allein, nur von Euch hängt es ab, Euch demjenigen, den Ihr Freund genannt, durch die heiligsten Bande auf ewig zu nähern. Ja, teure Maria, ich will es Euch nicht länger verschweigen, ich liebe Euchsagt, dass Ihr mein sein wollt, und macht mich zum glücklichsten mann. O, vertraut mir, ich will Euch ehren, schützen und lieben, und die ganze Bürde Eures unverdienten Schicksals,