sie alle mit Beweisen der grössten Zärtlichkeit überhäuften.
Ormond blieb in der bewegten Stimmung, die ihm der so nah rückende wichtige Augenblick gab, lieber fern von ihrer Nähe. Membrocke aber genoss die stolze Sicherheit des nahen Gelingens und fragte wenig nach der kleinen Gunst, die zu erringen hier sehr zweifelhaft war. Er kündigte dagegen der alten Lady seine Abreise nach London an, da Seine Majestät die Gnade gehabt habe, ihn zu der Gesandtschaft zu ernennen, die zur hohen Vermählungsfeierlichkeit sich mit dem Herzog von Buckingham nach Frankreich begeben werde.
Man hörte die Nachricht mit so wenig Betrübniss an, als irgend die Höflichkeit gestattete, und der Lord wendete nun seine gnädige Aufmerksamkeit ausschliesslich der Marquise Danville zu.
Richmond allein näherte sich der Lady Maria. Als er sie anredete, bebte seine stimme, und als Maria ihre schwermütigen Augen, von der seelenvollen stimme ergriffen, zu ihm aufschlug, da strahlte ihr eine solche Fülle des Gefühls aus seinen Zügen entgegen, dass augenblicklich das verschwundene warme Leben in ihren Busen zurückkehrte, und ihre Züge den bezaubernden Ausdruck wieder annahmen, der ihnen so eigen war.
Richmond konnte diese von ihm bewirkte Veränderung nicht verkennen, und er gab sich dem verführerischen Vergnügen hin, an dem geist dieses schönen Wesens sich zu erfreuen.
Sie hatten beide ziemlich die Welt um sich her vergessen, und Richmond gewahrte zu spät, dass die Augen seiner Mutter in starrer Prüfung auf ihm ruhten. Er hörte nicht mehr, was Maria ihm sagte, noch ein Mal blickte er sie an, als wollte er den Ausdruck ihrer Züge mit sich hinweg nehmen, dann verliess er sie mit der kalten Höflichkeit, die er seit lange allein für ihr verhältnis passend erachtet hatte. Maria versank aufs Neue in die Apatie, aus der sie nur augenblicklich gerissen schien, und als Lord Membrocke sich ihr mit Zuversicht näherte und sie um eine Unterredung bat, neigte sie bejahend ihr Haupt mit einer Ergebung, als könne keine Gewalt der Erde mehr das drohende Schwert von ihrem haupt abwenden.
Was ich jetzt von Euch noch zu hören habe, macht es kurz, Mylord! sprach Lady Melville, als sie in einer halb offenen Säulenhalle, die der Lord zu seiner Audienz erbeten hatte, ihn sich ihr nahen sah. Sie hatte alle ihr noch mögliche Kraft und Besonnenheit hervorgerufen, um sich durch nichts überraschen oder verführen zu lassen, und hoffte noch immer, er werde die ihm. über sie verliehenen Rechte nicht genügend beweisen können.
Lord Membrocke fand es leicht, den bescheidenen Mann zu spielen, da er im nächsten Augenblicke seinen Triumph feiern konnte, und indem er ihr ehrerbietig einen Sessel zuschob, blieb er in gemessener Entfernung vor ihr stehen.
Mylady, hob er an, meine Worte sollen Euch nicht länger belästigen. Ich bin nur der Ueberbringer eines Schreibens, das wahrscheinlich beredter zu Euch sprechen wird, und ich bin bloss hier, um zu hören, was Ihr, nachdem Ihr den Inhalt kennt, mir zu befehlen haben werdet.
Mit diesen Worten entfaltete er langsam vor den ihn scharf beobachtenden Augen der Lady ein Portefeuille, aus dem er den verhängnissvollen Brief hervorzog. Leichenblässe und hohe Glut wechselten in den Zügen Maria's, als er ihn ehrerbietig. hinhielt. Sie griff darnach, als sie ihn aber gefasst hatte und die ewig teuern Züge der Handschrift dieses geliebten Oheims zu erkennen glaubte, als diese überzeugung noch durch den Anblick des Abdrucks seines Siegelringes verstärkt ward, unterlag sie ihren mächtig sie überraschenden Empfindungen, und mit einem Strom von Tränen sank sie in den Sessel zurück. Ach, sie hätte sich verachtet, wäre noch ein Zweifel in ihrem unschuldigen Herzen geblieben; und ehe sie noch den Inhalt kannte, war sie schon entschlossen, jede Bedenklichkeit zu unterdrücken und Alles zu befolgen, was ihr darin aufgegeben würde.
Mit der kindlichsten Ehrfurcht las sie nun die liebevollen Worte, die so viel Schmerz und so viel Liebe und Vertrauen zu ihr ausdrückten; sie presste sie endlich an ihre Brust, hob die in Tränen schwimmenden Augen wie zu einem kurzen Gebete zum Himmel und erhob sich dann völlig entschlossen von ihrem Sessel.
Ich bin jetzt überzeugt, dass mein Oheim mich selbst zu sich beruft, dass er selbst meine Verschwiegenheit gegen meine Wohltäter verlangt, dass mir kein anderes Mittel übrig bleibt, die Befehle meines einzigen mir gebliebenen Verwandten zu erfüllen, als – Euch zu folgen und heimlich zu folgen. Sie sprach diese Worte mit einem Widerstreben, dass sie trotz der Absicht, den Vertrauten ihres Oheims nicht mehr zu beleidigen, doch nicht zu unterdrücken vermochte.
Ich war dieses Eurer so würdigen Entschlusses gewiss, erwiderte Membrocke, und habe daher Alles zu meiner Abreise vorbereiten lassen. Ich werde, wenn es Euch also gefällt, morgen Mittag öffentlich abreisen, am Abend zurückkehren, und Euch mit einem raschen Pferde und sicheren Gefolge am nördlichen Ausgang des Parkes erwarten. Ihr müsst Euch dahin begeben, so bald Ihr Alles in Ruhe wisst; denn uns bleibt in dieser ersten Nacht ein bedeutender Weg zurück zu legen, um uns vor den gewiss erfolgenden Nachstellungen verbergen zu können.
Er hatte sich beeilt, Alles, was nötig war und sie in seinen Einzelheiten erschrecken musste, in diesen Augenblicken der ersten Ueberraschung vor ihr auszusprechen. Sie stand sprachlos vor ihm und er hätte noch lange sprechen können, ohne dass sie ihn unterbrochen hätte; denn sie schauderte, während er seinen Plan vor ihr entwarf, über die schreckliche Lage, in die sie sich durch diesen Entschluss versetzte. Ihre